Kunterbuntes aus Kina

Dui bu qi, pero mein Blog ist in China gesperrt. Da ich keine Möglichkeit fand, trotzdem zuverlässig auf ihn zuzugreifen, musste ich mir erst einmal einen neuen einrichten. Wenn man nun bedenkt, dass wir sowohl ganztags unterwegs sind als auch, dass mein Laptop sich mit dem LAN-Kabel des Hotels nicht so recht anfreunden möchte, ist es verständlich, dass dies eine Weile dauerte. Tut mir Leid.

 

Also ich bin (wenn auch mit insgesamt 11 Stunden Verspätung) wohlbehütet in Nanjing angekommen.

 

Der erste Eindruck: Schwimmbad

 

Schließ die Augen und stell Dir vor, Du stehst in einem Hallenbad. Es ist laut, warm und stickig. Leider trägst Du normale Kleidung. Unter deinen Füßen spürst Du keine kühlen Fliesen, sondern heißen Asphalt. An Dir sausen nicht nur kleine Kinder vorbei, sondern auch gefühlte tausend Fahrräder, Mofas sowie Roller, die unentwegt hupen, um auf sich aufmerksam zu machen. Das ist zwar sinnvoll, da man dadurch wenigstens den Eindruck gewinnt, die Chance zu haben, rechtzeitig aus dem Weg zu springen; es ist leider auch laut.

 

Hast Du alle Eindrücke aufgesaugt? Gut! Welcome in Nanjing, China!

 

Denk daran, dass Du Dich bei diesem Wetter auch noch in einer größeren Gruppe fortbewegen musst, die Du ja nicht aus dem Auge verlieren willst! Oder weißt Du, wie Du einem Taxifahrer – solltest Du denn einen finden – auf Chinesisch die chinesische Adresse deiner Unterkunft sagst oder aufschreibst? (Ich habe übrigens für alle Fälle eine Visitenkarte mit der Adresse in meinem Portmonee und nach einer Woche hier stellt sich auch langsam ein Orientierungssinn ein...)

 

Mitten in der Nacht erreichten Amelie, Jakob und ich das Hotel, das auf einem Uni-Campus liegt. Unsere Mitfreiwilligen waren aufgeblieben und servierten uns armen, ausgehungerten, müden Menschen erst einmal Instant-Nudeln, wofür wir ihnen sehr dankbar waren :)

 

Weitere Eindrücke habe ich nun nach Überschriften geordnet, damit jeder das lesen kann, was ihn interessiert, da es doch einige geworden sind.

 

Hitze und dennoch Erkältung? Land voller Widersprüche

 

Bei der schwülen Hitze ist es natürlich eine Wohltat, Zeit in klimatisierten Innenräumen zu verbringen. Dies war uns so wichtig, dass wir in der Nacht unserer Ankunft – nach der Feststellung, dass wir unser eigenes Wohlfühltemperaturmachteil nicht ankriegen – sofort wieder runterliefen und dem armen Sicherheitstypen des Hotels unsere chinesische Fernbedienung unter die Nase hielten und (da wir ja kein Chinesisch können) einfach erwarteten, dass er uns versteht und auch noch hilft.

 

Da wir jedoch nichts erreichten, holten wir Olen zuhilfe, einen Freiwilligen, der Chinesisch spricht. Einige Wortschwälle und ein Telefonat später fuhren wir mit dem Aufzug wieder hoch und warteten gespannt. Nach einer Zeit kam ein schlaftrunkener Angestellter, starrte unsere Fernbedienung geschlagene 5 Minuten an, drückte ein paar Knöpfe, die Anlage ging natürlich auf Anhieb an, und verschwand auf ominöse Art wieder.

 

Seitdem ist das Wunderteil pausenlos in Gang, und selbst bei eingestellten 28°C schlafen wir mit Schal (wegen der Kälte) und Ohropax (wegen der Lautstärke). Dennoch haben sich schon einige Erkältungen eingefangen. Bisher blieb ich glücklicherweise davor verschont.

 

Peace, dude!

 

Als wir am nächsten Morgen unten in der Lobby auf alle warteten, kam eine Chinesin auf uns zu und fragte zaghaft: "Sorry, do you think I could take a picture with you?". Kaum hatte sie sich hingesetzt, neigte sie auch schon ihren Kopf leicht zur Seite und formte mit ihren Zeige- und Mittelfinger zwei Peace-Zeichen! Kaum waren einige Fotos von ihr mit uns geschossen, kam auch schon die nächste Person und setzte sich in unsere Mitte. Insgesamt wurde dieses Spektakel noch weitere sechs Mal wiederholt.

