Alles hat ein Ende

Gereist sind wir. Von Jiayuguan nach Xi'An, von Xi'An nach Nanjing und von dort weiter nach Qingdao, Beijing, Xiamen, Suzhou und Shanghai, bevor es endgültig zurück nach Nanjing ging. Wir haben uns Städte angeschaut, Bekanntschaften geknüpft, Souvenirs erhandelt, "echten" Kaffee getrunken und und und. Ich habe indigniert versucht, Leuten klarzumachen, dass ich etwas Chinesisch spreche – hat wohl keiner erwartet. Ich habe frustriert feststellen müssen, dass Mandarin eben nicht gleich Mandarin ist und ich u.U. Leute in einer anderen Region gar nicht verstehe.

 

Zurück in Nanjing laufen wir durch die Gassen in der Nähe des Büros unserer Organisation, wo wir vor einem Jahr unser Vorbereitungsseminar hatten. Wir essen beim Koreaner, kaufen Reis-Baozi, gehen in den Supermarkt, bestaunen die Technik-Halle. Zur Kirche schaffen wir es nicht, es regnet und ich bin erkältet. "Weißt Du noch, …?" - "Ja." Ein merkwürdiges Gefühl beschleicht mich, das Gefühl des Zuhause seins – zumindest ein Stück weit.

 

Ich denke darüber nach, was mich vor einem Jahr beschäftigte. In Nanjing ging es damals los und in Nanjing geht auch mein Jahr nun zuende. Ich bin nicht die, die ich damals war. Natürlich nicht. Ich habe mich weiterentwickelt. Aber natürlich bin ich ich geblieben. In meinem Motivationsschreiben für meine Entsendeorganisation bat ich im April 2013 um die Chance, einen Teil meines Herzens an China und Chinas Leute zu verschenken. Ich habe diese Chance genutzt.

 

Das Jahr war gewiss nicht einfach und ich freue mich auch auf Deutschland. Aber ich habe viel erlebt, was ich vermissen werde: Gewisse Denkmuster, Handlungsweisen, berührende Momente mit einzelnen Personen, eine fremde Sprache, und das Gefühl doch ein ganz klein Bisschen erreicht zu haben. Und wenn die Schüler nicht viel Englisch lernten, dann habe ich doch den einen oder anderen im Herzen berühren und anstupsen dürfen. Mich hat in dem Jahr jedenfalls Vieles angestupst, manches sogar durchgerüttelt.

 

Nun sitze ich am Flughafen. In Deutschland wartet viel Bekanntes auf mich, aber auch mindestens so viel Unbekanntes. Meine Flügel sind gespreizt!

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Kommentare: 1
  • #1

    Jürgen (Donnerstag, 31 Juli 2014 20:30)

    Na dann herzlich willkommen.
    "Alles hat ein Ende": Ich höre auf, Lehrer (Schulleiter) zu sein.

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