An(ge)kommen

...an unseren Schulen. Ja, das sind wir. Physisch, aber langsam auch psychisch. Letzten Mittwoch flogen wir zu zwölft nach Gansu. Mittlerweile wissen Franzi, meine Mitbewohnerin, und ich den Weg zum nächsten Supermarkt, zu anderen volunteers und zu leckeren Restaurants. Und eine Woche Unterricht durften wir auch schon hinter uns bringen.

 

Wie es denn so ist, werde ich gefragt. Wie soll es schon sein? Wo fange ich an, wo höre ich auf? Ich weiß es wirklich nicht. Tagsüber hüte ich morgens vier Stunden und nachmittags drei Stunden lang das teachers' office. Außer ich unterrichte, dann stehe ich natürlich vor ca. 50 chinesischen  Schülern und versuche, ihnen 英语 (Yingyu = Englisch) näherzubringen. Jede der 12 Klassen der 7. Jahrgangsstufe (Junior 1) kommt einmal wöchentlich in den Genuss meines Unterrichts.

 

Nach nur einer Woche Lehrerfahrung kann ich nicht wirklich sagen, "wie das Unterrichten so ist". Es ist nicht, dass ich nicht darüber reden will, weil es fürchterlich schlimm ist – Nein, im Gegenteil! Es macht auch Spaß! Ich kann nach nur einer Woche das Ganze einfach noch nicht wirklich beurteilen.

 

Zwei Anekdoten möchte ich heute mit euch teilen:

 

We all have a lesson to learn

 

1. September 2013, 22 Uhr. Laut Stundenplan halte ich morgen früh meine erste Unterrichtsstunde. Geplant habe ich noch nichts. Vor ein paar Stunden habe ich zufällig herausgefunden, dass ich diese Woche perhaps nicht unterrichte, da der Jahrgang military training hat, und sollte ich unterrichten, weiß ich nicht wo. Was ich weiß ist, dass ich vor 7:50 zur flag-raising ceremony an der Schule sein muss, auch wenn ich frühestens um 11:10 (wenn überhaupt, maybe) unterrichte.

 

Nächster Tag. 8:10. Nachdem um 7:50 keiner da war, um uns zur flag-raising ceremony zu bringen, beschlossen wir, eigenständig dahinzugehen. Kaum hatten wir einen Fuß aus dem Lehrerzimmer gesetzt, kam unsere Mentorin um die Ecke gehuscht und bat uns mit einer Handbewegung, wieder einzutreten: "When the students have lessons, you sit in the office". Okay, dann also keine Zeremonie. Wieder hingesetzt. Schöner Schreibtisch. Lieber Schreibtisch. Ich werde dich noch zu schätzen wissen, auch wenn ich momentan noch nicht so die Lust empfinde, täglich 7 Stunden an deiner Seite zu verbringen.

 

Zehn Minuten später die Nachricht: "Military training has been put off, so you will have lessons today." Okay, dann also doch.

 

8:30. Eine Lehrerin stellt mir eine andere Lehrerin vor, die uns heute Nachmittag die Stadt zeigen und mit uns Gemüse kaufen will. Wie man das so macht, sage ich zu. Von ihr vorgeschlagene Uhrzeit: 17 Uhr. Okay. Ich dachte, wir müssen solange die Schüler Unterricht haben im Lehrerzimmer verweilen? Das wäre bis 17:50. Egal. Wenn sie das vorschlägt, wird es schon okay sein.

 

Um 9:40 werde ich gefragt: "Have you already prepared your lesson?". Die lesson, die ich in anderthalb Stunden halten soll...

 

Später halte ich also tatsächlich meine allererste Unterrichtsstunde wie es in meinem Stundenplan steht.

 

Nachmittags bin ich schon fünf Minuten vor Unterrichtsbeginn bei dem Klassenzimmer, in dem ich gedenke, meine zweite Stunde des Tages zu halten. Tja, gedacht! Aber erstens kommt alles anders, und zweitens als man denkt. Aus dem Zimmer ertönt nämlich schon Unterricht! Die eigentliche Englischlehrerin ist dort zugange und erklärt, ihr sei die Stunde zugeteilt worden. Naja, dann sieht mich die Klasse eben erst nächste Woche...

 

Ende der Geschicht: Vertrau den Stundenplänen nicht.

 

Willkommen im Reich der Mitte. Und wie einer unserer Vorgänger schrieb: "Wenn du dachtest, du seist spontan, dann warst du noch nie in China" (siehe http://leongoeschina.blogspot.de/).

 

#daran freuen #nicht hinterfragen #auch Spontan sein

 

Kulturerbe

 

Ich halte einen Zeigefinger vor meinen Mund und sage "shhhhh...".

Was würde ein deutscher Schüler machen? Mir eventuell zuhören.

Was macht eine Klasse chinesischer Schüler? Hält ebenfalls ihren Zeigefinger auf ihren Mund und imitiert mein "shhhhh...".

 

Okay, diese Methode kennen sie wohl nicht.

 

Dann bis zum nächsten Mal. 再见! - Zài jiàn! - Tschüss!

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