MITTENDRIN

Fr

09

Jan

2015

Nur weg von hier!?

Hast Du Lust "akademisches Lernen" kurzfristig über Bord zu schmeißen, Dich auf unbekannte Sprachen und Verhaltensweisen einzulassen und von Anderen zu lernen?


Hast Du Lust, Deine Grenzen zu erweitern?


Hast Du Lust ein Lerndienst im Ausland zu absolvieren?


Meine Entsendeorganisation, Mission EineWelt, hat im IEF-Programm von 2015/16 noch freie Stellen in China (!), Papua-Neuguinea, Tansania, Fidschi, Argentinien sowie Costa Rica!


Detaillierte Informationen gibt es hier: Freiwilligenstellen in Übersee.

 

Ich beantworte selbstverständlich gerne auftretende Fragen :-)


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Di

16

Sep

2014

"Wie war's?"

Liebes Deutschland,


ich habe dich gern. Ich habe dich vermisst, als ich so weit weg war. Ich liebe deine Sauberkeit, deine Pünktlichkeit, dass du meine Muttersprache sprichst, dass nicht immer um den heißen Brei herumgeredet wird. Ich liebe es, eine von Vielen sein zu können, wenn ich es will. Ich liebe deine Ruhe. Ich liebe es, Vieles selber tun zu können und nicht immer Hilfe zu benötigen.


Aber manchmal bist du mir einfach ein Bisschen zu sauber, zu pünktlich und zu transparent. Ich vermisse es, eine Straße entlang zu laufen und Ausschau zu halten nach Zeichen, die ich schon lesen kann. Hier verstehe ich alle Schilder, alle Gespräche, alles. Das ist langweilig, aber auch anstrengend. Plötzlich muss ich lernen, fremde Gespräche auszufiltern. Plötzlich bin ich nur einer von Vielen, ich bin angreifbar. Bin nicht mehr geschützt, kann Unwissenheit und Fettnäpfchen getrete nicht auf ein Ausländerdasein zurückführen. Muss plötzlich alles selber tun, kriege keine Hilfestellung.


Du bist mir zu ruhig, liebes Deutschland. Wieso tanzt keiner auf der Straße, wieso spielt keiner auf dem Bürgersteig Federball? Wieso stehen vor meiner Haustür keine zehn Elektroroller, deren Alarmanlagen ständig losgehen? Du bist mir zu perfekt. Jede Hecke perfekt geschnitten. Kleinbürgerlich. Es funktioniert alles, keine Frage. Aber wo bleibt die Improvisation, das Spontane, das Zusammengeflickte, das Fremde, das Nudel-Geschlürfe, die Handy-Gespräche über Lautsprecher?


Vielleicht ist aber auch das Fremde in der Ferne mir so selbstverständlich geworden, dass mir das Bekannte in Deutschland fremd vorkommt?


Liebes Deutschland, bitte frag mich nicht: "Wie war's?" Ernsthaft, was erwartest Du für eine Antwort? Wie viel Zeit hast Du, wie viel Interesse bringst Du mit? Meine Antwort auf so eine Frage lässt sich nicht auf zwei Sätze reduzieren, geschweige denn ein Wort. Ob ich nun "super!", "unglaublich!", "ganz anders" oder "Schwierig, aber trotzdem eine wahnsinnige Erfahrung, ich bin froh, es getan zu haben" von mir gebe – ich werde dem Gefühl in mir nicht gerecht.


Dem Gefühl, das mir sagt: So spontan und unbeholfen wie mein Gegenüber mich anschaut, so schwammig wie die Frage gestellt wurde, genauso unbeholfen und schwammig ist meine Antwort.

Erfahrungen lassen sich nicht in Worte fassen. Nicht so, auf dem Sprung. Bringt nichts. Vertreibt nur kurzfristig das Gefühl, etwas small talk betrieben zu haben und höflich gewesen zu sein.


Liebes Deutschland, wenn Du wirklich wirklich für mich interessierst, dann stell mir bitte konkrete Fragen. Was schwierig war, was toll war, was ich für Kollegen oder Schüler hatte, was ich aß, was ich in meiner Freizeit tat, wo ich hingereist bin, ob ich krank war. Welche Sprache ich versuchte, zu lernen (übrigens: Mandarin). Bitte versuch nicht, Chinesisch zu sprechen. Nein, ich kann Dir nicht sagen, was "shing shang shong" heißt.


Ich erwarte nicht, dass Du viel über mein Jahr weißt. Aber ich erwarte, dass Du offen fragst, statt einfach anzunehmen. Ich erwarte, dass Du ehrlich zu mir bist, so wie ich auch zu Dir ehrlich sein möchte. Vorausgesetzt, du möchtest mit mir über mein Jahr reden. Wenn nicht, ist das auch okay. Ich mache nur ungern halbe Sachen, also entweder Du interessierst Dich wirklich oder Du lässt die Fragen ganz bleiben. Von mir aus muss ich nicht über China reden. Dankeschön!


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Mo

01

Sep

2014

Der Blick nach vorn

Im August war ich dreimal mit drei verschiedenen Personenkonstellationen "weg". Da ich schon im Juli ausnahmslos unterwegs war, kann ich ziemlich sicher sagen: Ich bin ausgeurlaubt!


Nun bin ich in Gr-- Oe------, versinke im Verwaltungschaos (Danke, Deutschland!), schreibe hoffentlich irgendwann noch meinen Abschlussbericht, und freue mich auch auf das Rückkehrerseminar meiner Organisation nächste Woche. Dort werde ich Freunde treffen, mit denen ich in China war, aber auch andere Freiwillige, die an anderen Ecken der Welt verstreut waren. Hoffentlich wird es ein runder Abschluss meines Auslandsjahres!


Im Oktober werde ich dann mein Pharmazie-Studium in Marburg aufnehmen.


Dankeschön, liebe Leser. Für's Lesen, für's Kommentieren, für Euer/Ihr Interesse, für's Gebet.


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Di

29

Jul

2014

Alles hat ein Ende

Gereist sind wir. Von Jiayuguan nach Xi'An, von Xi'An nach Nanjing und von dort weiter nach Qingdao, Beijing, Xiamen, Suzhou und Shanghai, bevor es endgültig zurück nach Nanjing ging. Wir haben uns Städte angeschaut, Bekanntschaften geknüpft, Souvenirs erhandelt, "echten" Kaffee getrunken und und und. Ich habe indigniert versucht, Leuten klarzumachen, dass ich etwas Chinesisch spreche – hat wohl keiner erwartet. Ich habe frustriert feststellen müssen, dass Mandarin eben nicht gleich Mandarin ist und ich u.U. Leute in einer anderen Region gar nicht verstehe.

 

Zurück in Nanjing laufen wir durch die Gassen in der Nähe des Büros unserer Organisation, wo wir vor einem Jahr unser Vorbereitungsseminar hatten. Wir essen beim Koreaner, kaufen Reis-Baozi, gehen in den Supermarkt, bestaunen die Technik-Halle. Zur Kirche schaffen wir es nicht, es regnet und ich bin erkältet. "Weißt Du noch, …?" - "Ja." Ein merkwürdiges Gefühl beschleicht mich, das Gefühl des Zuhause seins – zumindest ein Stück weit.

 

Ich denke darüber nach, was mich vor einem Jahr beschäftigte. In Nanjing ging es damals los und in Nanjing geht auch mein Jahr nun zuende. Ich bin nicht die, die ich damals war. Natürlich nicht. Ich habe mich weiterentwickelt. Aber natürlich bin ich ich geblieben. In meinem Motivationsschreiben für meine Entsendeorganisation bat ich im April 2013 um die Chance, einen Teil meines Herzens an China und Chinas Leute zu verschenken. Ich habe diese Chance genutzt.

 

Das Jahr war gewiss nicht einfach und ich freue mich auch auf Deutschland. Aber ich habe viel erlebt, was ich vermissen werde: Gewisse Denkmuster, Handlungsweisen, berührende Momente mit einzelnen Personen, eine fremde Sprache, und das Gefühl doch ein ganz klein Bisschen erreicht zu haben. Und wenn die Schüler nicht viel Englisch lernten, dann habe ich doch den einen oder anderen im Herzen berühren und anstupsen dürfen. Mich hat in dem Jahr jedenfalls Vieles angestupst, manches sogar durchgerüttelt.

 

Nun sitze ich am Flughafen. In Deutschland wartet viel Bekanntes auf mich, aber auch mindestens so viel Unbekanntes. Meine Flügel sind gespreizt!

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Mo

30

Jun

2014

Kollegen, Freunde, Geschwister

Amity-Freiwilligenjahrgang 2013/14: Gansu
Amity-Freiwilligenjahrgang 2013/14: Gansu

 

Marked

 

Sometimes it was funny,

Sometimes it was tough.

Sometimes it was very, very rough.

Sometimes we laughed,

Sometimes we cried.

Boring was it (n)ever.

We made it through,

Made it to the end.

Together:

Sometimes more,

Sometimes less.

Together,

We look at the past.

One by one,

We face the future.

 

- NDS

 

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Sa

28

Jun

2014

Und weiter geht's

Fotos machen und hochladen (-> oben "照片" anklicken). Briefe verteilen. Schüler drücken. Briefe empfangen. Sagen: "Don't look sad!" Endlich zur Mauer gehen, bevor es zu spät ist. Kino. Essen. Schlafen. Aufwachen und nicht wissen, in welchem Land, in welcher Wohnung ich bin. Vergessen. Flüge (um)buchen. Jugendherbergen ausfindig machen. Eh nicht wissen, wo mir der Kopf steht. Tschüss sagen. Mich Mitte nächster Woche wieder auf die Reise begeben. (Un)metaphorisch. Computer-los. Die Chance ergreifen und vorwärts gehen. Am 30.7 heißt es vorerst endgültig "Hallo Deutschland". Gespannt sein, auf das was kommt: in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten.

 

Reiseroute
Reiseroute
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Mo

23

Jun

2014

...und die letzte Unterrichtswoche bricht an

Montagmorgen, 1. Stunde. Lehrerzimmer. Ich, eine weitere Lehrerin, ein Schüler und seine Mutter sind anwesend, außerdem eine zweite Schülerin, die am PC sitzt und die Vokabeln für ihren Kurs abtippt.

 

Die Lehrerin sitzt an ihrem Schreibtisch. Vor ihr der Schüler. Sie redet eindringlich auf ihn ein. Sein Kopf ist gesenkt, er schweigt – auch wenn ihm rhetorische Fragen gestellt werden. Seine Mutter steht dahinter, mit dem Rücken zu ihm. Ich höre ein Schniefen und vernehme, dass sie weint.

 

Die Lehrerin steht auf. Ich höre einen dumpfen Schlag. Dann eine Ohrfeige. Sie redet weiter. Ich starre weiter auf meinen PC, gucke mich nicht um, erspare dem Schüler und seine Mutter diese Pein. Die Vokabeln abtippende Schülerin rührt sich ebenfalls nicht. Irgendwann ist es dann auch vorbei.

 

Ich weiß nicht, was vorgefallen ist. Ob der Schüler in irgendwelchen Klausuren schlecht abschnitt, ob er seine Hausaufgaben nicht machte, mit seinem Handy im Unterricht erwischt wurde, den Unterricht störte, zu spät kam, und/oder ...

 

Dieser Vorfall ist kein Einzelfall. Wenn so die neue Woche beginnt, … es tut mir weh. Es ist meine letzte Woche, für mich ist es bald vorbei. Allerdings betrifft mich das Ganze eh nur peripher: Es sind meine Schüler, die so diszipliniert werden und es sind meine Kollegen, die so disziplinieren. Ich werde und wurde nicht so diszipliniert und es wird auch nicht erwartet, dass ich mich auf die Art und Weise bemühe, durchzugreifen.

 

Ich bin bald weg, aber meine Schüler bleiben und meine Kollegen bleiben. Was soll sich denn schon ändern? Schlagen ist verboten, sagt Peking.

 

Peking hat mir in der Vergangenheit schon befohlen, wieder bis 17:50 im Lehrerzimmer zu verweilen statt früher gehen zu dürfen. Peking hat mir auch schon verboten, BesucherInnen bei mir übernachten zu lassen.

 

Wieso kriegt Peking es dann nicht hin, etwas m.E. viel Wichtigeres durchzusetzen? Weil Peking 1600km weit weg ist und weil es (wider erwarten!) nicht von heute auf morgen ein Umdenken erwirken kann. Sonst traue ich Peking ja so einiges zu...

 

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Mi

18

Jun

2014

Kurzurlaub: 夏河

Alle im nachfolgenden Text abgekürzte Wörter beziehen sich auf das Dach der Welt und auf den Ort, für den Ausländer eine besondere Einreisegenehmigung neben dem chinesischen Visum benötigen; auf den (Nicht-)Teil Chinas, in dem man die einheimische Bevölkerung besser nicht als Chinesisch bezeichnet und auf die T-Shirts mit dem Aufdruck "Free T---t", die man besser nicht dort trägt, wo ich gerade wohne.

 

Während an meiner Schule die Neuntklässler ihre Abschlussklausuren (中考 = zhōngkăo) schrieben, die Achtklässler zuhause saßen und büffelten, weil sie heute Biologie und Erdkunde schreiben und die Siebtklässler … nunja, frei hatten … fuhr ich mit zwei anderen Freiwilligen, Olen und Caspar, weg. Wir waren in 夏河 (Xiahe).

 

Xiahe ist eine Klosterstadt und bedeutender Pilgerort für t--------e Buddhisten. Sie gehörte früher zur t---------n Provinz Amado, ist jedoch heute Teil der chinesischen Provinz, in der ich lebe (Gansu). In Xiahe wohnen also viele T-----r (die Anhänger des t---------n Buddhismus sind), aber auch Han-Chinesen und Hui-Chinesen (letztere sind meist Muslime). Die Straßenschilder waren zwei- bis dreisprachig: oben T-----sch, in der Mitte Mandarin, manchmal unten noch pinyin (lateinische Buchstaben, deren Aussprache dem T-----sch entsprach und nicht dem Mandarin).

 

Das Straßenbild wurde dominiert von Taxis, Mönchen an ihren Handys (meist iPhones, kurioserweise) sowie Pilgern, aber auch t---------n Familien mit Frauen und Kindern, die um das Kloster herum leben. Im Kloster selber kommen nur Mönche unter. Auf einer Strecke von ca. 3km reiht sich eine hölzerne, bunt lackierte Gebetsmühle an die nächste. Am ersten Tag standen wir früh auf in der Hoffnung mitzuerleben, wie die Mönche die Mühlen drehen. Viele von ihnen waren nicht mehr unterwegs, dafür jedoch andere Teile der Dorfbevölkerung. Ansonsten haben wir uns von einem Mönchen einmal um die Anlage herumführen lassen, waren wandern und Fahrrad fahren, stellten fest, dass viele Leute kein Chinesisch konnten (sondern nur T-------sch), kauften Souvenirs und bestaunten Yaks, schlugen uns die Bäuche mit t---------n Essen voll und ließen (auch beim Fußballspiel Deutschlands gegen Portugal) einfach 'mal die Seele baumeln.

 

Da die beiden Jungs fleißig fotografierten, könnt ihr euch auf Olens Blog Bilder anschauen:

 

Mir bleiben nun noch knappe zwei Wochen in Jiuquan, bevor ich mich mit einer Mitfreiwilligen erneut auf die Reise begebe.

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Di

17

Jun

2014

加油

Vor ungefähr einer Woche fanden die Abschlussprüfungen der Zwölftklässler statt

(高考 = gaokao). Ein paar Tage später entdeckte ich folgendes Schild in der Einfahrt

einer senior middle school:

 

 

距 2015 年

高考还有

362 天

 

"362 verbleibende Tage

zu den Prüfungen 2015"

 

 

Schon jetzt beginnt der Countdown. Schon viel früher begann die Lernerei, immer gefolgt von dem Spruch "加油" - wörtlich "Öl hinzufügen", im übertragenen Sinne "Weitermachen!".

 

Wenn ich dieses Schild sehe, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Es verdeutlicht mir, wie viel Druck auf chinesischen Schülern lastet und erinnert mich daran, wie wenig ich im Endeffekt für meine Abiturklausuren lernte und dennoch gut weg kam.

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Fr

13

Jun

2014

Vorwärts

Ich freue mich, bald weg zu sein und dennoch zerreisst mich der Gedanke, dass ich nicht zurückkehre.

 

Strample vorwärts

  • in ein Land, das ich kenne, mir aber doch fremd ist.
  • in ein Land, das meins, aber nicht mein einziges ist.
  • in Gleichheit unter Vielfalt; die Vielfalt unter Gleichen seiend dem Rücken zukehrend

und weiß: Es ist keine endliche Entscheidung.

 

Erfahrungen mitnehmend sage ich: Welt, ich komme wieder.

 

 

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Do

05

Jun

2014

Ihr seid gefragt!

Liebe Blogleser,

 

mein dritter Rundbrief ist seit geraumer Zeit fertig. Ich werde ihn aber erst hochladen, wenn meine Entsende-Organisation ihn abgesegnet und an meiner Unterstützer versandt hat. Gedanklich bin ich schon beim vierten Rundbrief angelangt

 

  • Alle Chinesen essen Reis?
  • Reis wird mit Stäbchen gegessen?
  • An jeder Straßenecke gibt es Raubkopien von DVDs zu kaufen?
  • Alles wird gefälscht?

 

Wenn jemand das Wort "China" erwähnt, woran denkt ihr dann? Was für ein Bild hat sich bei Euch - ohne jemals in diesem Land gewesen zu sein - manifestiert? Was habt ihr für "Vorurteile"?

 

Schreibt sie mir doch bitte!

 

Ich versuche anschließend, daraus meinen letzten Rundbrief zu kreieren. Aufzuzeigen, was stimmt und was nicht, aber auch zuzugeben, wovon ich keine Ahnung habe.

 

Herzliche Grüße

Nadya

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Mo

26

Mai

2014

Ausblick

Bis zum 30. Juni unterrichte ich theoretisch noch. Theoretisch, weil es praktisch sein kann, dass meine Stunden schon vorher von Hauptfachlehrern übernommen werden, um noch mehr Jahresendklausurvorbereitung betreiben zu können als ohnehin schon.

 

Im Anschluss reise ich mit einer Freiwilligen und Freundin noch vier Wochen lang durch Ostchina, bevor ich vorerst endgültig in den Flieger steige und am 30. Juli morgens in Frankfurt/Main lande.

 

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Mo

26

Mai

2014

Die Welt steht kopf

oder: Wenn sich Besuch ankündigt

Wie jeden Montagmorgen um 7:50 falle ich kurz vor knapp durch das Schultor und stelle mich zu den anderen Lehrern, die gelangweilt warten, dass die flag raising ceremony beginnt. Ein paar Schüler putzen, ein paar Schüler rennen um den Sportplatz, viele Klassen stellen sich schon auf. Ein gewöhnlicher Montagmorgen eben. Bis eine ungewöhnliche Ansage ins Mikro gebellt wird, woraufhin alle Schüler auf Kommando den Sportplatz verlassen und in ihre Klassenzimmer gehen!

 

"What is going on?" "Today some leaders (Beamte) from the Gansu department of education (Bildungsministerium der Provinz Gansu) will come. So, the students have to clean the whole school."

 

Im Laufe des Vormittages geschieht fast nichts. Eine Schülerin bittet mich lediglich um den Schlüssel zu dem Klassenraum, in dem ich immer meine Englisch-AG halte, um ihn zu putzen. Gegen zehn frage ich, wann die leaders denn nun kommen. Irgendwann morgens, die Uhrzeit wisse man nicht so genau. Nun gut. In meiner Unterrichtsstunde bleibt jedoch alles ruhig.

 

In meiner ersten Nachmittagsstunde schauen regelmäßig der Stufenkoordinator und die Englischlehrerin herein, um die Schüler zur Ruhe zu ermahnen. Ich versuche, zu protestieren: + "But they are playing a board game. They have to talk!" - "Shhhhhhhhhhhh...." + "Okay, class, talk quietly."