Ich fand es lustig, gleich am ersten Morgen in eine Situation zu kommen, auf die die Ehemaligen uns schon vorbereitet hatten. Ja, man wird tatsächlich gerne fotografiert. Und nein, es wird nicht immer vorher gefragt.

 

Nachmacher?

 

Am selben Tag kauften drei von uns sich neue Handys. Das Mobiltelefon, das ich besitze, erhandelten sie sich für einen Drittel des Preises, den ich ein paar Monate zuvor in Deutschland ausgab! Erst am zweiten Tag kamen wir darauf, dass sie wahrscheinlich doch nicht echt sind. Sollten es Fakes sein, sind es sehr, sehr gute. Optisch erkennt man winzige Unterschiede. Das Betriebssystem ist ebenfalls etwas anders, jedoch täuschend ähnlich. Selbst die mitgelieferte Verpackung könnte ich nicht von der meinigen unterscheiden.

 

Während die drei zugange waren, lief ich etwas in dem Laden rum. Dort passierte es mir, dass ich ungewollt handelte – der Verkäufer reduzierte den Preis schlagartig um ein Drittel, als wir sagten, wir würden uns den Kauf noch überlegen und dann in ein paar Tagen wiederkommen ("Special price! But only if you buy it today."). Dabei wollte wir nur höflich sein und nicht geradeaus "Nein" sagen.

 

Ausweis, bitte!

 

Der Reisepass ist uns ein steter Begleiter. Ob beim Geld tauschen in der Bank oder beim Kaufen einer Simkarte, irgendwie muss man ihn andauernd vorzeigen und kopieren lassen. Selbst für den Museums-Besuch sollten wir ihn "für alle Fälle" einstecken.

 

Was fordern Touristen?

 

Heute stand dann der "Confucian Temple" (also ein Konfuzianischer Tempel) auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin erfuhren wir nebenbei, dass dort heute gar kein Tempel mehr steht. Hmm, okay. Ich persönlich erwartete also wenigstens eine Tempel-Anlage oder ein paar Ruinen. Tja, nix da, Pustekuchen! Man lief durch ein riesiges Tor, wohinter sich ein Einkaufszentrum verbarg! Wir schauten also etwas ungläubig auf Häagen Dazs, KFC und unzählige Geschäfte.

 

Karten-Kaos?

 

Ja, ich weiß, Neologismus. Nur falls jemand mich auf Rechtschreibfehler hinweisen will ;)

 

Zu acht in der Lobby, dank Zusatzregeln wild mit UNO-Karten um uns schmeißend beziehungsweise weitergebend, dazwischenwerfend, draufhauend, Farben auf Chinesisch sagend, Strafkarten ziehen müssend wenn man Deutsch spricht und noch vieles mehr, dauerte es nicht lange, bis einige Chinesen sich näher trauten um dieses Spektakel zu begutachten.

Es ist wohl ungewöhnlich, mit so vielen Leuten gleichzeitig zu spielen, und unsere Zusatzregeln machten es nicht gerade einfacher, dieses eigentlich wirklich nicht komplexe Spiel zu durchblicken. Auf jeden Fall hatte jeder seinen Spaß: Wir beim Spielen, sie beim Zugucken.

 

Austausch? Austausch!

 

Hier gibt es eine chinesische Studentin, die viel mit uns unternimmt. Einmal brachte sie auch eine Freundin mit. Es ist interessant, sich gegenseitig über verschiedene Themen auszutauschen, also beispielsweise über die Bedeutung von Familie in Deutschland und China oder über die Frage, ob die Deutschen immer so schnell laufen (das war ein für uns normales Lauftempo!).

 

Modernes Bahnfahren

 

Das U-Bahnsystem hier ist moderner als im Rhein-Main-Gebiet. Mithilfe von Tokens wird sichergestellt, dass keiner schwarz fährt oder zu wenig zahlt; security checks wie am Flughafen gibt es auch sowie Absperrungen vor den Gleisen mit Glastüren, die nur aufgehen, wenn eine Bahn kommt.

 

Was ich jetzt mache

 

Insgesamt bin ich also fast drei Wochen in Nanjing. Von zwei Wochen "Summer Training Programm" ist jetzt schon eine rum. Morgens besuchen wir einen Sprachkurs, nachmittags hören wir verschiedene Vorträge beziehungsweise probieren unsere Unterrichtskünste an Schülern aus. Wenn man bedenkt, dass wir uns auch komplett selbst verpflegen müssen, wird klar, dass nicht viel Zeit zum Chinesisch lernen, Unterricht vorbereiten oder einfach 'mal entspannen übrig bleibt. Dennoch haben wir unseren Spaß :-)

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