ReiseGedanken 3

07.02.14: Schreibwaren-Laden

Ich: "多少钱?" (Wie viel kostet das?)

Die Verkäuferin hält zwei Finger hoch.

Ich: "两块" (Zwei)

Sie nickt.

Ich: "和那个?" (Und das da?)

Sie hält sieben Finger hoch.

Ich entsetzt: "七块?" (Sieben?)

Sie beschließt kopfschüttelnd, nun doch Chinesisch mit mir zu sprechen: "两块五" (Zwei fünfzig). JETZT verstehe ich sie auch!

...An dem Gespräch merkt man, wie touristisch geprägt die Stadt ist.

 

08.02.14, ReisTERRASSEN

Als ich letzte Woche meine Wanderschuhe in ein Paket gen Jiuquan tat, war mir irgendwie nicht klar, dass folgende Rechnung kaum aufgehen kann:

Bergiges Geländer + Regen + wahlweise glatte Steinstufen oder Matsch + Chucks (löchrige Leinenschuhe ohne Profil)

Fügt man dann noch Kälte und Nebel hinzu - soll heißen, man friert, rutscht aus, saut sich ein und sieht die Reisterrassen von denen man angeblich umgeben ist eh nicht - stellt sich dem pragmatisch denkenden Teil der Menschheit unter Umständen durchaus die Frage, wieso wir überhaupt da waren. Trotz (oder vielleicht gerade wegen) aller widrigen Umstände fand ich es sehr spaßig :)

 

Infos am Rande:

 

Elektroroller werden in China nicht registriert und haben dementsprechend auch keine Nummernschilder. Konsequenterweise muss man mit ihnen offiziell auf dem Bürgersteig fahren. Einen Führerschein benötigt man auch nicht.

 

Gebäude ab 8 Stockwerken müssen in China offiziell einen Fahrstuhl besitzen. Deswegen sind die meisten Gebäude auch nur siebenstöckig...

 

11.02.14, Zugfahrt

Es ist 23:30, ich liege gemütlich in der untersten Pritsche eines Schlafzuges. Die Zähne sind geputzt, das Schlaf-Shirt ist angezogen, meine Augen fallen zu.

Kaum bin ich eingeschlafen, wache ich wieder auf, weil eine Frau mittleren Alters mir mit ihrem Handy ins Gesicht scheint und einen Wortschwall auf mich niederlässt. Energisch ist sie, und wütend. Ihren zwei Kindern befiehlt sie im Gang zu warten während sie mir klar macht, dass sie Bett Nr. 16 gebucht habe, ich also augenscheinlich in ihrem Bett liegen würde und bitteschön mein (*hust*, ihr) Schlafgemach so schnell wie möglich zu räumen habe.

Den Schock erst 'mal verdaut fällt mir halb verschlafen zum Glück ein, dass ich in Bett Nr. 15 liege, und mache ihr das auch klar. Ohne ein Wort der Entschuldigung dreht sie sich um und rütteln meine Nachbarin - die tatsächlich in Bett Nr. 16 liegt - wach. Diese wird erst einmal tüchtig ausgeschimpft. Die soeben geweckte Dame ist aber verständlicherweise auch nicht gerade glücklich, mitten in der Nacht geweckt zu werden, und reagiert ziemlich bissig. Es entfacht ein regelrechter Wortkampf.

 

"Das ist mein Bett!" - "Nein, ist es nicht. Das ist mein Bett." - "Ach ja, wo ist denn deine Fahrkarte?" - "Die hat der Schaffner!" - "Wieso hat der Schaffner die?" - "Ja weil der Schaffner immer alle Fahrkarten einsammelt.* Sag mal, bist du noch nie Zug gefahren?" - "Räumst du jetzt bitte das Bett?" - "NEIN!"

"Kinder, bleibt da bitte sitzen. Wir verstauen jetzt erst 'mal unser Gepäck, die Dame wird schon noch Platz machen. Ich hol' gleich den Schaffner."

 

Kaum hat die Frau ihr Gepäck überall verteilt - Koffer unter'm Bett, Essen auf dem Tisch, ... - kommt ein Mann und sie darf ihr Gepäck und ihre Kinder wieder einsammeln, um ohne ein Wort abzuzischen. Am nächsten Morgen sehe ich sie in Bett Nr. 17.

Wahrscheinlich hatte sie wirklich noch nicht viel Erfahrung mit Zug fahren und Wagen- mit Bettnummer verwechselt:

Wir waren in Wagen Nr. 16. Ich lag in Wagen Nr. 16, Bett Nr. 15 und die mir gegenüber, die angegriffen wurde, eben in Wagen Nr. 16 Bett Nr. 16. Die Dame, die nachts mit Gepäck und Kindern kam, hatte wohl Wagen Nr. 16, aber Bett Nr. 17.

 

*Ja, der Schaffner sammelt tatsächlich die Fahrkarten ein. Im Gegenzug erhält man eine Plastikkarte. Dadurch behält er immer den Überblick darüber, welche Betten belegt sind. Außerdem steht auf den Fahrkarten drauf, an welchem Ort man aussteigt, sodass der Schaffner vor jeder Haltestelle rumläuft, die entsprechenden Fahrkarten wieder aushändigt und den Leuten eben mitteilt, dass sie demnächst aussteigen müssen. Fährt man also über Nacht, wird man sogar vom Schaffner geweckt :)

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