 

In der zweiten Nachmittagsstunde schauen in den ersten fünfundzwanzig Minuten jetzt die Klassenlehrerin, wieder der Stufenkoordinator sowie zwei weitere Lehrer regelmäßig in das Klassenzimmer hinein und geben Anweisungen von sich. Die Klasse wird kurzzeitig leise, dann jedoch wieder lauter, da sie – wie oben erwähnt – in Kleingruppen spielen und miteinander reden. Irgendwann kommt eine der englischen Sprache fähigen Lehrerin hinein und sagt mir: "They have to be quiet in case leaders come in and look at the class. Tell them to do homework!" Ich beende also Half über Kopf mein Würfelspiel und ermahne sie energisch, Hausaufgaben zu machen: "Give me your paper and the dice! NOW! Keep quiet! Do homework! QUICKLY!" So viel zum Lernziel "Im Unterricht werden keine Hausaufgaben gemacht"...

 

Stehe also gelangweilt und ratlos vorne während der eine mit Mathe beschäftigt ist, der andere mit Geschichte und der dritte wiederum mit Physik. "Just keep quiet! Work!" Irgendwann beginne ich, mich an der Tafel mit Geometrie und Chemie zu beschäftigen. In verschiedenen Farben und auf Englisch (CO2 = carbon dioxide), damit es wenigstens so aussieht, als hätten wir in der Stunde inhaltlich etwas erarbeitet.

 

Eine Minute vor Ende der Stunde lugt die Klassenlehrerin erneut rein und teilt mir mit, dass ich den eh nicht stattfindenden Unterricht noch nicht beenden darf, da die leaders ein paar Räume weiter eine Konferenz haben und es im Flur leise bleiben muss. "Okay, guys, 15 more minutes … Just do your homework." Irgendwann darf jeder in die wohlverdiente Pause und die Klasse atmet spürbar auf.

 

Heute bekamen meine Schule Besuch von leaders.

 

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Ob man in Deutschland die stürmische Gruppenarbeit (die nebenbei super mündliches Englisch fördert) unterbrochen und stattdessen Stillarbeit angeordnet hätte, wenn wichtiger Besuch kommt?

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Sa

24

Mai

2014

Schülermund

Ich sitze mit Freunden beim Abendessen. Mit dabei ist eine Schülerin eines anderen Freiwilligen. Irgendwie kommen wir auf meine Kindheit zu sprechen und ein Freund sagt erklärend zu der Schülerin: "Nadya grew up in Africa."

Ihre Reaktion? "If you lived in Africa ... Why are you still white?"

Die meisten Chinesen glauben, dass man schwarz wird, wenn man zu viel Sonne abbekommt.

 

Später wird sie gefragt: "At school, do you study Chinese History or World History?"

Sie antwortet "China is in the world."

 

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Mo

19

Mai

2014

Gespräche im Taxi

Eine Taxifahrt kostet meist 5 yuan (60 eurocent), gelegentlich auch etwas mehr. Ich laufe viel, fahre auch Bus, besitze eigentlich auch ein Fahrrad; nehme aber auch oft ein Taxi. Die mir gestellten Fragen wiederholen sich nach einer Weile:

 

  • Aus welchem Land kommst du?
  • Was machst du hier?
  • Wie viel verdienst du im Monat?
  • Gefällt dir China / Jiuquan?
  • Wie viele Ausländer seid ihr insgesamt?
  • Wie alt bist du?
  • Bist du verheiratet?
  • Heute morgen um x Uhr habe ich die Ausländer der y-ten Mittelschule an Ort z gefahren. Kennst du die? (Ja, aber ich weiß trotzdem nicht, was sie heute um x Uhr an Ort z wollten. Soll ich sie anrufen und fragen?)
  • Oh, ich kenne die Ausländer der a-ten Mittelschule. Die habe ich auch schon 'mal mitgenommen. Kennst du die?
  • Aber ich wohne in der Nähe der 2-ten Mittelschule. Ich bin mir sicher, dass dort drei Ausländer wohnen! (Nein, wirklich nur zwei)
  • Dich kenne ich! An Silvester habe ich dich nachts um 1 nach Hause gefahren. Erinnerst du dich an mich? (Äh, nein. Tut mir leid.)
  • Ach, du unterrichtest an der 2. Mittelschule? Kennst du den Lehrer F. L.? Das war mein Lehrer! (Hallo F. L., ich soll dir Grüße von einem mir unbekanntem Taxifahrer ausrichten, der war vor 30 Jahren dein Schüler...)

 

Mitfreiwillige dürfen gerne weitere Fragen anfügen, mir fällt vorerst nichts mehr ein.

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So

18

Mai

2014

Zuversicht

"Es ist nicht schlimm, durch eine kalte Nacht zu laufen, wenn man weiß, dass man im warmen Licht ankommt."                           (Caritas Führer)

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Do

24

Apr

2014

Begegnung in Hongkong

Ich laufe alleine die Straße entlang, als mich plötzlich ein großer Mann mit Turban anspricht:

 

T: "You are a very lucky girl."

- "Why?"

T: "You have good karma. But one man broke your heart already. Where do you come from?"

- "Uh, Germany."

T: "Oh, I am a Wahrsager. Show me your hand."

- "But I don't want to pay!"

 

Danach verlor er – oh Wunder ;) – schnell Interesse.

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Do

24

Apr

2014

Reisestatistiken (Winterferien)

Stunden in Transportmitteln

 

 

→ über 170 Stunden unterwegs auf Schienen, Rädern oder mit Flügeln in insgesamt 9 Zügen, 3 Flugzeugen, 4 Reisebussen, 2 Kleinbussen, 1 Floß, unzähligen Metros, zwei Turbojets sowie Taxen und Linienbussen

 

Nächte

 

  • im Zug: 6 (5 schlafend, 1 sitzend)
  • in einer Jugendherberge: Chengdu (3), Kunming (4+1), Jinghong (3), Dali (1), Lijiang (4), Tigersprungschlucht (1), Guilin (1+1), Reisterrassen (1), Xingping (2) = 22
  • in einem Hotel: Lanzhou (4)(1) = 5
  • in einem Kinderzimmer: Hongkong (8) = 8

 

41 Nächte in 20 verschiedenen Schlafgemachen

 

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Do

24

Apr

2014

Der Himmel ist gelb!

Gestern Abend wütete ein Sandsturm. Da ich draußen unterwegs war, waren Augen und Zähne im Anschluss sandig. Verständlich. Das aber die Wohnung ebenfalls sandig ist erklärt sich nur dadurch, dass unserer Fenster eben nicht luftdicht schließen.

 

Auch heute liegt noch ein graulicher Schleier über der Stadt, der eben nicht Smog ist. Die Straßen und Gehwege wirken wie ausgestorben, keiner ist freiwillig draußen.

 

Und die Schüler, die gestern den kompletten Sportplatz für das kommende Sportfest putzten? Die freuen sich! Die durften nämlich heute gleich noch 'mal ran.

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Do

17

Apr

2014

"Teacher, I'm sick"

Vor Unterrichtsbeginn wecke ich einen schlafenden Jungen sanft und bitte ihn, ein Heft herauszuholen. Ein paar Minuten später sehe ich, dass sein Kopf schon wieder auf der Tischplatte gelandet ist und er mir einen Zettel geschrieben hat:

 

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Mi

16

Apr

2014

Bauvorschriften

Eine Kollegin und ich kommen ins Gespräch. Wir beschweren uns darüber, dass unser Büro im sechsten und höchsten Stockwerk des Gebäudes ist und ich sage ihr, dass die Schule ruhig die jüngeren, fitteren Schüler hier oben einquartieren und uns den ersten Stock überlassen könnte (der chinesische erste Stock entspricht dem deutschen Erdgeschoss, allerdings führen auch schon Stufen in unser Gebäude herein). Ihre Antwort: "No, that's not possible. It is too dangerous for the students. In China, students are only allowed to be on the first five floors".

 

Wieso unser Gebäude sechs Stockwerke hat? Ab sieben Stockwerken ist man verpflichtet, einen Aufzug zu einzubauen …

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Di

15

Apr

2014

Stundenpensum eines chinesischen Lehrers

  • Die Zeit vor der ersten Stunde, also von 7:50 bis 8:20, heißt offiziell wohl "self study time". Allerdings habe ich noch nie erlebt, dass währendessen kein Lehrer anwesend ist. Meist patroulliert einer, geübt werden dann beispielsweise Vokabeln oder Englischtexte.
  • Ein Lehrer unterrichtet grundsätzlich nur ein Fach (in diesem Beispiel Englisch).
  • Ein Lehrer unterrichtet zwei Klassen derselben Stufe und zwar drei Jahre lang, also an einer unteren Mittelschule von der 7. bis zur 9. Klasse. (In diesem Fall unterrichtet der Lehrer die Klassen 2 und 3 der achten Stufe.)
  • Von 7:50 bis 11:50 und von 14:50 bis 17:50, also während der grau hinterlegten Fehldern, herrscht Präsenzpflicht im Lehrerzimmer. In dieser Zeit wird Essen geteilt, werden Schuhe geputzt und Augenbrauen gekämmt, Serien geguckt, Sport betrieben, aber auch Stapel über Stapel an Heften korrigieren und Schüler zurechtgewiesen. Grundsätzlich wird in meinem Lehrerzimmer fast pausenlos korrigiert, da meine Kollegen täglich die Hausaufgabenhefte, Diktathefte, Hefte für den Unterricht und wasweißichnochwasfürHefte einsammeln lassen.
  • Die Mittagspause ist drei Stunden lang. In dieser Zeit gehen sowohl Schüler als auch Lehrer nach Hause, meist wird dort gegessen und/oder geschlafen. Allerdings machen viele Schüler auch Hausaufgaben. Es kommt nämlich nicht selten vor, dass ihnen morgens etwas aufgegeben wird, was sie nachmittags abgeben mussen.
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Fr

11

Apr

2014

Amüsantes aus dem Lehrerzimmer

Unlust

Ein Lehrer singt vor sich hin, während er seine Bücher zusammensucht. Ich vernehme, wie er eine Zeile zum Lied hinzudichtet: "不想去上课" (Ich will nicht zum Unterricht).

 

Übung macht den Meister

Am Nachmittag, das Lehrerzimmer ist bis auf ihn vollzählig, betritt er den Raum und ruft ein "Konnichiwa!" (こんにちは!) in die Runde. Japanish? Wieso spricht er Japanish? Bisher sind mir ausnahmlos Chinesen begegnet, die Japan hassen. Er setzt sich, zückt sein Handy und murmelt vor sich hin: "Ma mi mu me mo". Herausfordernd guckt er zu mir herüber.

 

Ich reagiere erst 'mal nicht. "Ba bi bu be bo. Na ni nu ne no."

Dann doch. "Okay, WHAT are you doing?"

"I am practicing the Japanese tones. I used to know a bit of Japanese."

Hinter mir höre ich eine weitere Lehrerin ein paar fremd klingende Sätze von sich geben. Sie erläutert: "I also know some Japanese."

 

Wenn die Schule zum catwalk wird

Alle arbeiten emsig. Eine Lehrerin aus einem anderen Englischlehrerzimmer kommt herein, ohne ersichtlichen Grund. Die anderen gucken hoch und kommentieren: "新的衣服, 新的衣服". Aha! Sie hat neue Kleidung an, deswegen der Besuch! Nachdem sie einmal durchstolziert und etliche Komplimente eingeheimst hat ("好看, 好看" = gut (aus)sehen), ist sie auch wieder weg.

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So

06

Apr

2014

Papierflieger im Unterricht

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Di

01

Apr

2014

Zusammenhalt & Neologismus

Vormittagsstunde

Ein Schüler nutzt meinen Unterricht zur Konstruktion von Papierfliegern. Ich weise ihn an, mir seinen chinesischen Namen aufzuschreiben. Er schreibt etwas auf, die um ihn herum unterdrücken ein Kichern. Ich frage: "Is that your name?" - "Yes."  Ich wende mich anderen Schülern zu, halte ihnen den Namen hin (lesen kann ich ihn schließlich nicht...), frage erneut: "Is that his name?", wieder die Antwort "Yes".

Ich seufze, laufe zum Lehrerpult, lege mein Buch hin und möchte weiter unterrichten. Plötzlich rufen zwei Mädels rein: "Teacher, that's not his name!". Ich lasse sie seinen Namen aufschreiben und von zwei weiteren – der Klassensprecherin, wie sich im Nachhinein herausstellt, und ihrer Freundin – überprüfen. Vier Schüler lügen mich an, vier Schüler verpetzen sie.

Mir ist es aber auch schon passiert, dass die Klasse zusammenhielt.

 

(Die Namen weiß ich deshalb nicht, weil ich um die 500 Schüler unterrichte und jeden Schüler nur einmal die Woche sehe. Und er dann unter 50 anderen Schülern sitzt. Langsam lerne ich die englischen Namen der besseren Schüler und der Rabauken, wenn es aber um Verwarnungen geht, nutze ich weiterhin die chinesischen, da diese eindeutig einer Person zuzuordnen sind.)

 

Gespräch im Lehrerzimmer

Anwesend: 1 Mann, 3 Frauen. Es geht um das Wort "bromeo" (bro, brother + romeo, lover)

"Do you have a Bromeo?"

"No"

"You are my Bromeo."

"I am NOT your Bromeo."

(Gelächter)

 

Spricht man "secret" und "cigarette" Chinesisch aus, klingen sie fast gleich...

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Mi

26

Mär

2014

Handy in groß

Heute erwische ich dann einen Schüler am Tablet eines Mitschülers. Da er mir kein eigenes technisches Gerät als Ersatz bieten kann, sacke ich das Teil ein. Selbst das Argument "But he's using it to learn!" zog nicht.

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Mi

26

Mär

2014

Paradoxon

"Today, I am sick. So, I won't teach you. Please do homework quietly."

(eine mir empfohlene und gängige Praxis, die im Lehrerzimmer mehr Akzeptanz findet als noch einen vierten Tag zuhause zu bleiben, da meine Kollegen in meiner Abwesenheit meine Stunden übernehmen müssen)

 

Hin und wieder ermant ein Schüler seine Klassenkameraden. Ansonsten sind sie ruhig und ... ARBEITEN. Keiner, aber auch keiner, "randaliert".

 

Wieso könnt ihr euch während ihr unterrichte nicht auch so verhalten?

Kann es tatsächlich sein, dass ihr beim Hausaufgaben machen ruhiger seid, als wenn ich vorne stehe und rede? Augenscheinlich schon.

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Mi

26

Mär

2014

Neue Rubrik: Schriftstücke

In unregelmäßigen Abständen habe ich die Ehre, sowohl für meine deutsche Entsendeorganisation als auch für die chinesische Organisation, die vor Ort für uns Freiwillige zuständig ist, Texte zu verfassen. Diese findet ihr ab jetzt, wenn ihr oben auf "Schriftstücke" klickt!

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Mi

26

Mär

2014

Todesstrafe

Am Dienstag nehme ich einer Schülerin das Handy ab. Am nächsten Morgen kommt sie in meinem Lehrerzimmer vorbei, um es abzuholen. Ich bitte sie, mir noch ihren chinesischen Namen aufzuschreiben, damit ich eine erste Verwarnung eintragen kann, und drücke ihr Zettel und Stift in die Hand.

 

Sie ist irritiert. Die Klassensprecherin, die zum Übersetzen mitgekommen ist, ebenfalls. Diese erklärt mir auf Chinesisch etwas. Ich verstehe nur, dass sie den Namen irgendwie nicht aufschreiben kann. Das sehe ich überhaupt nicht ein. Dann versucht die Vermittlerin es auf Englisch, labert etwas mit "pencil". Häh? Im nächsten Schritt schreibt sie mir etwas auf Chinesisch auf, was ich leider nicht lesen kann.

 

Schließlich fragen wir den Englischlehrer, der mir gegenüber sitzt. Er klärt mich auf: "Oh, there's been a misunderstanding! She doesn't want to write down her name in red, only in black or blue. See, in ancient times, when someone was killed by the government, they wrote his name in big red letters on a billboard for everyone to see. So, today, no-one writes down names in red letters – it means bad luck and death."

 

Oops.

Ich drücke dem Mädchen einen blauen Kugelschreiber in die Hand und entschuldige mich. Wieder etwas gelernt.

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Mi

26

Mär

2014

Plus und Minus

Ich betrete das Klassenzimmer und alle Schüler holen selbstverständlich ihr notebook und ihr name card heraus, sodass ich diese beiden Wörter gar nicht erst in den Mund nehmen muss. Es klingelt, irgendjemand brüllt "stand up!" und die Klasse grüßt mich geschlossen. Der Unterricht beginnt. Die Schüler melden sich, um etwas zu sagen, statt die Antwort einfach herauszurufen oder ihrem Nachbar zuzuflüstern beziehungsweise ganz für sich zu behalten. Keiner posaunt chinesische Wortfetzen in den Raum, sodass die ganze Klasse lacht und ich als Einzige vorne stehe und nichts verstehe. Ich muss kein einziges Mal "quiet!" rufen.

 

… Und dann wache ich auf und stelle mich der Realität. Schnief.

 

Genervt von dem Verhalten meiner Schüler, von meinem Unterricht; davon, dass ich so apathisch bin, stehe ich wartend im Schulflur. Eine Siebtklässlerin kommt aus einem Klassenzimmer herausgestürmt, rennt, bremst ein paar Meter vor mir ab, läuft näher zu mir, bleibt stehen, verbeugt sich höflich und sprintet weiter.

Ein paar Minuten später – ich bin noch an der gleichen Stelle – kommt dieselbe Schülerin wieder vorbei und verbeugt sich erneut; ungeachtet der Tatsache, dass sie spät dran ist und einen schweren Stapel Bücher in der Hand hat.

 

Ich sitze an meinem Schreibtisch und höre, wie eine Schülerin sich dem Lehrerzimmer nähert. Sie sieht, dass ich alleine bin, und fragt ganz selbstverständlich "May I come in?", statt das obligatorische "报告" (bàogào = report, reporting) von sich zu geben, mit dem alle Schüler um Erlaubnis bitten, bevor sie das Heiligtum betreten.

 

DANKE, ihr beiden.

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Do

13

Mär

2014

Schülermund

Nach dem Unterricht frage ich eine Schülerin: "Do you have a boyfriend?"

Ihre Antwort: "No! I am a student!"

 

Die Achtklässler dürfen mich ausfragen. Neben dem Erkundigen nach der Lieblingsfarbe, dem Lieblingsessen, dem Lieblingssänger oder dem Lieblingstier kommt meist auch:

"Teacher, do you married?"

"Teacher, do you have a boyfriend?"

 

"What places have you been to in China?"

Ich: "Uhmm... 丽江."

Schülerchor: "Ah, 丽江."

Wieder ich: "And ... 昆明"

Kurze Pause. Danach: "OHHHH, 昆明!"

Ich: "Yes, 昆明." und ernte wieder (oder immer noch?) verwirrte Blicke.

Häh, habt ihr das nicht selber gerade gesagt? Ich habe es doch nur noch 'mal wiederholt. Grummel. Chinesische Aussprache ist wirklich eine Sache für sich. 

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Mi

12

Mär

2014

Schule und Unterricht: Ein Überblick

Gansu, die Provinz in der ich lebe, ist eine der drei ärmsten Chinas. Jiuquan, mein Einsatzort, ist allerdings eine mittelgroße Kleinstadt. Ich mutmaße, dass die Leute hier wohlhabender sind als in noch kleineren Städten beziehungsweise Dörfern. Wer es sich leisten kann, schickt sein Kind zumindest für die letzten Schuljahre hier oder in der Nachbarstadt zur Schule. 

 

Am Anfang des Schuljahres hat es dennoch ein paar Monate gedauert, bis alle Siebtklässler in Schuluniform erschienen – Mir wurde erklärt, dass vielen Familien bis dahin das Geld fehlte. Ansonsten war Armut aber nie ein Thema. Den Schülern, die mir erzählen, sie hätten kein Geld für ein Heft (umgerechnet 12 eurocent), schenke ich wenig Glauben. Alle bis jetzt von mir eingesackten Handys waren smartphones.

