142 Stufen

Alle ehemaligen SAS'ler, die sich über Physik im 3. Stock (wohlgemerkt 66 Stufen!) beklagten, sollten weiterlesen und ruhig ein schlechtes Gewissen bekommen ;)

 

142 Stufen darf ich nun tagtäglich mehrmals erklimmen, um in mein Lehrerzimmer zu gelangen: Letzte Woche haben nämlich Schüler und Lehrer der 二中 ("er zhong" = "zwei[te] Mittel[schule]") den Neubau, das Westgebäude, bezogen!

 

Als ich mich bei einer Schülerin über die (Höhen-)Lage meines Zimmers beklagte – ihr Klassenzimmer ist drei Stockwerke unter meinem – schrieb sie zurück: "I think the stairs is also a kind of exercise :D" (exercise = Sport). Ganz schön schlagfertig, die Kleine.

 

Ironisch sind auch die Toiletten die, weil sie relativ groß sind und Sitzklos haben, wahrscheinlich Behinderten-WCs sein sollen. Es gibt sie in jedem Stockwerk. Einen Aufzug habe ich in dem Gebäude nämlich bisher nicht entdecken können...

 

Mein neues Lehrerzimmer ist wesentlich kleiner als das alte, in ihm finden statt 28 nur noch 7 Lehrer Platz. Ich hoffe, dass es dadurch auch wärmer wird, vor allem, wenn am 1. November jemand in Peking den Schalter betätigt, der die Heizungen hier in Jiuquan anspringen lässt.

 

Ja, richtig gelesen! Die Heizungen in ganz Nordchina werden von Peking aus zentral gesteuert. Laut benefind.de ("Ich googele nicht, ich benefinde") haben Häuser in Südchina keine Zentralheizung, da die Außentemperaturen dort deutlich höher sind. Dennoch unterscheiden sich die Temperaturen knapp nördlich bzw. südlich der "Zentralheizungstrennlinie" kaum; die Einen haben's kuschelig warm, 50km weiter frieren die Anderen erbärmlich.

 

Das Wort Zentralheizung darf man sehr wörtlich nehmen. Soweit ich weiß, können Privatpersonen sie nämlich weder an- noch ausschalten, geschweige denn hoch- oder runterdrehen. Während die Einen also zusätzlich elektrische Heizlüfter anschmeißen, reißen die Anderen ihre Fenster weit auf.

 

Wer sich jetzt fragt, wie kalt es bei mir tatsächlich ist: Morgens und abends sind es draußen knapp über 0°C, mittags dann ca. 10 – 15°C. Die Innentemperatur unseres Wohnzimmers bewegt sich irgendwo zwischen 13 und 15°C, mit elektrischem Heizlüfter eher bei 15°C. Freuen tun wir uns immer dann, wenn wir den boiler anschmeißen und dieser beschließt, heute spendabel zu sein und uns tatsächlich mit heißem Wasser zu versorgen. Andernfalls werden die Haare notgedrungen mit kaltem Wasser gewaschen.

 

Jetzt weiß ich, wieso in diesem Land so viel Tee getrunken und Sport getrieben wird:

Beides hält warm!

 

Nachtrag vom 1.1.13: Die Heizung ist an!

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