 

Die chinesische Grundschule geht von der ersten bis zur sechsten Klasse. Von der siebten bis zur neunten durchlaufen alle Kinder die untere Mittelschule. Diese sind wie die Grundschule Gesamtschulen mit Einzugsgebieten.

 

Am Ende der neunten Klasse entscheidet dann eine Klausur darüber, ob bzw. welche höhere Mittelschule man besuchen darf (sind die Ergebnisse zu schlecht, muss man die Schule verlassen. Ob man dann anfängt zu arbeiten oder eine Art Ausbildungsplatz bzw. eine Stelle an einem Berufskolleg findet, sei dahingestellt.)

 

Letztes Halbjahr kamen alle zwölf siebten Klassen einmal die Woche in den Genuss meines Unterrichts, dieses Halbjahr bespaße ich die achten Klassen einer gewöhnlichen unteren Mittelschule. Die Klassengröße schwankt zwischen 48 und 58 Schülern.

 

Manche Schüler besitzen beachtenswerte Englischkenntnisse, da ihre Eltern es sich leisten können, sie am Wochenende in private Englischinstitute zu stecken. Es erstaunt mich immer wieder, dass es in der achten Klasse zahlreiche Jungs und Mädchen gibt, mit denen ich tatsächlich Unterhaltungen führen kann! Manche Schüler verstehen wiederum kaum ein Wort Englisch.

 

Zu sagen, das Niveau des durchschnittlichen Schülers sei miserabel, würde dem Sachverhalt nicht gerecht werden. Es geht in der siebten Klasse mit dem Alphabet und "Hello" los, obwohl ca. 90% der Schüler in der Grundschule schon ab der dritten Klasse Englisch haben. Wenn man im normalen Unterricht also gerade die Grußformeln lernt und parallel dazu eine Stunde die Woche hat, in der ein Ausländer einen 40 Minuten lang auf Englisch vollschwafelt und irritiert ist, weil einfache Anweisungen wie "sit down", "write it down" oder "put up your hand" nicht verstanden werden, ist klar, dass das Frustrationspotenzial auf beiden Seiten sehr hoch und der Lerneffekt wahrscheinlich eher gering ist.

 

Grundsätzlich fällt mir auf, dass der Großteil meiner Schüler einen enormen Wortschatz besitzt (und auch viele, viele Lehrbuchtexte auswendig kann) aber damit kämpft, diese Wörter richtig anzuwenden und/oder selbständig Sätze zu bilden. Allein durch meine Anwesenheit sind sie jedoch dazu gezwungen, da ich kaum Chinesisch beherrsche.

 

Liebe Frau Henner, das war der Versuch eines kurzen Überblickes. Sie haben Recht, es ist schwer, wenn man selber so tief in der Materie drinsteckt.

 

Am Ende des letzten Halbjahres musste ich für meine Schule einen Aufsatz über mündliches Englisch verfassen, den ich auch meinen Bloglesern nicht vorenthalten möchte:

Teaching Englisch – Why and How

 

Bei Fragen bitte melden!

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Mi

12

Mär

2014

Schülernamen: Ein Auszug

Im neuen Halbjahr habe ich mir es als erstes zur Aufgabe gemacht, dafür zu sorgen, dass jeder Achtklässler einen englischen Namen hat. Wenn man aber zum fünften Mal demselben Schüler sagt, er soll ein Namensschild basteln (weil er nach zwanzig Minuten immer noch keinen Finger gerührt hat), oder zum hundertsten Mal klarstellt, dass die Lautschrift des chinesischen Namens nicht als englischer Name durchgeht; dann (ver)zweifele zumindest ich leicht und frage mich, wie lange die ganze Sache sich noch hinzieht.

 

Jetzt, in der zweiten Woche, trudeln jedoch langsam mehr oder minder vollständige Namenslisten auf meinem Schreibtisch ein (ein hoch auf die grandiose Idee, die KlassensprecherInnen diese schreiben zu lassen!). Neben den obligatorischen Jacks, Toms, Tonys, Bobs, Ann(a)s, Bettys und Zoes entdecke ich dann und wann kreative Namen:

 

  • super man
  • LoL (ein Computerspiel)
  • Lincoln
  • Obama
  • Putin
  • Hitler (als ich das auf dem Namensschild sah, stellte ich schnell klar, dass er sich einen neuen Namen suchen muss)
  • Bundespräsident (In solidem ! Englisch erklärte dieser Schüler mir außerdem, er finde die Berlin Military Academy – von der ich vorher noch nie etwas gehört habe – sehr gut. Anschließend übten wir ausführlich die Aussprache seines Namens. Sehr amüsant :) )
  • good man
  • large green man
  • ATM (Wie der Bankautomat?)
  • taxi (Nein, das Namensschild gehört auf den Tisch und nicht auf den Kopf :D)
  • Wie spricht man "Aaaateocx" oder "Baekhyun" aus?
  • Sky sky (Der chinesische Vorname dieser Schülerin ist 婷婷, also auch zweimal das gleiche)
  • Brain
  • Frost
  • Punk
  • Happy, Smile, Lucky, Gold
  • Lady Gaga, Justin Bieber

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Mi

12

Mär

2014

Chinesische Weisheiten

Zitiert direkt aus dem Lehrerzimmer.

 

"The first time you sneeze, someone misses you.

The second time you sneeze, someone curses you.

The third time you sneeze, you have a cold."

(Niest du einmal, vermisst dich jemand.

Niest du zweimal, verflucht dich jemand.

Niest du dreimal, bist du erkältet.)

 

"If you have bad luck, your fart can hit your heels."

(Hast du Pech, trifft dein Pups deine Fersen.)

 

"To have bamboo in your stomach means to be confident."

(Bambus im Magen zu haben bedeutet, selbstbewusst zu sein.)

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Mi

12

Mär

2014

Schule und Machtverhältnisse

Nach der Stunde kommt ein Schüler, dessen Handy irgendwann im Laufe der letzten vierzig Minuten in meiner Hosentasche landete, ans Lehrerpult und redet auf Chinesisch auf mich ein. Ich verstehe, dass das Handy seiner Mutter gehört, aber mehr auch nicht. Und bin verwirrt, habe ich ihm doch schon zugesagt, das Handy heute ausnahmsweise nach Schulschluss wieder auszuhändigen, statt es wie angekündigt in Zukunft länger zu verwahren. Da kriegt die Mutter doch nichts mit.

 

Die Klassensprecherin versteht seine Verzweiflung jedoch und sagt zögernd "...But you will tell the head teacher, won't you? He is afraid that his mother will beat him." - Meine Antwort: "Tell him that I won't tell the head teacher this time. It's okay."

 

In meinem Kopf fügen sich allerdings einige Puzzleteile zusammen... Es scheint mir, dass normalerweise jedes Vorkommnis entweder vom Fachlehrer oder dem Klassensprecher dem head teacher (Klassenlehrer) gemeldet wird. Dieser setzt wiederum die Eltern seiner Sprösslinge über ihre Untaten in Kenntnis (sonst hätte der Schüler nicht Angst, von seiner Mutter geschlagen zu werden). 

 

Die Schüler werden also nicht nur eventuell vor der Klasse zur Schau gestellt (wurde mir auch schon als Druckmittel empfohlen) und/oder vom jeweiligen Fachlehrer bestraft, nein, Klassenlehrer und Eltern werden auch gleich mit ins Boot gezogen.

 

Es erklärt, wieso die Schüler SO zögerlich ihre Mobiltelefone rausrücken, auch wenn ich ihnen sofort mitteile, wann sie es wieder kriegen. Habe ICH das Gerät in der Hand, ist es amtlich. Bei ihnen besteht die begründete Angst, dass ich sie verpetze; sei es nun beim Englischlehrer, beim Klassenlehrer oder bei wemauchimmerderhöhergestelltistalsich. Das wäre viel schlimmer, als ein paar Stunden (oder eine Nacht) ohne Handy auskommen zu müssen.

 

Es erklärt, wieso die Schüler meine Regeln (keine Handys, keine Hausaufgaben) ziemlich uninteressant finden, bis ich zu den Konsequenzen komme: Bei drei Regelverstößen gehe ich zum Klassenlehrer. Verkünde ich das, wird es zwar nicht ruhig, aber zumindest ruhiger als vorher im Klassenzimmer. Meist gibt dann noch jemand "no, no, no" von sich. Es wirkt, vorausgesetzt, ich ziehe es durch.

 

Was steckt hinter allem? (Die Macht der) Hierarchie.

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Mo

03

Mär

2014

Der erste Unterrichtstag

ist nun vorbei und ich ziehe Bilanz:

 

  • drei Klassen
  • fünf Schüler am Handy erwischt
  • unzählige Male "quiet" gebrüllt
  • viel zu oft "notebook" und "name card" gesagt
  • und eine Stunde frühzeitig beendet.

 

Es wird ein Kampf!

 

Am Ende des zweiten Tages und zwei weiteren Stunden enthält meine Schatztruhe folgende Fundstücke:

 

  • ein Handy
  • eine Mundharmonika (nein, ich benötige nicht jedes Mal wenn ich mich umdrehe, um etwas an die Tafel zu schreiben, Begleitmusik, vielen Dank)
  • ein paar Ohrhörer (klar, auch ich stecke mir einfach so Ohrhörer in mein Ohr! Klar, ich finde es völlig plausibel, dass da kein Handy angeschlossen war.)

Nunja, da der Schüler seinen kompletten Tisch umkippte und anfing sich auszuziehen um mir zu demonstrieren, dass er kein Handy hat ... Beendete ich das Ganze ziemlich schnell indem ich mit den Ohrhörern und einem bitterbösen Blick zufrieden gab und ihm befahl, sich wieder hinzusetzen. GRR.

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Mo

24

Feb

2014

Chinetiquette

Ich bin wieder in Jiuquan! Bei Gelegenheit folgen noch ein paar Hongkong-Anekdoten. Erst einmal muss ich hier ankommen und mich sortieren.

 

Dieser zufällig entdeckte Artikel hat mich zum Schmunzeln gebracht:

http://www.welt.de/reise/nah/article125141910/Ruelpst-nicht-spuckt-nicht-redet-nicht-so-laut.html

 

Ja, ich kann Vieles - manchmal mit einem Schmunzeln, manchmal auch nicht - bestätigen ;) Essensüberreste werden hier wirklich auf das Tischtuch gespuckt und erst gestern pinkelte ein Kind von drei oder vier Jahren vor mir auf den Bürgersteig. Wie fremd mir viele Verhaltensweisen vor einem halben Jahr vorkamen, fällt mir jetzt nach 9 Tagen Hongkong wieder auf.

 

Ein Stück weit verstehe ich dann auch den "Festländer-Hass" (ja, ich bezeichne es wirklich als Hass) der Hongkong'er und das Schild, das dort gefühlt über jedem Mülleimer hing: "Spitting spreads germs". Ich würde das, was meine alltägliche Geräuschkulisse auf Schritt und Tritt bereichert aber nicht als "spucken" bezeichnen... eher als rotzen. Wieso man rotzen, sich aber nicht schnäuzen darf, ist mir heute noch ein Rätsel.

Genau das ist aber der springende Punkt: Uns kommt Urinieren in der Öffentlichkeit, lautes Reden, Schmatzen und Schlürfen unhöflich vor; Chinesen finden es wiederum befremdlich, sich die Nase zu putzen, wie es u.a. in Deutschland täglich praktiziert wird.

 

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Fr

21

Feb

2014

ReiseGedanken 3

07.02.14: Schreibwaren-Laden

Ich: "多少钱?" (Wie viel kostet das?)

Die Verkäuferin hält zwei Finger hoch.

Ich: "两块" (Zwei)

Sie nickt.

Ich: "和那个?" (Und das da?)

Sie hält sieben Finger hoch.

Ich entsetzt: "七块?" (Sieben?)

Sie beschließt kopfschüttelnd, nun doch Chinesisch mit mir zu sprechen: "两块五" (Zwei fünfzig). JETZT verstehe ich sie auch!

...An dem Gespräch merkt man, wie touristisch geprägt die Stadt ist.

 

08.02.14, ReisTERRASSEN

Als ich letzte Woche meine Wanderschuhe in ein Paket gen Jiuquan tat, war mir irgendwie nicht klar, dass folgende Rechnung kaum aufgehen kann:

Bergiges Geländer + Regen + wahlweise glatte Steinstufen oder Matsch + Chucks (löchrige Leinenschuhe ohne Profil)

Fügt man dann noch Kälte und Nebel hinzu - soll heißen, man friert, rutscht aus, saut sich ein und sieht die Reisterrassen von denen man angeblich umgeben ist eh nicht - stellt sich dem pragmatisch denkenden Teil der Menschheit unter Umständen durchaus die Frage, wieso wir überhaupt da waren. Trotz (oder vielleicht gerade wegen) aller widrigen Umstände fand ich es sehr spaßig :)

 

Infos am Rande:

 

Elektroroller werden in China nicht registriert und haben dementsprechend auch keine Nummernschilder. Konsequenterweise muss man mit ihnen offiziell auf dem Bürgersteig fahren. Einen Führerschein benötigt man auch nicht.

 

Gebäude ab 8 Stockwerken müssen in China offiziell einen Fahrstuhl besitzen. Deswegen sind die meisten Gebäude auch nur siebenstöckig...

 

11.02.14, Zugfahrt

Es ist 23:30, ich liege gemütlich in der untersten Pritsche eines Schlafzuges. Die Zähne sind geputzt, das Schlaf-Shirt ist angezogen, meine Augen fallen zu.

Kaum bin ich eingeschlafen, wache ich wieder auf, weil eine Frau mittleren Alters mir mit ihrem Handy ins Gesicht scheint und einen Wortschwall auf mich niederlässt. Energisch ist sie, und wütend. Ihren zwei Kindern befiehlt sie im Gang zu warten während sie mir klar macht, dass sie Bett Nr. 16 gebucht habe, ich also augenscheinlich in ihrem Bett liegen würde und bitteschön mein (*hust*, ihr) Schlafgemach so schnell wie möglich zu räumen habe.

Den Schock erst 'mal verdaut fällt mir halb verschlafen zum Glück ein, dass ich in Bett Nr. 15 liege, und mache ihr das auch klar. Ohne ein Wort der Entschuldigung dreht sie sich um und rütteln meine Nachbarin - die tatsächlich in Bett Nr. 16 liegt - wach. Diese wird erst einmal tüchtig ausgeschimpft. Die soeben geweckte Dame ist aber verständlicherweise auch nicht gerade glücklich, mitten in der Nacht geweckt zu werden, und reagiert ziemlich bissig. Es entfacht ein regelrechter Wortkampf.

 

"Das ist mein Bett!" - "Nein, ist es nicht. Das ist mein Bett." - "Ach ja, wo ist denn deine Fahrkarte?" - "Die hat der Schaffner!" - "Wieso hat der Schaffner die?" - "Ja weil der Schaffner immer alle Fahrkarten einsammelt.* Sag mal, bist du noch nie Zug gefahren?" - "Räumst du jetzt bitte das Bett?" - "NEIN!"

"Kinder, bleibt da bitte sitzen. Wir verstauen jetzt erst 'mal unser Gepäck, die Dame wird schon noch Platz machen. Ich hol' gleich den Schaffner."

 

Kaum hat die Frau ihr Gepäck überall verteilt - Koffer unter'm Bett, Essen auf dem Tisch, ... - kommt ein Mann und sie darf ihr Gepäck und ihre Kinder wieder einsammeln, um ohne ein Wort abzuzischen. Am nächsten Morgen sehe ich sie in Bett Nr. 17.

Wahrscheinlich hatte sie wirklich noch nicht viel Erfahrung mit Zug fahren und Wagen- mit Bettnummer verwechselt:

Wir waren in Wagen Nr. 16. Ich lag in Wagen Nr. 16, Bett Nr. 15 und die mir gegenüber, die angegriffen wurde, eben in Wagen Nr. 16 Bett Nr. 16. Die Dame, die nachts mit Gepäck und Kindern kam, hatte wohl Wagen Nr. 16, aber Bett Nr. 17.

 

*Ja, der Schaffner sammelt tatsächlich die Fahrkarten ein. Im Gegenzug erhält man eine Plastikkarte. Dadurch behält er immer den Überblick darüber, welche Betten belegt sind. Außerdem steht auf den Fahrkarten drauf, an welchem Ort man aussteigt, sodass der Schaffner vor jeder Haltestelle rumläuft, die entsprechenden Fahrkarten wieder aushändigt und den Leuten eben mitteilt, dass sie demnächst aussteigen müssen. Fährt man also über Nacht, wird man sogar vom Schaffner geweckt :)

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Fr

07

Feb

2014

ReiseGedanken 2

03.02.14

In der Tigersprungschlucht bringt mir eine deutsche Studentin, die in Deutschland nicht einmal in Hessen wohnt, den hessischen Begriff fuer Wolldecke bei: Kolter.

 

Der Sonnenbrand im Nacken findet leider keinen Gefallen am Trageriemen meines Wanderrucksackes. Aua.

 

Im Zug gibt es SITZklos. Hier sind eigentlich Hockklos die Regel.

 

04.02.14

"Nein, du darfst das Waschmittel nicht bei mir im kleinen Laden am Strassenrand kaufen! Geh zu Walmart, dort ist es billiger!"

Aber der ist doch weit weg und ich moechte jetzt Waesche waschen.

 

Walmart-Besuch: Kinder bueno laesst mein Herz schneller schlagen.

 

05.02.14

Eine Zugangestellte steckt in Begleitung eines Polizisten ihren Kopf in unsere Kabine: "Excuse me, take care of your cabbage." (Gemeint ist natuerlich baggage). Wir erwidern "Yes, thank you", sie dreht sich zum Polizisten und sagt "他们知道" (Sie wissen Bescheid).

Als wuerde der Polizist nicht schon seit Stunden staendig vorbeilaufen, als haette er nicht schon meinen Mittagsschlaf gestoert um mir das Handy einer Mitreisenden in die Hand zu druecken, das oeffentlich auf dem Tisch gelegen hatte.

Wir sind vorsichtig.

 

Die Zugtoilette ist besetzt, ich stehe vor ihr an. Ein Mann, der sein Kleinkind vor sich traegt, kommt an. Sieht, dass die Toilette nicht frei ist, kehrt um, laeuft zur Zugtuer. Das Kind pinkelt vor der Tuer auf den Boden und der Mann laeuft seelenruhig zu seinem Platz zurueck. Mission accomplished, und ich stehe immer noch an.

 

Liebe Leute, koenntet ihr vielleicht nicht auf den Zugtoiletten rauchen? Der Raum ist klein, der Geruch so schon streng genug, und da heute die Spuelung mehr schlecht als recht funktioniert ... Dankeschoen!

 

07.02.14

Not all those who wander are lost.

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Fr

31

Jan

2014

ReiseGedanken

Nein, wirklich bloggen tu ich auf meiner Reise nicht. Ich notiere mir allerdings von Zeit zu Zeit einzelne Begebenheiten oder manchmal auch einfach nur Gedanken, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Hier sind sie:

 

12.01.14

Ich liege mit Taizé-Kette (Frankreich), Abi-Pulli (Deutschland) und chinesischer Jogginghose sowie etwas Afrika-Kind-Feeling in einem chinesischen Zug und staune darüber, wie unendlich weit Gottes Welt ist und an wie viel davon er mich schon teilhaben lassen hat. Mit im Gepäck sie Badelatschen aus Brasilien.

 

13.01.14

Wie viel Prozent der Menschheit schnarcht? Nicht viel? Vielleicht änderst Du Deine Meinung, wenn Du einmal eine Nacht im Zug verbracht hast. Bei 66 Betten pro Wagen schnarcht garantiert immer irgendeine/r...

 

15.01.14

Heute stand wandern auf dem Programm. Die Hinweisschilder bieten nicht nur englische, sondern auch deutsche Übersetzungen an. Ein amüsantes Beispiel: "protect the environment" = "Schaffen Sie eine grüne Kultur, um die natürliche Wärme zu genießen".

 

17.01.14

Nach zweiundzwang sitzend im Zug verbrachten Stunden erreichen wir erschöpft das Hotel, in dem unser weltwärts-Zwischenseminar stattfindet. Wir warten, während die Rezeptionsdame unsere Zimmerkarten sucht.

- "Hallo!"

Häh?! Verwirrt gucke ich hoch. War das Deutsch? Wer war das? Höre ich schon Stimmen?

- "Guten Tag!"

Oh! Es ist die Chinesin, die vor mir steht. Sie entpuppt sich als kompetente Reiseführerin, die Deutsch studiert hat. Schade nur, dass wir Freiwilligen nun keine Geheimsprache haben.

 

21.01.14

Welt-Kind liebt es, zu fliegen. Für Welt-Kind ist es ungewohnt, in den Urlaub zu fliegen und nicht nach Hause bzw. zu den Großeltern.

 

22.01.14

Wieso sprechen die Chinesen mich plötzlich auf ENGLISCH an?

Wieso können die überhaupt Englisch?

Wieso laufen andere Ausländer durch die Jugendherberge?

Wieso tragen sie Kleidung wie ich, wieso haben sie helle Haare, wieso reden sie wie ich?

Wieso bietet die Jugendherberge westliches Essen an?

Der Kulturschock hat mich eingeholt!

 

Kommentar eines Bekanntes in der Herberge: "I had German at school. German is a useless language to learn! All Germans I have met while travelling speak English."

 

24.01.14

Bier aus einem Strohhalm zu trinken, verstößt das gegen meine Prinzipien?

Was soll ich denn machen, wenn die Bedienung mir trotzdem einen andreht?

 

25.01.14

Toilette am Busbahnhof: Da ihr die Warteschlange zu lang ist, hält eine Frau ihr Kind kurzerhand über den Mülleiner um sein Geschäft zu erledigen. Der Besen, mit dem die Reinigungskraft immer kehrt, wird dabei auch nass.

 

26.01.14

Wir sitzen am Straßenrand. Eine vorbeilaufende Dame spricht uns an:

- "Hello!"

Wir erwidern den Gruß, sagen auch "hello".

- "Nice to meet you!"

"Nice to meet you, too."

Und schon ist sie weg. Na wenn das 'mal kein schnelles Kennenlernen war :P

 

28.01.14

Zu dritt mit allem Gepäck für 6-7 Wochen in einer Ricksha, fast herausfallend, fast den Bus verpassend.

 

Wer hat chin. Neujahr erfunden? Wer kam auf die Idee, ein Land dieser Größe komplett in Aufruhr zu bringen? X Millionen Chinesen im Auto, aber vor allem auch im Bus oder Zug auf dem Weg zu Verwandten. Kombiniert mit dem hiesigen Fahrkartenerwerbsystem ist es kein Wunder, dass  wir unsere Reisepläne schon mehrmals umschmeißen mussten. Gehört wohl einfach dazu.

 

Ich sitze in einem Reisebus. Der Fahrer brettert muter die Straße entlang, die durch die Berge führt und denkt sich augenscheinlich: Nicht in der Kurve überholen, bei Schlaglöchern langsamer werden - Diese Regeln gelten bei mir nicht! Haltet die Kotztüten bereit, schließlich wollen wir heute irgendwann noch ankommen!

Die meisten Insassen schlafen. Wie sie das schaffen, ist mir ein Rätsel.

Ich habe mich zum ersten Mal in diesem Land tatsächlich angeschnallt. Normalerweise gilt dies als Zeichen des Misstrauens dem Fahrer gegenüber, aber in diesem Fall ist mir das herzlich egal.

 

29.01.14

Ein Zugangestellter preist seine Ware an: "Guckt 'mal, guckt 'mal! Socken! Beste Qualitat, gucken Sie doch 'mal liebe Fahrgäste. Beste Preise, beste Qualität, und so elastisch.

Kurz darauf beginnt er, Tauziehen gegen die Fahrgäste zu veranstalten. Mit einem Socken als Tau.

 

Wir laufen durch die engen Gassen Lijiangs und plötzlich steht vor uns eine Deutsche, dir wir am vorletzten Aufenthaltsort 18 Busstunden weiter südlich kennengelernt hatten. "Hi, Du auch hier?"

Kombiniert mit den zwei Chinesen, die uns auch shcon von Jinghong kennen, gibt es eigentlich nur zwei Erklärungsansätze: Entweder die Welt ist klein oder es reisen alle mit dem lonely planet ;)

 

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Do

09

Jan

2014

Perspektivwechsel

- 6 Wochen

- ein Wanderrucksack

- viele, viele Zug- & Busfahrten

- tausende Kilometer

- Rei in der Tube, aber keinen PC

 

Ende Februar holt mich der Alltag dann wieder ein und frühestens dann werde ich auch wieder bloggen können. Bis dahin: Bleibt Gott befohlen!

 

Reiseroute

Jiuquan -> Chengdu (u.a. Pandas) -> Lanzhou (weltwärts-Zwischenseminar) -> Kunming -> Yuanyang (Reisterrassen) -> Jinghong (Xishuangbanna: Nationalpark) -> Lijiang (Tigersprungschlucht: wandern) -> Guilin -> Hongkong -> Chengdu (u.a. Kloster) -> Jiuquan

(google maps geht momentan nicht, sonst hätte ich eine China-Karte hier eingefügt)

 

Nachtrag: Hier nun die Karte mit der Reiseroute:

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Di

07

Jan

2014

Bevölkerungsverteilung

Quelle: http://www.reddit.com/r/MapPorn
Quelle: http://www.reddit.com/r/MapPorn
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Do

26

Dez

2013

Da war 'was

Datum: 26. Dezember.

Ort: Lehrerzimmer.

Entrüstete Frage eines Kollegen: "Where were you yesterday?"

 

Ääähhh... Lass 'mal überlegen. Was war denn da?

Stimmt! Da war ja Weihnachten! Das hätte ich fast schon wieder vergessen!

 

Da der Schulbetrieb am 25. normal weiterlief, ist die Frage aus chinesischer Sicht mehr als verständlich. Woher soll der liebe Kollege schließlich wissen, dass wir Freiwilligen den Tag frei bekamen, um zu feiern? Nur wir, während alle andere arbeiteten?

 

Fotos vom Fest gibt es hier.

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Mo

23

Dez

2013

Weihnachtskarten(massen)produktion

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Mo

16

Dez

2013

Kälte,

Die flag raising ceremony, die jeden Montagmorgen stattfindet, wird seit heute in abgeänderter Form zelebriert:

 

Die Schüler und Lehrer versammeln sich nicht mehr draußen vor dem Fahnenpfal. Stattdessen sitzen sie drinnen. Ein paar arme, frierende Tröpfe hissen die Fahne draußen alleine, das Ganze wird über Lautsprecher in jedes Klassenzimmer übertragen.

 

Eine live Video-Übertragung habe ich nicht gesehen. Wundern würde es mich jedoch nicht, durften die Schüler doch in der Vergangenheit schon die Reden ihrer vier SchuldirektorInnen bzw. der Polizei im "Fernsehen" verfolgen. Auch hier saßen sie im Klassenzimmer und hatten gebannt auf das Smartboard zu starren... Die Schule hat eben keinen Raum, in den 1500 Schüler passen. Und lange draußen zu sitzen oder zu stehen, ist auch nicht so das Wahre.

 

Klassenzimmeraustattung

Im neuen Gebäude hat jedes Klassenzimmer eine normale Tafel. Schiebt man die zwei inneren Tafelteile zur Seite, offenbart sich ein Smartboard mit USB-Anschluss. Dieses arbeitet mit Windows 7 und soliden Smartboard-Programmen – die Englisch-Funktion beinhaltet beispielsweise auch ein Wörterbuch. Sehr praktisch! Ich nutze das Smartboard vor allem für meine Powerpoint-Präsentationen. Es ist praktisch, einen Satz nicht bei jeder Klasse erneut anschreiben zu müssen, sondern lediglich einmal auf eine Folie klatschen zu können. Vereinzelt füge ich auch Schriftzeichen zum besseren Verständnis ein.

 

Was ich nicht mache, ist meine Schüler mit den Präsentation bespaßen. Sie kriegen keine glitzernde Leuchtschrift oder herumspringende Textteile, geschweige denn überladene Hintergründe oder kitschige Musik. Alles schon gesehen oder gehört!

 

Wenn ich ausversehen einen falschen Knopf drücke, jubeln die Schüler hin und wieder, weil ich dann im Fernseh-Kanal lande ;)

 

Außerdem hat jedes Lehrerpult einen Glaskasten. Legt man ein Blatt Papier auf den Kasten und bestrahlt ihn mit einer speziellen Lampe, wird das Papier auf dem Smartboard angezeigt. Vorausgesetzt, man drückt den richtigen Knopf... Man kann sich das als modernen Overhead-Projektor vorstellen, der nicht mit Folien sondern mit herkömmlichem Papier arbeitet.

 

Jede Klasse hat einen Medienbeauftragten, der für die ganze Technik zuständig ist. Wenn ich mich also vorne hinstelle und mit einem fragendem Blick auf die Tafel zeige, brüllt die Klasse also lautstark irgendeinen Namen, bis diese Person nach vorne kommt und mir die Tafel aufschließt, den Strom anstellt usw.

& Kein Unterrichten

Nach mehrmaligem Hin-und-Her steht jetzt fest, dass ich bis Ende Februar nicht mehr unterrichte. Ab dem 1. Januar habe ich Ferien, bis dahin jedoch die Anweisung, immer pünktlich!! (Bin ich das nicht sowieso meistens? Oops...) im Lehrerzimmer zu erscheinen, fleißig Chinesisch zu pauken und den anderen Lehrern beim Korrigieren zu helfen.

 

Schade nur, dass ich bin Freitag felsenfest davon überzeugt war bis zum 31. zu unterrichten, und jeder einzelnen Klasse diese Woche eine Bastelstunde versprach: "Next week, we will make Christmas cards. Bring paper! Write that down!"

 

Erstens kommt es immer anders und zweitens als man denkt.

 

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Mi

11

Dez

2013

Wetter

Seit gestern trage ich meine Winterjacke.

Dabei wollte ich doch bis Mitte des Monats ohne durchhalten... Mist!

 

Hoffentlich leistet das gute Stück auch noch bei weiteren 10 bis 20 Grad weniger gute Dienste. Noch mehr hoffe ich allerdins, dass diese Temperaturen gar nicht erst eintreten. Bisher war der Winter angeblich sehr mild, dann kann er es m.E. auch bleiben!

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Fr

06

Dez

2013

Auftritt

Vorhin sang ich zusammen mit zwei anderen Freiwilligen "Oh du fröhliche" vor einer Schulklasse. Jaja, Adventsstimmung muss man selber kreieren, wenn man sich welche wünscht.

 

Reich beschenkt

... wurde ich heute von meiner Vormittagsklasse:

Schwäne und Herzen sowie kleine Sterne und Schleifen
Schwäne und Herzen sowie kleine Sterne und Schleifen
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Mi

04

Dez

2013

Anekdoten aus dem Unterricht

Diese Woche bekommen meine Schüler die Aufgabe, eine Speisekarte sowie einen kurzen Dialog zu schreiben, in dem sie Essen und Trinken bestellen. Anschließend stelle ich vorne mit ein paar Requisiten ein Restaurant dar, in dem sie ihre Dialoge vorführen können. Das klappt manchmal ganz gut, manchmal eher weniger. Viele halten sich fast ausschließlich an einen Text aus ihrem Lehrbuch. Manche sind jedoch kreativer:

 

Situation 1:

Der Kunde hat aufgegessen und der Kellner steht bereit, um das Geld zu kassieren.

"I don't have money! I lost my handbag!"

 

Situation 2:

Kunde: "Hello! What is your menu?"

Inhaber 1: "Welcome! We have beef noodles, chicken noodles, fried rice, rice with fish, dumplings, apple juice, orange juice, coke, apples, bananas..."

Kunde: "I would like some beef noodles."

Inhaber 1: "Our menu doesn't have that."

Inhaber 2: "The beef is bad."

Kunder: "Okay, then I would like some rice."

Inhaber 2: "Our rice cooker is broken."

So geht das eine ganze Weile weiter, bis der Kunde rausstürmt und dabei brüllt: "Goodbye! I won't come back again!"

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Di

03

Dez

2013

I'm super duper

"What do you want to be when you are big?"

"Superman!"

 

Eine kurze Umfrage ergibt, dass nicht nur eine/r, sondern gleich 18 Schüler/innen superman sein wollen, wenn sie erwachsen sind. Euch, meinen (meist) lieben Siebtklässlern, wünsche ich, dass ihr das Träumen nicht verlernt.

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So

01

Dez

2013

Not macht erfinderisch

 

Aus vier solchen Metallrohren

 

ensteht ein rundes Gebilde.

 

Fügt man dann noch tinsel foil

 

und Kerzen hinzu, hat man einen

 

 

Adventskranz :-)

 

 

Ich wünsche allen Lesern einen gesegneten ersten Advent!

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Do

28

Nov

2013

Alltag als 外教

Scherpen über Scherpen

 

Ich trete durch das Schultor. Links zwei Schüler, rechts zwei Schüler. Alle tragen sie rote Scherpen mit goldener Verzierung. Verbeugen sich, als ich zwischen ihnen durchgehe. Sie sind das sogenannte Willkommenkomitee deren Aufgabe es ist, die Lehrer angemessen und würdevoll zu begrüßen, wenn sie das  Schulgelände betreten.

 

Ich betrete das Schulgebäude. Wieder zwei sich verbeugende Scherpenträger.

 

Laufe durch den Gang. Rechts verbeugen sich Schüler, links verbeugen sich Schüler. Immer mit dem obligatorischen Gruß "老师好!" (lǎoshī hǎo; sinngemäß "Guten Tag, Lehrer"). Wenn ich nur nicht immer geneigt wäre, mich auch zu verbeugen!

..oder zu winken. Letzteres ist auf Dauer nämlich ganz schön anstrengend.

 

Privacy? What is this alien term you speak of?

 

(Wenn eine Lehrerin, die ich nicht kenne, Schülern, die ich nicht kenne, im Unterricht Sachen von mir erzählt; dann würde ich das nicht unbedingt als Privatsphäre wahrend bezeichnen. Nunja, die Erlebnisse der Ausländerin sind bestimmt spannend. Und meine Tollpatschigkeit sowieso.)

 

没有电

 

Mitten im Unterricht möchte ich die Powerpoint-Präsentation anschmeißen. Es geht nicht. Die Schüler gucken gebannt zu, aber keiner springt auf, um mir zu helfen. Stattdessen sagt einer: "没有电". Während die Übersetzung in meinem Kopf langsam Gestalt annimmt, zuckt der Junge am ganzen Körper: Von oben bis unten schüttelt er sich quasi einmal selber durch. Dann verstehe ich: Es gibt keinen Strom! (Er hat natürlich einen Stromschlag imitiert.)

 

"Teacher!"

 

"Teacher!"

"Yes?"

"Teacher! We want your hair!"

(BITTE WAS?)

Ja, ich habe ihnen dann eine Haarsträhne gegeben (und auch eine bekommen).

Nachher fragte ich dann eine Lehrerin, ob das ein Brauch sei, von dem ich nichts wüsste. Leider war ihr das auch neu.

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Fr

15

Nov

2013

Böse, böse

Ich begrüße die Klasse und frage: "Are you sleeping?". Im Chor ertönt die Antwort: "Yes!"

Nochmal. "Are you sleeping?" - "YES!"

"Are you really sleeping?" - "YES!"

 

Ich schreibe sleep an, stelle mich kurz schlafend (!) und frage erneut: "Are you sleeping?" Wieder höre ich ein lautes "YES!", dieses Mal jedoch mit ein paar spärlich Gesäten no's.

 

Dann beschließe ich, eine Umfrage zu starten:

"Put up your hand if you are sleeping." Ca. 20 Hände gehen hoch.

"Put up your hand if you are NOT sleeping." Ca. 15 Hände gehen hoch.

 

Herrlich!

 

Tut mir Leid, liebe Schülerlein! Ich möchte nur, dass ihr lernt, nicht "Yes" zu sagen, wenn ihr mich nicht versteht.

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So

27

Okt

2013

142 Stufen

Alle ehemaligen SAS'ler, die sich über Physik im 3. Stock (wohlgemerkt 66 Stufen!) beklagten, sollten weiterlesen und ruhig ein schlechtes Gewissen bekommen ;)

 

142 Stufen darf ich nun tagtäglich mehrmals erklimmen, um in mein Lehrerzimmer zu gelangen: Letzte Woche haben nämlich Schüler und Lehrer der 二中 ("er zhong" = "zwei[te] Mittel[schule]") den Neubau, das Westgebäude, bezogen!

 

Als ich mich bei einer Schülerin über die (Höhen-)Lage meines Zimmers beklagte – ihr Klassenzimmer ist drei Stockwerke unter meinem – schrieb sie zurück: "I think the stairs is also a kind of exercise :D" (exercise = Sport). Ganz schön schlagfertig, die Kleine.

 

Ironisch sind auch die Toiletten die, weil sie relativ groß sind und Sitzklos haben, wahrscheinlich Behinderten-WCs sein sollen. Es gibt sie in jedem Stockwerk. Einen Aufzug habe ich in dem Gebäude nämlich bisher nicht entdecken können...

 

Mein neues Lehrerzimmer ist wesentlich kleiner als das alte, in ihm finden statt 28 nur noch 7 Lehrer Platz. Ich hoffe, dass es dadurch auch wärmer wird, vor allem, wenn am 1. November jemand in Peking den Schalter betätigt, der die Heizungen hier in Jiuquan anspringen lässt.

 

Ja, richtig gelesen! Die Heizungen in ganz Nordchina werden von Peking aus zentral gesteuert. Laut benefind.de ("Ich googele nicht, ich benefinde") haben Häuser in Südchina keine Zentralheizung, da die Außentemperaturen dort deutlich höher sind. Dennoch unterscheiden sich die Temperaturen knapp nördlich bzw. südlich der "Zentralheizungstrennlinie" kaum; die Einen haben's kuschelig warm, 50km weiter frieren die Anderen erbärmlich.

 

Das Wort Zentralheizung darf man sehr wörtlich nehmen. Soweit ich weiß, können Privatpersonen sie nämlich weder an- noch ausschalten, geschweige denn hoch- oder runterdrehen. Während die Einen also zusätzlich elektrische Heizlüfter anschmeißen, reißen die Anderen ihre Fenster weit auf.

 

Wer sich jetzt fragt, wie kalt es bei mir tatsächlich ist: Morgens und abends sind es draußen knapp über 0°C, mittags dann ca. 10 – 15°C. Die Innentemperatur unseres Wohnzimmers bewegt sich irgendwo zwischen 13 und 15°C, mit elektrischem Heizlüfter eher bei 15°C. Freuen tun wir uns immer dann, wenn wir den boiler anschmeißen und dieser beschließt, heute spendabel zu sein und uns tatsächlich mit heißem Wasser zu versorgen. Andernfalls werden die Haare notgedrungen mit kaltem Wasser gewaschen.

 

Jetzt weiß ich, wieso in diesem Land so viel Tee getrunken und Sport getrieben wird:

Beides hält warm!

 

Nachtrag vom 1.1.13: Die Heizung ist an!

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So

13

Okt

2013

Echt jetzt?

Nach der Stunde. Wie so oft umringen etliche Schüler das Lehrerpult. Heute kriege ich jedoch nicht die typischen Fragen zu hören, sondern Folgendes:

 

Sie: “Teacher! Homework?”

Ich: “No, no homework.

Sie: “Teacher, please give us homework.”

Ich: “Okay, then ... Learn the new words.”

Sie: “Write them two times?”

Ich: “No, just .. learn them.”

Sie gucken verständnislos.

Ich: “Okay, I will give you homework next week.”

Sie gucken weiterhin so als würden sie mich nicht verstehen.

Ich: “Next week. Homework. Okay?”

Sie strahlen über das ganze Gesicht und sagen: “Okay! Thank you, teacher!”

 

Um Eines klarzustellen: Dies ist sicherlich eine Ausnahmeklasse. Ich habe motivierte und weniger motivierte Klassen; laute, weniger laute und ganz leise; welche, die viel verstehen, und welche, die fast gar nichts verstehen (wollen).

Aber es war toll, in ihre motivierten Gesichte zu blicken und tatsächlich zu merken: Ja, sie würden sich tatsächlich über Hausaufgaben freuen. Tatsache.

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Mi

09

Okt

2013

Auch die Fliege machen?

Findest Du meine Berichte spannend und hast Lust, auch ein Jahr im Ausland zu verbringen?

 

Meine Entsendeorganisation, Mission EineWelt, beginnt in diesem Wochen mit dem Auswahlverfahren für 2014/15. Neben China sind dieses Jahr auch Freiwillige in Thailand, Malaysia, Fidschi, PNG, Australien sowie Tansania, Kenia und etliche Länder Lateinamerikas. Die meisten Stellen sind von weltwärts oder im IJFD anerkannt.

 

Um sich bewerben zu können, muss man vorher an einer Informationsveranstaltung teilgenommen haben. Diese finden am 19.10. in Nürnberg und am 02.11. in München statt.

 

Es ist auch möglich, ein FSJ in Deutschland (Neuendettelsau / Nürnberg) zu absolvieren.

 

HIER gibt’s mehr Infos.

 

Wer weitere Fragen hat darf sich gerne bei mir melden!

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Mo

23

Sep

2013

Topfschlagen

oder: Kalt, wärmer, noch wärmer...

 

Sonntagmorgen, Franzi wird gefragt, ob ihr in der Wohnung kühl wäre. Ehrlich erwidert sie, dass ihr an diesem Morgen etwas kalt gewesen wäre. Es heißt, die Schule würde wärmere Bettdecken für uns kaufen.

 

Montagmorgen, flag raising ceremony. Wir stecken gerade mittendrin, als ich aus meinem Tagträumen gerissen werde: Die Mentorin höchstpersönlich steht vor uns. "Follow me!"

Gemeinsam mit zwei anderen Lehrern folgen wir ihr also "to [our] home."

Nadya denkt: Okay, keine Ahnung wieso, aber warum nicht?

Nadya wagt es zu fragen: "What are we doing?" - Die Antwort: "Look at your blankets."

Nadya denkt: Mist. Mein Schlafzimmerfenster war ausversehen über Nacht offen. Wenn sie das bemerken und denken, wir würden deswegen frieren, gibt es eine gehörige Portion des Ausländerauslachens.

 

Wir lassen die Lehrer rein. Eine reißt meinen Schrank auf, nimmt eine Decke heraus. Entfernt den Überzug von meiner Decke und zu zweit beginnen sie, Decke Nr. 2 an Decke Nr. 1 zu knöpfen. Der dritte im Bunde beobachtet das Ganze. Der Mann also Aufseher, war ja klar.

 

Nachdem meine Hilf-/Mitmach-Versuche abgewiesen werden, gehe ich zu Franzi und zu zweit machen wir uns an ihre Decke. Die beiden Decken kriegen wir aneinander, welch' ein Kinderspiel! Doch unsere Freude hält nicht lange an... Die Bettwäsche (die ich zwischenzeitlich auch noch kaputt mache) kriegen wir nun nicht mehr drüber.

 

 

Zehn Minuten und zwei helfende Hände später – dieses Mal packt auch der Herr mit an, da eine Dame schon verschwunden ist – ist die Mission für uns peinlicherweise und für die Anderen glücklicherweise beendet. Die flag raising ceremony auch.

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Mi

11

Sep

2013

Gesucht!

Vorhanden: 2 Mädels.

Außerdem: 2 Schreibtische; 2 PCs; sporadisch Internet.

Und: Langeweile.

 

Gesucht: Beschäftigungsmöglichkeiten

 

Um die Zeit im Lehrerzimmer angenehmer zu gestalten und vielleicht sogar produktiv zu nutzen, posten wir heute diesen Blogeintrag. Wer hat Ideen, was man so ein Jahr lang machen könnte?

Ein Muss sind lediglich die Unterrichtsvorbereitung (eine Stunde pro Woche) und das Chinesisch lernen. Wir haben also wirklich viel Leerlauf.

 

Unser eigenes brainstorming ergab bisher:

– lesen (Belletristik, Klassiker, was man online so findet)

– schreiben (Blogeinträge, Rundbriefe, Zwischenberichte; einfach so)

– online Fernkurse absolvieren

– Gebärdensprache, Spanisch, pidgin lernen

– malen, basteln → zur Wohnungsverschönerung

– schnitzen

– häkeln, stricken

 

Wer also Ideen hat, bitte einfach kommentieren!

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Fr

06

Sep

2013

An(ge)kommen

...an unseren Schulen. Ja, das sind wir. Physisch, aber langsam auch psychisch. Letzten Mittwoch flogen wir zu zwölft nach Gansu. Mittlerweile wissen Franzi, meine Mitbewohnerin, und ich den Weg zum nächsten Supermarkt, zu anderen volunteers und zu leckeren Restaurants. Und eine Woche Unterricht durften wir auch schon hinter uns bringen.

 

Wie es denn so ist, werde ich gefragt. Wie soll es schon sein? Wo fange ich an, wo höre ich auf? Ich weiß es wirklich nicht. Tagsüber hüte ich morgens vier Stunden und nachmittags drei Stunden lang das teachers' office. Außer ich unterrichte, dann stehe ich natürlich vor ca. 50 chinesischen  Schülern und versuche, ihnen 英语 (Yingyu = Englisch) näherzubringen. Jede der 12 Klassen der 7. Jahrgangsstufe (Junior 1) kommt einmal wöchentlich in den Genuss meines Unterrichts.

 

Nach nur einer Woche Lehrerfahrung kann ich nicht wirklich sagen, "wie das Unterrichten so ist". Es ist nicht, dass ich nicht darüber reden will, weil es fürchterlich schlimm ist – Nein, im Gegenteil! Es macht auch Spaß! Ich kann nach nur einer Woche das Ganze einfach noch nicht wirklich beurteilen.

 

Zwei Anekdoten möchte ich heute mit euch teilen:

 

We all have a lesson to learn

 

1. September 2013, 22 Uhr. Laut Stundenplan halte ich morgen früh meine erste Unterrichtsstunde. Geplant habe ich noch nichts. Vor ein paar Stunden habe ich zufällig herausgefunden, dass ich diese Woche perhaps nicht unterrichte, da der Jahrgang military training hat, und sollte ich unterrichten, weiß ich nicht wo. Was ich weiß ist, dass ich vor 7:50 zur flag-raising ceremony an der Schule sein muss, auch wenn ich frühestens um 11:10 (wenn überhaupt, maybe) unterrichte.

 

Nächster Tag. 8:10. Nachdem um 7:50 keiner da war, um uns zur flag-raising ceremony zu bringen, beschlossen wir, eigenständig dahinzugehen. Kaum hatten wir einen Fuß aus dem Lehrerzimmer gesetzt, kam unsere Mentorin um die Ecke gehuscht und bat uns mit einer Handbewegung, wieder einzutreten: "When the students have lessons, you sit in the office". Okay, dann also keine Zeremonie. Wieder hingesetzt. Schöner Schreibtisch. Lieber Schreibtisch. Ich werde dich noch zu schätzen wissen, auch wenn ich momentan noch nicht so die Lust empfinde, täglich 7 Stunden an deiner Seite zu verbringen.

 

Zehn Minuten später die Nachricht: "Military training has been put off, so you will have lessons today." Okay, dann also doch.

 

8:30. Eine Lehrerin stellt mir eine andere Lehrerin vor, die uns heute Nachmittag die Stadt zeigen und mit uns Gemüse kaufen will. Wie man das so macht, sage ich zu. Von ihr vorgeschlagene Uhrzeit: 17 Uhr. Okay. Ich dachte, wir müssen solange die Schüler Unterricht haben im Lehrerzimmer verweilen? Das wäre bis 17:50. Egal. Wenn sie das vorschlägt, wird es schon okay sein.

 

Um 9:40 werde ich gefragt: "Have you already prepared your lesson?". Die lesson, die ich in anderthalb Stunden halten soll...

 

Später halte ich also tatsächlich meine allererste Unterrichtsstunde wie es in meinem Stundenplan steht.

 

Nachmittags bin ich schon fünf Minuten vor Unterrichtsbeginn bei dem Klassenzimmer, in dem ich gedenke, meine zweite Stunde des Tages zu halten. Tja, gedacht! Aber erstens kommt alles anders, und zweitens als man denkt. Aus dem Zimmer ertönt nämlich schon Unterricht! Die eigentliche Englischlehrerin ist dort zugange und erklärt, ihr sei die Stunde zugeteilt worden. Naja, dann sieht mich die Klasse eben erst nächste Woche...

 

Ende der Geschicht: Vertrau den Stundenplänen nicht.

 

Willkommen im Reich der Mitte. Und wie einer unserer Vorgänger schrieb: "Wenn du dachtest, du seist spontan, dann warst du noch nie in China" (siehe http://leongoeschina.blogspot.de/).

 

#daran freuen #nicht hinterfragen #auch Spontan sein

 

Kulturerbe

 

Ich halte einen Zeigefinger vor meinen Mund und sage "shhhhh...".

Was würde ein deutscher Schüler machen? Mir eventuell zuhören.

Was macht eine Klasse chinesischer Schüler? Hält ebenfalls ihren Zeigefinger auf ihren Mund und imitiert mein "shhhhh...".

 

Okay, diese Methode kennen sie wohl nicht.

 

Dann bis zum nächsten Mal. 再见! - Zài jiàn! - Tschüss!

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Mo

26

Aug

2013

NigelNagelNeuer eiNtrag aus NaNjiNg

O weh, o wei,

ein guter Einstieg muss herbei

doch find' ich ihn nicht

ob er sich mit den Kakerlaken unter'm Bett verkriecht?

 

Egal, es geht auch ohne. Da wir am Mittwoch nach Gansu fliegen, möchte ich noch ein paar Eindrücke aus meiner Zeit in Nanjing mit euch teilen. Im Großen und Ganzen fühle ich mich hier wirklich wohl und finde es ehrlich gesagt schade, dass die gemeinsame Zeit als Gruppe nun erst einmal vorbei ist. Dennoch ist natürlich spannend, jetzt bald endlich Jiuquan, die Schule und mein neues semi-permanentes Lebensumfeld kennenzulernen.

 

(Mis)communication

 

Man stelle sich vier Mädels vor, die auf eigene Faust shoppen. Oder es zumindest versuchen. Und da dies natürlich mehr als anstrengend ist – vor allem, wenn man nichts findet ;) – holt auch sie der Hunger irgendwann ein. Erst stehen sie vor einer Menü-Tafel, über und über mit Schriftzeichen übersäht. Zu müde, um diese einzeln zu übersetzen, gehen sie doch zur Menü-Tafel drei Meter weiter, die zusätzlich englische Übersetzungen anbietet. Ratlos schauen sie drauf und beschließen, auf gut Glück irgendwelche Nudeln zu bestellen. Also schnell irgendwelche Zeichen, unter denen noodles steht, ins Handy gemalt und mit dem Satz "Wo yiao mai liang ge" (Ich würde gerne zwei mal kaufen) der Frau hinter der Theke in's Gesicht gehalten. Stolz.

 

Ein paar Minuten später beschließt eine von uns vieren, das gleiche Gericht nachzubestellen. Nach dem Versuch, es auf Chinesisch zu sagen, erwidert die nette Verkäuferin: "Oh, you want dan dan noodles!"

 

...Immerhin wussten alle Asiaten im Umfeld von 15m, dass wir uns die Mühe gemacht hatten, ihre Sprache zu sprechen. Auch wenn es nicht nötig gewesen wäre :D

 

Mit einer Frau am Nebentisch kamen wir dann beim Essen ins Gespräch. Als wir über das Wetter hier sprachen, kommentierte ich "It is hot and humid". Da sie humid nicht verstand, nahm sie wohl an, ich hätte humans gesagt, und fing an von humans zu schwärmen... Sie fragte uns, was wir von Japanern hielten. Auch weil wir gerade im Massaker-Museum gewesen waren, wussten wir nicht so Recht, was wir auf die Frage antworten sollten. Glücklicherweise lenkte sie schnell ein mit "I think Japanese are beautiful. Chinese are beautiful. Germans are beautiful. All humans are beautiful. Yes, we are all humans. Beautiful humans."

 

Geheime Zutat: Geduld

 

Chinesische "Mode" (falls man sie als solche bezeichnen kann): noch lauter, noch bunter, noch schriller als die in Deutschland. Streifen, Punkte, Herzchen, Häkelspitzenkram, keinen Sinn ergebende englische Sprüche, Ärmel, die an den Schultern ausgeschnitten sind, Schleifen, Glitzer, keine Größen, geschweige denn Preise.

 

Mit einer sowohl kompetenten, als auch netten, als auch shop-freudigen Chinesin an unserer Seite fanden Miriam und ich am Ende jedoch trotzdem jeweils zwei Oberteile, mit denen wir gut leben können.

 

Full Circle

 

Gottesdienst in China

Oh prima!

Bänke wie in Deutschland

Leute aus Neuseeland

Lieder aus dem Ami-Land

Und 1000 Anderes, das ich toll fand :)

 

Es waren soweit ich weiß nicht wirklich Leute aus Neuseeland dort (das reimt sich nur so schön), jedoch welche aus allen anderen Ecken dieser kugelförmigen Erde. Letzten Sonntag musste Olen (ein Mitfreiwilliger) früher zur Kirche, da er am Klavier begleiten und demzufolge vorher mit dem Chor proben sollte. Jenny (eine Chinesin) und ich sind spaßeshalber mitgekommen und irgendwie genauso spontan in den Chor eingestiegen. Eine Stunde später waren die anderen Freiwilligen sehr überascht, mich plötzlich vorne in der Kirche stehen zu sehen. Diesen Sonntag sang ich ebenfalls mit, diesmal in Begleitung von Miriam.

 

Gut tat es, zu singen. Sich von der Musik tragen zu lassen. Insbesondere, weil ich einige Lieder aus Botswana kannte: Da kamen wundertollige Erinnerungen auf. Und heute sangen wir "This is the Day", DAS Lied schlechthin! DAS Lied das meine Gruppe der Mission EineWelt-Freiwilligen bei unserer Aussendung sechssprachig zum Besten gaben und wir vier auch hier öfters anstimmen! Gott ist derselbe, ob ich nun in Botswana, Deutschland oder China bin.

 

 

So, das war's erst einmal von mir. Kommentiert doch 'mal, damit ich weiß, ob überhaupt irgendjemand mitliest :)

 

Grüßle,

Nadya

 
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Mo

19

Aug

2013

Kunterbuntes aus Kina

Dui bu qi, pero mein Blog ist in China gesperrt. Da ich keine Möglichkeit fand, trotzdem zuverlässig auf ihn zuzugreifen, musste ich mir erst einmal einen neuen einrichten. Wenn man nun bedenkt, dass wir sowohl ganztags unterwegs sind als auch, dass mein Laptop sich mit dem LAN-Kabel des Hotels nicht so recht anfreunden möchte, ist es verständlich, dass dies eine Weile dauerte. Tut mir Leid.

 

Also ich bin (wenn auch mit insgesamt 11 Stunden Verspätung) wohlbehütet in Nanjing angekommen.

 

Der erste Eindruck: Schwimmbad

 

Schließ die Augen und stell Dir vor, Du stehst in einem Hallenbad. Es ist laut, warm und stickig. Leider trägst Du normale Kleidung. Unter deinen Füßen spürst Du keine kühlen Fliesen, sondern heißen Asphalt. An Dir sausen nicht nur kleine Kinder vorbei, sondern auch gefühlte tausend Fahrräder, Mofas sowie Roller, die unentwegt hupen, um auf sich aufmerksam zu machen. Das ist zwar sinnvoll, da man dadurch wenigstens den Eindruck gewinnt, die Chance zu haben, rechtzeitig aus dem Weg zu springen; es ist leider auch laut.

 

Hast Du alle Eindrücke aufgesaugt? Gut! Welcome in Nanjing, China!

 

Denk daran, dass Du Dich bei diesem Wetter auch noch in einer größeren Gruppe fortbewegen musst, die Du ja nicht aus dem Auge verlieren willst! Oder weißt Du, wie Du einem Taxifahrer – solltest Du denn einen finden – auf Chinesisch die chinesische Adresse deiner Unterkunft sagst oder aufschreibst? (Ich habe übrigens für alle Fälle eine Visitenkarte mit der Adresse in meinem Portmonee und nach einer Woche hier stellt sich auch langsam ein Orientierungssinn ein...)

 

Mitten in der Nacht erreichten Amelie, Jakob und ich das Hotel, das auf einem Uni-Campus liegt. Unsere Mitfreiwilligen waren aufgeblieben und servierten uns armen, ausgehungerten, müden Menschen erst einmal Instant-Nudeln, wofür wir ihnen sehr dankbar waren :)

 

Weitere Eindrücke habe ich nun nach Überschriften geordnet, damit jeder das lesen kann, was ihn interessiert, da es doch einige geworden sind.

 

Hitze und dennoch Erkältung? Land voller Widersprüche

 

Bei der schwülen Hitze ist es natürlich eine Wohltat, Zeit in klimatisierten Innenräumen zu verbringen. Dies war uns so wichtig, dass wir in der Nacht unserer Ankunft – nach der Feststellung, dass wir unser eigenes Wohlfühltemperaturmachteil nicht ankriegen – sofort wieder runterliefen und dem armen Sicherheitstypen des Hotels unsere chinesische Fernbedienung unter die Nase hielten und (da wir ja kein Chinesisch können) einfach erwarteten, dass er uns versteht und auch noch hilft.

 

Da wir jedoch nichts erreichten, holten wir Olen zuhilfe, einen Freiwilligen, der Chinesisch spricht. Einige Wortschwälle und ein Telefonat später fuhren wir mit dem Aufzug wieder hoch und warteten gespannt. Nach einer Zeit kam ein schlaftrunkener Angestellter, starrte unsere Fernbedienung geschlagene 5 Minuten an, drückte ein paar Knöpfe, die Anlage ging natürlich auf Anhieb an, und verschwand auf ominöse Art wieder.

 

Seitdem ist das Wunderteil pausenlos in Gang, und selbst bei eingestellten 28°C schlafen wir mit Schal (wegen der Kälte) und Ohropax (wegen der Lautstärke). Dennoch haben sich schon einige Erkältungen eingefangen. Bisher blieb ich glücklicherweise davor verschont.

 

Peace, dude!

 

Als wir am nächsten Morgen unten in der Lobby auf alle warteten, kam eine Chinesin auf uns zu und fragte zaghaft: "Sorry, do you think I could take a picture with you?". Kaum hatte sie sich hingesetzt, neigte sie auch schon ihren Kopf leicht zur Seite und formte mit ihren Zeige- und Mittelfinger zwei Peace-Zeichen! Kaum waren einige Fotos von ihr mit uns geschossen, kam auch schon die nächste Person und setzte sich in unsere Mitte. Insgesamt wurde dieses Spektakel noch weitere sechs Mal wiederholt.

Ich fand es lustig, gleich am ersten Morgen in eine Situation zu kommen, auf die die Ehemaligen uns schon vorbereitet hatten. Ja, man wird tatsächlich gerne fotografiert. Und nein, es wird nicht immer vorher gefragt.

 

Nachmacher?

 

Am selben Tag kauften drei von uns sich neue Handys. Das Mobiltelefon, das ich besitze, erhandelten sie sich für einen Drittel des Preises, den ich ein paar Monate zuvor in Deutschland ausgab! Erst am zweiten Tag kamen wir darauf, dass sie wahrscheinlich doch nicht echt sind. Sollten es Fakes sein, sind es sehr, sehr gute. Optisch erkennt man winzige Unterschiede. Das Betriebssystem ist ebenfalls etwas anders, jedoch täuschend ähnlich. Selbst die mitgelieferte Verpackung könnte ich nicht von der meinigen unterscheiden.

 

Während die drei zugange waren, lief ich etwas in dem Laden rum. Dort passierte es mir, dass ich ungewollt handelte – der Verkäufer reduzierte den Preis schlagartig um ein Drittel, als wir sagten, wir würden uns den Kauf noch überlegen und dann in ein paar Tagen wiederkommen ("Special price! But only if you buy it today."). Dabei wollte wir nur höflich sein und nicht geradeaus "Nein" sagen.

 

Ausweis, bitte!

 

Der Reisepass ist uns ein steter Begleiter. Ob beim Geld tauschen in der Bank oder beim Kaufen einer Simkarte, irgendwie muss man ihn andauernd vorzeigen und kopieren lassen. Selbst für den Museums-Besuch sollten wir ihn "für alle Fälle" einstecken.

 

Was fordern Touristen?

 

Heute stand dann der "Confucian Temple" (also ein Konfuzianischer Tempel) auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin erfuhren wir nebenbei, dass dort heute gar kein Tempel mehr steht. Hmm, okay. Ich persönlich erwartete also wenigstens eine Tempel-Anlage oder ein paar Ruinen. Tja, nix da, Pustekuchen! Man lief durch ein riesiges Tor, wohinter sich ein Einkaufszentrum verbarg! Wir schauten also etwas ungläubig auf Häagen Dazs, KFC und unzählige Geschäfte.

 

Karten-Kaos?

 

Ja, ich weiß, Neologismus. Nur falls jemand mich auf Rechtschreibfehler hinweisen will ;)

 

Zu acht in der Lobby, dank Zusatzregeln wild mit UNO-Karten um uns schmeißend beziehungsweise weitergebend, dazwischenwerfend, draufhauend, Farben auf Chinesisch sagend, Strafkarten ziehen müssend wenn man Deutsch spricht und noch vieles mehr, dauerte es nicht lange, bis einige Chinesen sich näher trauten um dieses Spektakel zu begutachten.

Es ist wohl ungewöhnlich, mit so vielen Leuten gleichzeitig zu spielen, und unsere Zusatzregeln machten es nicht gerade einfacher, dieses eigentlich wirklich nicht komplexe Spiel zu durchblicken. Auf jeden Fall hatte jeder seinen Spaß: Wir beim Spielen, sie beim Zugucken.

 

Austausch? Austausch!

 

Hier gibt es eine chinesische Studentin, die viel mit uns unternimmt. Einmal brachte sie auch eine Freundin mit. Es ist interessant, sich gegenseitig über verschiedene Themen auszutauschen, also beispielsweise über die Bedeutung von Familie in Deutschland und China oder über die Frage, ob die Deutschen immer so schnell laufen (das war ein für uns normales Lauftempo!).

 

Modernes Bahnfahren

 

Das U-Bahnsystem hier ist moderner als im Rhein-Main-Gebiet. Mithilfe von Tokens wird sichergestellt, dass keiner schwarz fährt oder zu wenig zahlt; security checks wie am Flughafen gibt es auch sowie Absperrungen vor den Gleisen mit Glastüren, die nur aufgehen, wenn eine Bahn kommt.

 

Was ich jetzt mache

 

Insgesamt bin ich also fast drei Wochen in Nanjing. Von zwei Wochen "Summer Training Programm" ist jetzt schon eine rum. Morgens besuchen wir einen Sprachkurs, nachmittags hören wir verschiedene Vorträge beziehungsweise probieren unsere Unterrichtskünste an Schülern aus. Wenn man bedenkt, dass wir uns auch komplett selbst verpflegen müssen, wird klar, dass nicht viel Zeit zum Chinesisch lernen, Unterricht vorbereiten oder einfach 'mal entspannen übrig bleibt. Dennoch haben wir unseren Spaß :-)

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Do

08

Aug

2013

Pilot gesucht

So, vor drei Stunden landeten wir sicher in Hong Kong. Nicht verwunderlich, eigentlich. Oder? Doch, irgendwie schon. Gestern früh um 4 Uhr morgens raus, auf dem Weg zum Flughafen die sms, die einiges verändern sollte: Flug ist verspätet. Nicht um eine Stunde, oder zwei; nein: gleich um satte siebeneinhalb! Wieso? Pilot krank. Während also ein neuer Pilot eingeflogen wurde, hieß es: Zeit toschlagen.

 

Wir drei – ich bin mit zwei Mitfreiwilligen, Amelie und Jakob, unterwegs – machten uns also einen schönen Tag. Ligretto spielen, durch den Regen laufen, mit Kindersekt anstoßen, Magnetschwebebahn fahren und 150€ an Essensgutscheinen verprasseln inklusive ;) Nach einem schnellen Abstecher bei Burger King boardeten wir den Flieger mit einer vollen Burger-und-Pommes-Tüte. Erstens wäre es schade um den nicht verbrauchten Gutschein gewesen, zweitens weiß man nie, woher die nächste Mahlzeit kommt und inweifern sie einem mundet. Schlimm fanden wie es also überhaupt nicht, dass der arme Pilot krank wurde.

 

Der Flug verlief reibungslos. Hong Kong bzw. deren Umgebung von oben zu sehen, war sehr beeindruckend. Aneinander gereihte Hochhäuser, unzählige Miniatur-Inseln, das Straßennetz mit teilweise drei Fahrbahnen übereinander, dadrüber Wolken wie Zuckerwatte...

 

In anderthalb Stunden geht es dann mit dem nächsten Flieger weiter nach Nanjing, wo unser Vorbereitungsseminar stattfindet und wir zudem auf die anderen Freiwilligen treffen. Es bleibt spannend!

 

Übrigens "Danke" an alle, die sich gestern bei mir meldeten, um mir alles Gute zum Geburtstag oder für das kommende Jahr zu wünschen. Es tut gut zu wissen, dass Leute an mich denken :)

 

Nachtrag: Gerade die Nachricht bekommen, dass sich unser Flug um eine Stunde nach hinten verschiebt. Es bleibt also noch spannender als ohnehin schon!

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Fr

12

Jul

2013

欢迎 - Willkommen!

Ich freue mich, dass Du den Weg hierher gefunden hast :)

 

Ein Blog. Wozu? Wenn man doch schon Rundbriefe und Zwischenberichte anfertigt und eigentlich sowieso voneinander hört? Tja. Weil ich vermute, dass man eher 'mal schnell auf einen Blog geht, als im ständigen E-Mail-Kontakt mit mir zu bleiben. Außerdem kann ich hier zwischendurch immer 'mal wieder ein paar Anekdoten mit Euch teilen. Dann muss ich diese nicht für jeden wieder neu aufschreiben... Mir ist jedoch sehr wichtig, dass ich nicht nur in die große Leere des Internets hineinposte. Auf Dauer macht es einfach keinen Spaß, vor sich hin zu schreiben, ohne Rückmeldungen zu bekommen. Deswegen folgende Bitte(n):

 

Kommentiert meine Einträge! Dies geht ganz einfach unter dem jeweiligen Post. Worüber würdet ihr gerne mehr erfahren? Was fandet ihr lustig, was scheußlich? Womit könnt ihr etwas anfangen, was erscheint euch fremd? Was habe ich eures Erachtens nicht genug reflektiert? Eure Kommentare kann übrigens jeder lesen.

 

Und:

 

Wenn ihr nur mir etwas mitteilen wollt, dürft ihr mich auch gerne eine private Nachricht schreiben. Das geht ganz einfach: Nutzt einfach das Kontaktformular unten in der rechten Seitenleiste. Eure E-Mail-Adresse müsst ihr eingeben, damit ich Euch auch antworten kann. Ich erwidere jede Ernst gemeinte Nachricht, sofern die Zeit es zulässt - versprochen.

 

Bitte tut dies ganz zwanglos. Wenn ihr auch gerne einfach still mitliest, ist das ebenfalls vollkommen in Ordnung.

 

Verweisen tu ich des Weiteren auf die Tabs oben, also auf den Prolog und das Impressum.

 

So, das war's dann erst 'mal von mir. Der nächste Eintrag folgt wahrscheinlich erst, wenn ich tatsächlich in China bin - also irgendwann im August.

 

Macht's gut,

Nadya

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Fr

09

Jan

2015

Nur weg von hier!?

Hast Du Lust "akademisches Lernen" kurzfristig über Bord zu schmeißen, Dich auf unbekannte Sprachen und Verhaltensweisen einzulassen und von Anderen zu lernen?


Hast Du Lust, Deine Grenzen zu erweitern?


Hast Du Lust ein Lerndienst im Ausland zu absolvieren?


Meine Entsendeorganisation, Mission EineWelt, hat im IEF-Programm von 2015/16 noch freie Stellen in China (!), Papua-Neuguinea, Tansania, Fidschi, Argentinien sowie Costa Rica!


Detaillierte Informationen gibt es hier: Freiwilligenstellen in Übersee.

 

Ich beantworte selbstverständlich gerne auftretende Fragen :-)


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Di

16

Sep

2014

"Wie war's?"

Liebes Deutschland,


ich habe dich gern. Ich habe dich vermisst, als ich so weit weg war. Ich liebe deine Sauberkeit, deine Pünktlichkeit, dass du meine Muttersprache sprichst, dass nicht immer um den heißen Brei herumgeredet wird. Ich liebe es, eine von Vielen sein zu können, wenn ich es will. Ich liebe deine Ruhe. Ich liebe es, Vieles selber tun zu können und nicht immer Hilfe zu benötigen.


Aber manchmal bist du mir einfach ein Bisschen zu sauber, zu pünktlich und zu transparent. Ich vermisse es, eine Straße entlang zu laufen und Ausschau zu halten nach Zeichen, die ich schon lesen kann. Hier verstehe ich alle Schilder, alle Gespräche, alles. Das ist langweilig, aber auch anstrengend. Plötzlich muss ich lernen, fremde Gespräche auszufiltern. Plötzlich bin ich nur einer von Vielen, ich bin angreifbar. Bin nicht mehr geschützt, kann Unwissenheit und Fettnäpfchen getrete nicht auf ein Ausländerdasein zurückführen. Muss plötzlich alles selber tun, kriege keine Hilfestellung.


Du bist mir zu ruhig, liebes Deutschland. Wieso tanzt keiner auf der Straße, wieso spielt keiner auf dem Bürgersteig Federball? Wieso stehen vor meiner Haustür keine zehn Elektroroller, deren Alarmanlagen ständig losgehen? Du bist mir zu perfekt. Jede Hecke perfekt geschnitten. Kleinbürgerlich. Es funktioniert alles, keine Frage. Aber wo bleibt die Improvisation, das Spontane, das Zusammengeflickte, das Fremde, das Nudel-Geschlürfe, die Handy-Gespräche über Lautsprecher?


Vielleicht ist aber auch das Fremde in der Ferne mir so selbstverständlich geworden, dass mir das Bekannte in Deutschland fremd vorkommt?


Liebes Deutschland, bitte frag mich nicht: "Wie war's?" Ernsthaft, was erwartest Du für eine Antwort? Wie viel Zeit hast Du, wie viel Interesse bringst Du mit? Meine Antwort auf so eine Frage lässt sich nicht auf zwei Sätze reduzieren, geschweige denn ein Wort. Ob ich nun "super!", "unglaublich!", "ganz anders" oder "Schwierig, aber trotzdem eine wahnsinnige Erfahrung, ich bin froh, es getan zu haben" von mir gebe – ich werde dem Gefühl in mir nicht gerecht.


Dem Gefühl, das mir sagt: So spontan und unbeholfen wie mein Gegenüber mich anschaut, so schwammig wie die Frage gestellt wurde, genauso unbeholfen und schwammig ist meine Antwort.

Erfahrungen lassen sich nicht in Worte fassen. Nicht so, auf dem Sprung. Bringt nichts. Vertreibt nur kurzfristig das Gefühl, etwas small talk betrieben zu haben und höflich gewesen zu sein.


Liebes Deutschland, wenn Du wirklich wirklich für mich interessierst, dann stell mir bitte konkrete Fragen. Was schwierig war, was toll war, was ich für Kollegen oder Schüler hatte, was ich aß, was ich in meiner Freizeit tat, wo ich hingereist bin, ob ich krank war. Welche Sprache ich versuchte, zu lernen (übrigens: Mandarin). Bitte versuch nicht, Chinesisch zu sprechen. Nein, ich kann Dir nicht sagen, was "shing shang shong" heißt.


Ich erwarte nicht, dass Du viel über mein Jahr weißt. Aber ich erwarte, dass Du offen fragst, statt einfach anzunehmen. Ich erwarte, dass Du ehrlich zu mir bist, so wie ich auch zu Dir ehrlich sein möchte. Vorausgesetzt, du möchtest mit mir über mein Jahr reden. Wenn nicht, ist das auch okay. Ich mache nur ungern halbe Sachen, also entweder Du interessierst Dich wirklich oder Du lässt die Fragen ganz bleiben. Von mir aus muss ich nicht über China reden. Dankeschön!


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Mo

01

Sep

2014

Der Blick nach vorn

Im August war ich dreimal mit drei verschiedenen Personenkonstellationen "weg". Da ich schon im Juli ausnahmslos unterwegs war, kann ich ziemlich sicher sagen: Ich bin ausgeurlaubt!


Nun bin ich in Gr-- Oe------, versinke im Verwaltungschaos (Danke, Deutschland!), schreibe hoffentlich irgendwann noch meinen Abschlussbericht, und freue mich auch auf das Rückkehrerseminar meiner Organisation nächste Woche. Dort werde ich Freunde treffen, mit denen ich in China war, aber auch andere Freiwillige, die an anderen Ecken der Welt verstreut waren. Hoffentlich wird es ein runder Abschluss meines Auslandsjahres!


Im Oktober werde ich dann mein Pharmazie-Studium in Marburg aufnehmen.


Dankeschön, liebe Leser. Für's Lesen, für's Kommentieren, für Euer/Ihr Interesse, für's Gebet.


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Di

29

Jul

2014

Alles hat ein Ende

Gereist sind wir. Von Jiayuguan nach Xi'An, von Xi'An nach Nanjing und von dort weiter nach Qingdao, Beijing, Xiamen, Suzhou und Shanghai, bevor es endgültig zurück nach Nanjing ging. Wir haben uns Städte angeschaut, Bekanntschaften geknüpft, Souvenirs erhandelt, "echten" Kaffee getrunken und und und. Ich habe indigniert versucht, Leuten klarzumachen, dass ich etwas Chinesisch spreche – hat wohl keiner erwartet. Ich habe frustriert feststellen müssen, dass Mandarin eben nicht gleich Mandarin ist und ich u.U. Leute in einer anderen Region gar nicht verstehe.

 

Zurück in Nanjing laufen wir durch die Gassen in der Nähe des Büros unserer Organisation, wo wir vor einem Jahr unser Vorbereitungsseminar hatten. Wir essen beim Koreaner, kaufen Reis-Baozi, gehen in den Supermarkt, bestaunen die Technik-Halle. Zur Kirche schaffen wir es nicht, es regnet und ich bin erkältet. "Weißt Du noch, …?" - "Ja." Ein merkwürdiges Gefühl beschleicht mich, das Gefühl des Zuhause seins – zumindest ein Stück weit.

 

Ich denke darüber nach, was mich vor einem Jahr beschäftigte. In Nanjing ging es damals los und in Nanjing geht auch mein Jahr nun zuende. Ich bin nicht die, die ich damals war. Natürlich nicht. Ich habe mich weiterentwickelt. Aber natürlich bin ich ich geblieben. In meinem Motivationsschreiben für meine Entsendeorganisation bat ich im April 2013 um die Chance, einen Teil meines Herzens an China und Chinas Leute zu verschenken. Ich habe diese Chance genutzt.

 

Das Jahr war gewiss nicht einfach und ich freue mich auch auf Deutschland. Aber ich habe viel erlebt, was ich vermissen werde: Gewisse Denkmuster, Handlungsweisen, berührende Momente mit einzelnen Personen, eine fremde Sprache, und das Gefühl doch ein ganz klein Bisschen erreicht zu haben. Und wenn die Schüler nicht viel Englisch lernten, dann habe ich doch den einen oder anderen im Herzen berühren und anstupsen dürfen. Mich hat in dem Jahr jedenfalls Vieles angestupst, manches sogar durchgerüttelt.

 

Nun sitze ich am Flughafen. In Deutschland wartet viel Bekanntes auf mich, aber auch mindestens so viel Unbekanntes. Meine Flügel sind gespreizt!

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Mo

30

Jun

2014

Kollegen, Freunde, Geschwister

Amity-Freiwilligenjahrgang 2013/14: Gansu
Amity-Freiwilligenjahrgang 2013/14: Gansu

 

Marked

 

Sometimes it was funny,

Sometimes it was tough.

Sometimes it was very, very rough.

Sometimes we laughed,

Sometimes we cried.

Boring was it (n)ever.

We made it through,

Made it to the end.

Together:

Sometimes more,

Sometimes less.

Together,

We look at the past.

One by one,

We face the future.

 

- NDS

 

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Sa

28

Jun

2014

Und weiter geht's

Fotos machen und hochladen (-> oben "照片" anklicken). Briefe verteilen. Schüler drücken. Briefe empfangen. Sagen: "Don't look sad!" Endlich zur Mauer gehen, bevor es zu spät ist. Kino. Essen. Schlafen. Aufwachen und nicht wissen, in welchem Land, in welcher Wohnung ich bin. Vergessen. Flüge (um)buchen. Jugendherbergen ausfindig machen. Eh nicht wissen, wo mir der Kopf steht. Tschüss sagen. Mich Mitte nächster Woche wieder auf die Reise begeben. (Un)metaphorisch. Computer-los. Die Chance ergreifen und vorwärts gehen. Am 30.7 heißt es vorerst endgültig "Hallo Deutschland". Gespannt sein, auf das was kommt: in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten.

 

Reiseroute
Reiseroute
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Mo

23

Jun

2014

...und die letzte Unterrichtswoche bricht an

Montagmorgen, 1. Stunde. Lehrerzimmer. Ich, eine weitere Lehrerin, ein Schüler und seine Mutter sind anwesend, außerdem eine zweite Schülerin, die am PC sitzt und die Vokabeln für ihren Kurs abtippt.

 

Die Lehrerin sitzt an ihrem Schreibtisch. Vor ihr der Schüler. Sie redet eindringlich auf ihn ein. Sein Kopf ist gesenkt, er schweigt – auch wenn ihm rhetorische Fragen gestellt werden. Seine Mutter steht dahinter, mit dem Rücken zu ihm. Ich höre ein Schniefen und vernehme, dass sie weint.

 

Die Lehrerin steht auf. Ich höre einen dumpfen Schlag. Dann eine Ohrfeige. Sie redet weiter. Ich starre weiter auf meinen PC, gucke mich nicht um, erspare dem Schüler und seine Mutter diese Pein. Die Vokabeln abtippende Schülerin rührt sich ebenfalls nicht. Irgendwann ist es dann auch vorbei.

 

Ich weiß nicht, was vorgefallen ist. Ob der Schüler in irgendwelchen Klausuren schlecht abschnitt, ob er seine Hausaufgaben nicht machte, mit seinem Handy im Unterricht erwischt wurde, den Unterricht störte, zu spät kam, und/oder ...

 

Dieser Vorfall ist kein Einzelfall. Wenn so die neue Woche beginnt, … es tut mir weh. Es ist meine letzte Woche, für mich ist es bald vorbei. Allerdings betrifft mich das Ganze eh nur peripher: Es sind meine Schüler, die so diszipliniert werden und es sind meine Kollegen, die so disziplinieren. Ich werde und wurde nicht so diszipliniert und es wird auch nicht erwartet, dass ich mich auf die Art und Weise bemühe, durchzugreifen.

 

Ich bin bald weg, aber meine Schüler bleiben und meine Kollegen bleiben. Was soll sich denn schon ändern? Schlagen ist verboten, sagt Peking.

 

Peking hat mir in der Vergangenheit schon befohlen, wieder bis 17:50 im Lehrerzimmer zu verweilen statt früher gehen zu dürfen. Peking hat mir auch schon verboten, BesucherInnen bei mir übernachten zu lassen.

 

Wieso kriegt Peking es dann nicht hin, etwas m.E. viel Wichtigeres durchzusetzen? Weil Peking 1600km weit weg ist und weil es (wider erwarten!) nicht von heute auf morgen ein Umdenken erwirken kann. Sonst traue ich Peking ja so einiges zu...

 

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Mi

18

Jun

2014

Kurzurlaub: 夏河

Alle im nachfolgenden Text abgekürzte Wörter beziehen sich auf das Dach der Welt und auf den Ort, für den Ausländer eine besondere Einreisegenehmigung neben dem chinesischen Visum benötigen; auf den (Nicht-)Teil Chinas, in dem man die einheimische Bevölkerung besser nicht als Chinesisch bezeichnet und auf die T-Shirts mit dem Aufdruck "Free T---t", die man besser nicht dort trägt, wo ich gerade wohne.

 

Während an meiner Schule die Neuntklässler ihre Abschlussklausuren (中考 = zhōngkăo) schrieben, die Achtklässler zuhause saßen und büffelten, weil sie heute Biologie und Erdkunde schreiben und die Siebtklässler … nunja, frei hatten … fuhr ich mit zwei anderen Freiwilligen, Olen und Caspar, weg. Wir waren in 夏河 (Xiahe).

 

Xiahe ist eine Klosterstadt und bedeutender Pilgerort für t--------e Buddhisten. Sie gehörte früher zur t---------n Provinz Amado, ist jedoch heute Teil der chinesischen Provinz, in der ich lebe (Gansu). In Xiahe wohnen also viele T-----r (die Anhänger des t---------n Buddhismus sind), aber auch Han-Chinesen und Hui-Chinesen (letztere sind meist Muslime). Die Straßenschilder waren zwei- bis dreisprachig: oben T-----sch, in der Mitte Mandarin, manchmal unten noch pinyin (lateinische Buchstaben, deren Aussprache dem T-----sch entsprach und nicht dem Mandarin).

 

Das Straßenbild wurde dominiert von Taxis, Mönchen an ihren Handys (meist iPhones, kurioserweise) sowie Pilgern, aber auch t---------n Familien mit Frauen und Kindern, die um das Kloster herum leben. Im Kloster selber kommen nur Mönche unter. Auf einer Strecke von ca. 3km reiht sich eine hölzerne, bunt lackierte Gebetsmühle an die nächste. Am ersten Tag standen wir früh auf in der Hoffnung mitzuerleben, wie die Mönche die Mühlen drehen. Viele von ihnen waren nicht mehr unterwegs, dafür jedoch andere Teile der Dorfbevölkerung. Ansonsten haben wir uns von einem Mönchen einmal um die Anlage herumführen lassen, waren wandern und Fahrrad fahren, stellten fest, dass viele Leute kein Chinesisch konnten (sondern nur T-------sch), kauften Souvenirs und bestaunten Yaks, schlugen uns die Bäuche mit t---------n Essen voll und ließen (auch beim Fußballspiel Deutschlands gegen Portugal) einfach 'mal die Seele baumeln.

 

Da die beiden Jungs fleißig fotografierten, könnt ihr euch auf Olens Blog Bilder anschauen:

 

Mir bleiben nun noch knappe zwei Wochen in Jiuquan, bevor ich mich mit einer Mitfreiwilligen erneut auf die Reise begebe.

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Di

17

Jun

2014

加油

Vor ungefähr einer Woche fanden die Abschlussprüfungen der Zwölftklässler statt

(高考 = gaokao). Ein paar Tage später entdeckte ich folgendes Schild in der Einfahrt

einer senior middle school:

 

 

距 2015 年

高考还有

362 天

 

"362 verbleibende Tage

zu den Prüfungen 2015"

 

 

Schon jetzt beginnt der Countdown. Schon viel früher begann die Lernerei, immer gefolgt von dem Spruch "加油" - wörtlich "Öl hinzufügen", im übertragenen Sinne "Weitermachen!".

 

Wenn ich dieses Schild sehe, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Es verdeutlicht mir, wie viel Druck auf chinesischen Schülern lastet und erinnert mich daran, wie wenig ich im Endeffekt für meine Abiturklausuren lernte und dennoch gut weg kam.

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Fr

13

Jun

2014

Vorwärts

Ich freue mich, bald weg zu sein und dennoch zerreisst mich der Gedanke, dass ich nicht zurückkehre.

 

Strample vorwärts

  • in ein Land, das ich kenne, mir aber doch fremd ist.
  • in ein Land, das meins, aber nicht mein einziges ist.
  • in Gleichheit unter Vielfalt; die Vielfalt unter Gleichen seiend dem Rücken zukehrend

und weiß: Es ist keine endliche Entscheidung.

 

Erfahrungen mitnehmend sage ich: Welt, ich komme wieder.

 

 

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Do

05

Jun

2014

Ihr seid gefragt!

Liebe Blogleser,

 

mein dritter Rundbrief ist seit geraumer Zeit fertig. Ich werde ihn aber erst hochladen, wenn meine Entsende-Organisation ihn abgesegnet und an meiner Unterstützer versandt hat. Gedanklich bin ich schon beim vierten Rundbrief angelangt

 

  • Alle Chinesen essen Reis?
  • Reis wird mit Stäbchen gegessen?
  • An jeder Straßenecke gibt es Raubkopien von DVDs zu kaufen?
  • Alles wird gefälscht?

 

Wenn jemand das Wort "China" erwähnt, woran denkt ihr dann? Was für ein Bild hat sich bei Euch - ohne jemals in diesem Land gewesen zu sein - manifestiert? Was habt ihr für "Vorurteile"?

 

Schreibt sie mir doch bitte!

 

Ich versuche anschließend, daraus meinen letzten Rundbrief zu kreieren. Aufzuzeigen, was stimmt und was nicht, aber auch zuzugeben, wovon ich keine Ahnung habe.

 

Herzliche Grüße

Nadya

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Mo

26

Mai

2014

Ausblick

Bis zum 30. Juni unterrichte ich theoretisch noch. Theoretisch, weil es praktisch sein kann, dass meine Stunden schon vorher von Hauptfachlehrern übernommen werden, um noch mehr Jahresendklausurvorbereitung betreiben zu können als ohnehin schon.

 

Im Anschluss reise ich mit einer Freiwilligen und Freundin noch vier Wochen lang durch Ostchina, bevor ich vorerst endgültig in den Flieger steige und am 30. Juli morgens in Frankfurt/Main lande.

 

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Mo

26

Mai

2014

Die Welt steht kopf

oder: Wenn sich Besuch ankündigt

Wie jeden Montagmorgen um 7:50 falle ich kurz vor knapp durch das Schultor und stelle mich zu den anderen Lehrern, die gelangweilt warten, dass die flag raising ceremony beginnt. Ein paar Schüler putzen, ein paar Schüler rennen um den Sportplatz, viele Klassen stellen sich schon auf. Ein gewöhnlicher Montagmorgen eben. Bis eine ungewöhnliche Ansage ins Mikro gebellt wird, woraufhin alle Schüler auf Kommando den Sportplatz verlassen und in ihre Klassenzimmer gehen!

 

"What is going on?" "Today some leaders (Beamte) from the Gansu department of education (Bildungsministerium der Provinz Gansu) will come. So, the students have to clean the whole school."

 

Im Laufe des Vormittages geschieht fast nichts. Eine Schülerin bittet mich lediglich um den Schlüssel zu dem Klassenraum, in dem ich immer meine Englisch-AG halte, um ihn zu putzen. Gegen zehn frage ich, wann die leaders denn nun kommen. Irgendwann morgens, die Uhrzeit wisse man nicht so genau. Nun gut. In meiner Unterrichtsstunde bleibt jedoch alles ruhig.

 

In meiner ersten Nachmittagsstunde schauen regelmäßig der Stufenkoordinator und die Englischlehrerin herein, um die Schüler zur Ruhe zu ermahnen. Ich versuche, zu protestieren: + "But they are playing a board game. They have to talk!" - "Shhhhhhhhhhhh...." + "Okay, class, talk quietly."

 

In der zweiten Nachmittagsstunde schauen in den ersten fünfundzwanzig Minuten jetzt die Klassenlehrerin, wieder der Stufenkoordinator sowie zwei weitere Lehrer regelmäßig in das Klassenzimmer hinein und geben Anweisungen von sich. Die Klasse wird kurzzeitig leise, dann jedoch wieder lauter, da sie – wie oben erwähnt – in Kleingruppen spielen und miteinander reden. Irgendwann kommt eine der englischen Sprache fähigen Lehrerin hinein und sagt mir: "They have to be quiet in case leaders come in and look at the class. Tell them to do homework!" Ich beende also Half über Kopf mein Würfelspiel und ermahne sie energisch, Hausaufgaben zu machen: "Give me your paper and the dice! NOW! Keep quiet! Do homework! QUICKLY!" So viel zum Lernziel "Im Unterricht werden keine Hausaufgaben gemacht"...

 

Stehe also gelangweilt und ratlos vorne während der eine mit Mathe beschäftigt ist, der andere mit Geschichte und der dritte wiederum mit Physik. "Just keep quiet! Work!" Irgendwann beginne ich, mich an der Tafel mit Geometrie und Chemie zu beschäftigen. In verschiedenen Farben und auf Englisch (CO2 = carbon dioxide), damit es wenigstens so aussieht, als hätten wir in der Stunde inhaltlich etwas erarbeitet.

 

Eine Minute vor Ende der Stunde lugt die Klassenlehrerin erneut rein und teilt mir mit, dass ich den eh nicht stattfindenden Unterricht noch nicht beenden darf, da die leaders ein paar Räume weiter eine Konferenz haben und es im Flur leise bleiben muss. "Okay, guys, 15 more minutes … Just do your homework." Irgendwann darf jeder in die wohlverdiente Pause und die Klasse atmet spürbar auf.

 

Heute bekamen meine Schule Besuch von leaders.

 

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Ob man in Deutschland die stürmische Gruppenarbeit (die nebenbei super mündliches Englisch fördert) unterbrochen und stattdessen Stillarbeit angeordnet hätte, wenn wichtiger Besuch kommt?

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Sa

24

Mai

2014

Schülermund

Ich sitze mit Freunden beim Abendessen. Mit dabei ist eine Schülerin eines anderen Freiwilligen. Irgendwie kommen wir auf meine Kindheit zu sprechen und ein Freund sagt erklärend zu der Schülerin: "Nadya grew up in Africa."

Ihre Reaktion? "If you lived in Africa ... Why are you still white?"

Die meisten Chinesen glauben, dass man schwarz wird, wenn man zu viel Sonne abbekommt.

 

Später wird sie gefragt: "At school, do you study Chinese History or World History?"

Sie antwortet "China is in the world."

 

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Mo

19

Mai

2014

Gespräche im Taxi

Eine Taxifahrt kostet meist 5 yuan (60 eurocent), gelegentlich auch etwas mehr. Ich laufe viel, fahre auch Bus, besitze eigentlich auch ein Fahrrad; nehme aber auch oft ein Taxi. Die mir gestellten Fragen wiederholen sich nach einer Weile:

 

  • Aus welchem Land kommst du?
  • Was machst du hier?
  • Wie viel verdienst du im Monat?
  • Gefällt dir China / Jiuquan?
  • Wie viele Ausländer seid ihr insgesamt?
  • Wie alt bist du?
  • Bist du verheiratet?
  • Heute morgen um x Uhr habe ich die Ausländer der y-ten Mittelschule an Ort z gefahren. Kennst du die? (Ja, aber ich weiß trotzdem nicht, was sie heute um x Uhr an Ort z wollten. Soll ich sie anrufen und fragen?)
  • Oh, ich kenne die Ausländer der a-ten Mittelschule. Die habe ich auch schon 'mal mitgenommen. Kennst du die?
  • Aber ich wohne in der Nähe der 2-ten Mittelschule. Ich bin mir sicher, dass dort drei Ausländer wohnen! (Nein, wirklich nur zwei)
  • Dich kenne ich! An Silvester habe ich dich nachts um 1 nach Hause gefahren. Erinnerst du dich an mich? (Äh, nein. Tut mir leid.)
  • Ach, du unterrichtest an der 2. Mittelschule? Kennst du den Lehrer F. L.? Das war mein Lehrer! (Hallo F. L., ich soll dir Grüße von einem mir unbekanntem Taxifahrer ausrichten, der war vor 30 Jahren dein Schüler...)

 

Mitfreiwillige dürfen gerne weitere Fragen anfügen, mir fällt vorerst nichts mehr ein.

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So

18

Mai

2014

Zuversicht

"Es ist nicht schlimm, durch eine kalte Nacht zu laufen, wenn man weiß, dass man im warmen Licht ankommt."                           (Caritas Führer)

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Do

24

Apr

2014

Begegnung in Hongkong

Ich laufe alleine die Straße entlang, als mich plötzlich ein großer Mann mit Turban anspricht:

 

T: "You are a very lucky girl."

- "Why?"

T: "You have good karma. But one man broke your heart already. Where do you come from?"

- "Uh, Germany."

T: "Oh, I am a Wahrsager. Show me your hand."

- "But I don't want to pay!"

 

Danach verlor er – oh Wunder ;) – schnell Interesse.

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Do

24

Apr

2014

Reisestatistiken (Winterferien)

Stunden in Transportmitteln

 

 

→ über 170 Stunden unterwegs auf Schienen, Rädern oder mit Flügeln in insgesamt 9 Zügen, 3 Flugzeugen, 4 Reisebussen, 2 Kleinbussen, 1 Floß, unzähligen Metros, zwei Turbojets sowie Taxen und Linienbussen

 

Nächte

 

  • im Zug: 6 (5 schlafend, 1 sitzend)
  • in einer Jugendherberge: Chengdu (3), Kunming (4+1), Jinghong (3), Dali (1), Lijiang (4), Tigersprungschlucht (1), Guilin (1+1), Reisterrassen (1), Xingping (2) = 22
  • in einem Hotel: Lanzhou (4)(1) = 5
  • in einem Kinderzimmer: Hongkong (8) = 8

 

41 Nächte in 20 verschiedenen Schlafgemachen

 

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Do

24

Apr

2014

Der Himmel ist gelb!

Gestern Abend wütete ein Sandsturm. Da ich draußen unterwegs war, waren Augen und Zähne im Anschluss sandig. Verständlich. Das aber die Wohnung ebenfalls sandig ist erklärt sich nur dadurch, dass unserer Fenster eben nicht luftdicht schließen.

 

Auch heute liegt noch ein graulicher Schleier über der Stadt, der eben nicht Smog ist. Die Straßen und Gehwege wirken wie ausgestorben, keiner ist freiwillig draußen.

 

Und die Schüler, die gestern den kompletten Sportplatz für das kommende Sportfest putzten? Die freuen sich! Die durften nämlich heute gleich noch 'mal ran.

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Do

17

Apr

2014

"Teacher, I'm sick"

Vor Unterrichtsbeginn wecke ich einen schlafenden Jungen sanft und bitte ihn, ein Heft herauszuholen. Ein paar Minuten später sehe ich, dass sein Kopf schon wieder auf der Tischplatte gelandet ist und er mir einen Zettel geschrieben hat:

 

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Mi

16

Apr

2014

Bauvorschriften

Eine Kollegin und ich kommen ins Gespräch. Wir beschweren uns darüber, dass unser Büro im sechsten und höchsten Stockwerk des Gebäudes ist und ich sage ihr, dass die Schule ruhig die jüngeren, fitteren Schüler hier oben einquartieren und uns den ersten Stock überlassen könnte (der chinesische erste Stock entspricht dem deutschen Erdgeschoss, allerdings führen auch schon Stufen in unser Gebäude herein). Ihre Antwort: "No, that's not possible. It is too dangerous for the students. In China, students are only allowed to be on the first five floors".

 

Wieso unser Gebäude sechs Stockwerke hat? Ab sieben Stockwerken ist man verpflichtet, einen Aufzug zu einzubauen …

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Di

15

Apr

2014

Stundenpensum eines chinesischen Lehrers

  • Die Zeit vor der ersten Stunde, also von 7:50 bis 8:20, heißt offiziell wohl "self study time". Allerdings habe ich noch nie erlebt, dass währendessen kein Lehrer anwesend ist. Meist patroulliert einer, geübt werden dann beispielsweise Vokabeln oder Englischtexte.
  • Ein Lehrer unterrichtet grundsätzlich nur ein Fach (in diesem Beispiel Englisch).
  • Ein Lehrer unterrichtet zwei Klassen derselben Stufe und zwar drei Jahre lang, also an einer unteren Mittelschule von der 7. bis zur 9. Klasse. (In diesem Fall unterrichtet der Lehrer die Klassen 2 und 3 der achten Stufe.)
  • Von 7:50 bis 11:50 und von 14:50 bis 17:50, also während der grau hinterlegten Fehldern, herrscht Präsenzpflicht im Lehrerzimmer. In dieser Zeit wird Essen geteilt, werden Schuhe geputzt und Augenbrauen gekämmt, Serien geguckt, Sport betrieben, aber auch Stapel über Stapel an Heften korrigieren und Schüler zurechtgewiesen. Grundsätzlich wird in meinem Lehrerzimmer fast pausenlos korrigiert, da meine Kollegen täglich die Hausaufgabenhefte, Diktathefte, Hefte für den Unterricht und wasweißichnochwasfürHefte einsammeln lassen.
  • Die Mittagspause ist drei Stunden lang. In dieser Zeit gehen sowohl Schüler als auch Lehrer nach Hause, meist wird dort gegessen und/oder geschlafen. Allerdings machen viele Schüler auch Hausaufgaben. Es kommt nämlich nicht selten vor, dass ihnen morgens etwas aufgegeben wird, was sie nachmittags abgeben mussen.
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Fr

11

Apr

2014

Amüsantes aus dem Lehrerzimmer

Unlust

Ein Lehrer singt vor sich hin, während er seine Bücher zusammensucht. Ich vernehme, wie er eine Zeile zum Lied hinzudichtet: "不想去上课" (Ich will nicht zum Unterricht).

 

Übung macht den Meister

Am Nachmittag, das Lehrerzimmer ist bis auf ihn vollzählig, betritt er den Raum und ruft ein "Konnichiwa!" (こんにちは!) in die Runde. Japanish? Wieso spricht er Japanish? Bisher sind mir ausnahmlos Chinesen begegnet, die Japan hassen. Er setzt sich, zückt sein Handy und murmelt vor sich hin: "Ma mi mu me mo". Herausfordernd guckt er zu mir herüber.

 

Ich reagiere erst 'mal nicht. "Ba bi bu be bo. Na ni nu ne no."

Dann doch. "Okay, WHAT are you doing?"

"I am practicing the Japanese tones. I used to know a bit of Japanese."

Hinter mir höre ich eine weitere Lehrerin ein paar fremd klingende Sätze von sich geben. Sie erläutert: "I also know some Japanese."

 

Wenn die Schule zum catwalk wird

Alle arbeiten emsig. Eine Lehrerin aus einem anderen Englischlehrerzimmer kommt herein, ohne ersichtlichen Grund. Die anderen gucken hoch und kommentieren: "新的衣服, 新的衣服". Aha! Sie hat neue Kleidung an, deswegen der Besuch! Nachdem sie einmal durchstolziert und etliche Komplimente eingeheimst hat ("好看, 好看" = gut (aus)sehen), ist sie auch wieder weg.

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So

06

Apr

2014

Papierflieger im Unterricht

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Di

01

Apr

2014

Zusammenhalt & Neologismus

Vormittagsstunde

Ein Schüler nutzt meinen Unterricht zur Konstruktion von Papierfliegern. Ich weise ihn an, mir seinen chinesischen Namen aufzuschreiben. Er schreibt etwas auf, die um ihn herum unterdrücken ein Kichern. Ich frage: "Is that your name?" - "Yes."  Ich wende mich anderen Schülern zu, halte ihnen den Namen hin (lesen kann ich ihn schließlich nicht...), frage erneut: "Is that his name?", wieder die Antwort "Yes".

Ich seufze, laufe zum Lehrerpult, lege mein Buch hin und möchte weiter unterrichten. Plötzlich rufen zwei Mädels rein: "Teacher, that's not his name!". Ich lasse sie seinen Namen aufschreiben und von zwei weiteren – der Klassensprecherin, wie sich im Nachhinein herausstellt, und ihrer Freundin – überprüfen. Vier Schüler lügen mich an, vier Schüler verpetzen sie.

Mir ist es aber auch schon passiert, dass die Klasse zusammenhielt.

 

(Die Namen weiß ich deshalb nicht, weil ich um die 500 Schüler unterrichte und jeden Schüler nur einmal die Woche sehe. Und er dann unter 50 anderen Schülern sitzt. Langsam lerne ich die englischen Namen der besseren Schüler und der Rabauken, wenn es aber um Verwarnungen geht, nutze ich weiterhin die chinesischen, da diese eindeutig einer Person zuzuordnen sind.)

 

Gespräch im Lehrerzimmer

Anwesend: 1 Mann, 3 Frauen. Es geht um das Wort "bromeo" (bro, brother + romeo, lover)

"Do you have a Bromeo?"

"No"

"You are my Bromeo."

"I am NOT your Bromeo."

(Gelächter)

 

Spricht man "secret" und "cigarette" Chinesisch aus, klingen sie fast gleich...

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Mi

26

Mär

2014

Handy in groß

Heute erwische ich dann einen Schüler am Tablet eines Mitschülers. Da er mir kein eigenes technisches Gerät als Ersatz bieten kann, sacke ich das Teil ein. Selbst das Argument "But he's using it to learn!" zog nicht.

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Mi

26

Mär

2014

Paradoxon

"Today, I am sick. So, I won't teach you. Please do homework quietly."

(eine mir empfohlene und gängige Praxis, die im Lehrerzimmer mehr Akzeptanz findet als noch einen vierten Tag zuhause zu bleiben, da meine Kollegen in meiner Abwesenheit meine Stunden übernehmen müssen)

 

Hin und wieder ermant ein Schüler seine Klassenkameraden. Ansonsten sind sie ruhig und ... ARBEITEN. Keiner, aber auch keiner, "randaliert".

 

Wieso könnt ihr euch während ihr unterrichte nicht auch so verhalten?

Kann es tatsächlich sein, dass ihr beim Hausaufgaben machen ruhiger seid, als wenn ich vorne stehe und rede? Augenscheinlich schon.

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Mi

26

Mär

2014

Neue Rubrik: Schriftstücke

In unregelmäßigen Abständen habe ich die Ehre, sowohl für meine deutsche Entsendeorganisation als auch für die chinesische Organisation, die vor Ort für uns Freiwillige zuständig ist, Texte zu verfassen. Diese findet ihr ab jetzt, wenn ihr oben auf "Schriftstücke" klickt!

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Mi

26

Mär

2014

Todesstrafe

Am Dienstag nehme ich einer Schülerin das Handy ab. Am nächsten Morgen kommt sie in meinem Lehrerzimmer vorbei, um es abzuholen. Ich bitte sie, mir noch ihren chinesischen Namen aufzuschreiben, damit ich eine erste Verwarnung eintragen kann, und drücke ihr Zettel und Stift in die Hand.

 

Sie ist irritiert. Die Klassensprecherin, die zum Übersetzen mitgekommen ist, ebenfalls. Diese erklärt mir auf Chinesisch etwas. Ich verstehe nur, dass sie den Namen irgendwie nicht aufschreiben kann. Das sehe ich überhaupt nicht ein. Dann versucht die Vermittlerin es auf Englisch, labert etwas mit "pencil". Häh? Im nächsten Schritt schreibt sie mir etwas auf Chinesisch auf, was ich leider nicht lesen kann.

 

Schließlich fragen wir den Englischlehrer, der mir gegenüber sitzt. Er klärt mich auf: "Oh, there's been a misunderstanding! She doesn't want to write down her name in red, only in black or blue. See, in ancient times, when someone was killed by the government, they wrote his name in big red letters on a billboard for everyone to see. So, today, no-one writes down names in red letters – it means bad luck and death."

 

Oops.

Ich drücke dem Mädchen einen blauen Kugelschreiber in die Hand und entschuldige mich. Wieder etwas gelernt.

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Mi

26

Mär

2014

Plus und Minus

Ich betrete das Klassenzimmer und alle Schüler holen selbstverständlich ihr notebook und ihr name card heraus, sodass ich diese beiden Wörter gar nicht erst in den Mund nehmen muss. Es klingelt, irgendjemand brüllt "stand up!" und die Klasse grüßt mich geschlossen. Der Unterricht beginnt. Die Schüler melden sich, um etwas zu sagen, statt die Antwort einfach herauszurufen oder ihrem Nachbar zuzuflüstern beziehungsweise ganz für sich zu behalten. Keiner posaunt chinesische Wortfetzen in den Raum, sodass die ganze Klasse lacht und ich als Einzige vorne stehe und nichts verstehe. Ich muss kein einziges Mal "quiet!" rufen.

 

… Und dann wache ich auf und stelle mich der Realität. Schnief.

 

Genervt von dem Verhalten meiner Schüler, von meinem Unterricht; davon, dass ich so apathisch bin, stehe ich wartend im Schulflur. Eine Siebtklässlerin kommt aus einem Klassenzimmer herausgestürmt, rennt, bremst ein paar Meter vor mir ab, läuft näher zu mir, bleibt stehen, verbeugt sich höflich und sprintet weiter.

Ein paar Minuten später – ich bin noch an der gleichen Stelle – kommt dieselbe Schülerin wieder vorbei und verbeugt sich erneut; ungeachtet der Tatsache, dass sie spät dran ist und einen schweren Stapel Bücher in der Hand hat.

 

Ich sitze an meinem Schreibtisch und höre, wie eine Schülerin sich dem Lehrerzimmer nähert. Sie sieht, dass ich alleine bin, und fragt ganz selbstverständlich "May I come in?", statt das obligatorische "报告" (bàogào = report, reporting) von sich zu geben, mit dem alle Schüler um Erlaubnis bitten, bevor sie das Heiligtum betreten.

 

DANKE, ihr beiden.

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Do

13

Mär

2014

Schülermund

Nach dem Unterricht frage ich eine Schülerin: "Do you have a boyfriend?"

Ihre Antwort: "No! I am a student!"

 

Die Achtklässler dürfen mich ausfragen. Neben dem Erkundigen nach der Lieblingsfarbe, dem Lieblingsessen, dem Lieblingssänger oder dem Lieblingstier kommt meist auch:

"Teacher, do you married?"

"Teacher, do you have a boyfriend?"

 

"What places have you been to in China?"

Ich: "Uhmm... 丽江."

Schülerchor: "Ah, 丽江."

Wieder ich: "And ... 昆明"

Kurze Pause. Danach: "OHHHH, 昆明!"

Ich: "Yes, 昆明." und ernte wieder (oder immer noch?) verwirrte Blicke.

Häh, habt ihr das nicht selber gerade gesagt? Ich habe es doch nur noch 'mal wiederholt. Grummel. Chinesische Aussprache ist wirklich eine Sache für sich. 

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Mi

12

Mär

2014

Schule und Unterricht: Ein Überblick

Gansu, die Provinz in der ich lebe, ist eine der drei ärmsten Chinas. Jiuquan, mein Einsatzort, ist allerdings eine mittelgroße Kleinstadt. Ich mutmaße, dass die Leute hier wohlhabender sind als in noch kleineren Städten beziehungsweise Dörfern. Wer es sich leisten kann, schickt sein Kind zumindest für die letzten Schuljahre hier oder in der Nachbarstadt zur Schule. 

 

Am Anfang des Schuljahres hat es dennoch ein paar Monate gedauert, bis alle Siebtklässler in Schuluniform erschienen – Mir wurde erklärt, dass vielen Familien bis dahin das Geld fehlte. Ansonsten war Armut aber nie ein Thema. Den Schülern, die mir erzählen, sie hätten kein Geld für ein Heft (umgerechnet 12 eurocent), schenke ich wenig Glauben. Alle bis jetzt von mir eingesackten Handys waren smartphones.

 

Die chinesische Grundschule geht von der ersten bis zur sechsten Klasse. Von der siebten bis zur neunten durchlaufen alle Kinder die untere Mittelschule. Diese sind wie die Grundschule Gesamtschulen mit Einzugsgebieten.

 

Am Ende der neunten Klasse entscheidet dann eine Klausur darüber, ob bzw. welche höhere Mittelschule man besuchen darf (sind die Ergebnisse zu schlecht, muss man die Schule verlassen. Ob man dann anfängt zu arbeiten oder eine Art Ausbildungsplatz bzw. eine Stelle an einem Berufskolleg findet, sei dahingestellt.)

 

Letztes Halbjahr kamen alle zwölf siebten Klassen einmal die Woche in den Genuss meines Unterrichts, dieses Halbjahr bespaße ich die achten Klassen einer gewöhnlichen unteren Mittelschule. Die Klassengröße schwankt zwischen 48 und 58 Schülern.

 

Manche Schüler besitzen beachtenswerte Englischkenntnisse, da ihre Eltern es sich leisten können, sie am Wochenende in private Englischinstitute zu stecken. Es erstaunt mich immer wieder, dass es in der achten Klasse zahlreiche Jungs und Mädchen gibt, mit denen ich tatsächlich Unterhaltungen führen kann! Manche Schüler verstehen wiederum kaum ein Wort Englisch.

 

Zu sagen, das Niveau des durchschnittlichen Schülers sei miserabel, würde dem Sachverhalt nicht gerecht werden. Es geht in der siebten Klasse mit dem Alphabet und "Hello" los, obwohl ca. 90% der Schüler in der Grundschule schon ab der dritten Klasse Englisch haben. Wenn man im normalen Unterricht also gerade die Grußformeln lernt und parallel dazu eine Stunde die Woche hat, in der ein Ausländer einen 40 Minuten lang auf Englisch vollschwafelt und irritiert ist, weil einfache Anweisungen wie "sit down", "write it down" oder "put up your hand" nicht verstanden werden, ist klar, dass das Frustrationspotenzial auf beiden Seiten sehr hoch und der Lerneffekt wahrscheinlich eher gering ist.

 

Grundsätzlich fällt mir auf, dass der Großteil meiner Schüler einen enormen Wortschatz besitzt (und auch viele, viele Lehrbuchtexte auswendig kann) aber damit kämpft, diese Wörter richtig anzuwenden und/oder selbständig Sätze zu bilden. Allein durch meine Anwesenheit sind sie jedoch dazu gezwungen, da ich kaum Chinesisch beherrsche.

 

Liebe Frau Henner, das war der Versuch eines kurzen Überblickes. Sie haben Recht, es ist schwer, wenn man selber so tief in der Materie drinsteckt.

 

Am Ende des letzten Halbjahres musste ich für meine Schule einen Aufsatz über mündliches Englisch verfassen, den ich auch meinen Bloglesern nicht vorenthalten möchte:

Teaching Englisch – Why and How

 

Bei Fragen bitte melden!

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Mi

12

Mär

2014

Schülernamen: Ein Auszug

Im neuen Halbjahr habe ich mir es als erstes zur Aufgabe gemacht, dafür zu sorgen, dass jeder Achtklässler einen englischen Namen hat. Wenn man aber zum fünften Mal demselben Schüler sagt, er soll ein Namensschild basteln (weil er nach zwanzig Minuten immer noch keinen Finger gerührt hat), oder zum hundertsten Mal klarstellt, dass die Lautschrift des chinesischen Namens nicht als englischer Name durchgeht; dann (ver)zweifele zumindest ich leicht und frage mich, wie lange die ganze Sache sich noch hinzieht.

 

Jetzt, in der zweiten Woche, trudeln jedoch langsam mehr oder minder vollständige Namenslisten auf meinem Schreibtisch ein (ein hoch auf die grandiose Idee, die KlassensprecherInnen diese schreiben zu lassen!). Neben den obligatorischen Jacks, Toms, Tonys, Bobs, Ann(a)s, Bettys und Zoes entdecke ich dann und wann kreative Namen:

 

  • super man
  • LoL (ein Computerspiel)
  • Lincoln
  • Obama
  • Putin
  • Hitler (als ich das auf dem Namensschild sah, stellte ich schnell klar, dass er sich einen neuen Namen suchen muss)
  • Bundespräsident (In solidem ! Englisch erklärte dieser Schüler mir außerdem, er finde die Berlin Military Academy – von der ich vorher noch nie etwas gehört habe – sehr gut. Anschließend übten wir ausführlich die Aussprache seines Namens. Sehr amüsant :) )
  • good man
  • large green man
  • ATM (Wie der Bankautomat?)
  • taxi (Nein, das Namensschild gehört auf den Tisch und nicht auf den Kopf :D)
  • Wie spricht man "Aaaateocx" oder "Baekhyun" aus?
  • Sky sky (Der chinesische Vorname dieser Schülerin ist 婷婷, also auch zweimal das gleiche)
  • Brain
  • Frost
  • Punk
  • Happy, Smile, Lucky, Gold
  • Lady Gaga, Justin Bieber

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Mi

12

Mär

2014

Chinesische Weisheiten

Zitiert direkt aus dem Lehrerzimmer.

 

"The first time you sneeze, someone misses you.

The second time you sneeze, someone curses you.

The third time you sneeze, you have a cold."

(Niest du einmal, vermisst dich jemand.

Niest du zweimal, verflucht dich jemand.

Niest du dreimal, bist du erkältet.)

 

"If you have bad luck, your fart can hit your heels."

(Hast du Pech, trifft dein Pups deine Fersen.)

 

"To have bamboo in your stomach means to be confident."

(Bambus im Magen zu haben bedeutet, selbstbewusst zu sein.)

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Mi

12

Mär

2014

Schule und Machtverhältnisse

Nach der Stunde kommt ein Schüler, dessen Handy irgendwann im Laufe der letzten vierzig Minuten in meiner Hosentasche landete, ans Lehrerpult und redet auf Chinesisch auf mich ein. Ich verstehe, dass das Handy seiner Mutter gehört, aber mehr auch nicht. Und bin verwirrt, habe ich ihm doch schon zugesagt, das Handy heute ausnahmsweise nach Schulschluss wieder auszuhändigen, statt es wie angekündigt in Zukunft länger zu verwahren. Da kriegt die Mutter doch nichts mit.

 

Die Klassensprecherin versteht seine Verzweiflung jedoch und sagt zögernd "...But you will tell the head teacher, won't you? He is afraid that his mother will beat him." - Meine Antwort: "Tell him that I won't tell the head teacher this time. It's okay."

 

In meinem Kopf fügen sich allerdings einige Puzzleteile zusammen... Es scheint mir, dass normalerweise jedes Vorkommnis entweder vom Fachlehrer oder dem Klassensprecher dem head teacher (Klassenlehrer) gemeldet wird. Dieser setzt wiederum die Eltern seiner Sprösslinge über ihre Untaten in Kenntnis (sonst hätte der Schüler nicht Angst, von seiner Mutter geschlagen zu werden). 

 

Die Schüler werden also nicht nur eventuell vor der Klasse zur Schau gestellt (wurde mir auch schon als Druckmittel empfohlen) und/oder vom jeweiligen Fachlehrer bestraft, nein, Klassenlehrer und Eltern werden auch gleich mit ins Boot gezogen.

 

Es erklärt, wieso die Schüler SO zögerlich ihre Mobiltelefone rausrücken, auch wenn ich ihnen sofort mitteile, wann sie es wieder kriegen. Habe ICH das Gerät in der Hand, ist es amtlich. Bei ihnen besteht die begründete Angst, dass ich sie verpetze; sei es nun beim Englischlehrer, beim Klassenlehrer oder bei wemauchimmerderhöhergestelltistalsich. Das wäre viel schlimmer, als ein paar Stunden (oder eine Nacht) ohne Handy auskommen zu müssen.

 

Es erklärt, wieso die Schüler meine Regeln (keine Handys, keine Hausaufgaben) ziemlich uninteressant finden, bis ich zu den Konsequenzen komme: Bei drei Regelverstößen gehe ich zum Klassenlehrer. Verkünde ich das, wird es zwar nicht ruhig, aber zumindest ruhiger als vorher im Klassenzimmer. Meist gibt dann noch jemand "no, no, no" von sich. Es wirkt, vorausgesetzt, ich ziehe es durch.

 

Was steckt hinter allem? (Die Macht der) Hierarchie.

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Mo

03

Mär

2014

Der erste Unterrichtstag

ist nun vorbei und ich ziehe Bilanz:

 

  • drei Klassen
  • fünf Schüler am Handy erwischt
  • unzählige Male "quiet" gebrüllt
  • viel zu oft "notebook" und "name card" gesagt
  • und eine Stunde frühzeitig beendet.

 

Es wird ein Kampf!

 

Am Ende des zweiten Tages und zwei weiteren Stunden enthält meine Schatztruhe folgende Fundstücke:

 

  • ein Handy
  • eine Mundharmonika (nein, ich benötige nicht jedes Mal wenn ich mich umdrehe, um etwas an die Tafel zu schreiben, Begleitmusik, vielen Dank)
  • ein paar Ohrhörer (klar, auch ich stecke mir einfach so Ohrhörer in mein Ohr! Klar, ich finde es völlig plausibel, dass da kein Handy angeschlossen war.)

Nunja, da der Schüler seinen kompletten Tisch umkippte und anfing sich auszuziehen um mir zu demonstrieren, dass er kein Handy hat ... Beendete ich das Ganze ziemlich schnell indem ich mit den Ohrhörern und einem bitterbösen Blick zufrieden gab und ihm befahl, sich wieder hinzusetzen. GRR.

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Mo

24

Feb

2014

Chinetiquette

Ich bin wieder in Jiuquan! Bei Gelegenheit folgen noch ein paar Hongkong-Anekdoten. Erst einmal muss ich hier ankommen und mich sortieren.

 

Dieser zufällig entdeckte Artikel hat mich zum Schmunzeln gebracht:

http://www.welt.de/reise/nah/article125141910/Ruelpst-nicht-spuckt-nicht-redet-nicht-so-laut.html

 

Ja, ich kann Vieles - manchmal mit einem Schmunzeln, manchmal auch nicht - bestätigen ;) Essensüberreste werden hier wirklich auf das Tischtuch gespuckt und erst gestern pinkelte ein Kind von drei oder vier Jahren vor mir auf den Bürgersteig. Wie fremd mir viele Verhaltensweisen vor einem halben Jahr vorkamen, fällt mir jetzt nach 9 Tagen Hongkong wieder auf.

 

Ein Stück weit verstehe ich dann auch den "Festländer-Hass" (ja, ich bezeichne es wirklich als Hass) der Hongkong'er und das Schild, das dort gefühlt über jedem Mülleimer hing: "Spitting spreads germs". Ich würde das, was meine alltägliche Geräuschkulisse auf Schritt und Tritt bereichert aber nicht als "spucken" bezeichnen... eher als rotzen. Wieso man rotzen, sich aber nicht schnäuzen darf, ist mir heute noch ein Rätsel.

Genau das ist aber der springende Punkt: Uns kommt Urinieren in der Öffentlichkeit, lautes Reden, Schmatzen und Schlürfen unhöflich vor; Chinesen finden es wiederum befremdlich, sich die Nase zu putzen, wie es u.a. in Deutschland täglich praktiziert wird.

 

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Fr

21

Feb

2014

ReiseGedanken 3

07.02.14: Schreibwaren-Laden

Ich: "多少钱?" (Wie viel kostet das?)

Die Verkäuferin hält zwei Finger hoch.

Ich: "两块" (Zwei)

Sie nickt.

Ich: "和那个?" (Und das da?)

Sie hält sieben Finger hoch.

Ich entsetzt: "七块?" (Sieben?)

Sie beschließt kopfschüttelnd, nun doch Chinesisch mit mir zu sprechen: "两块五" (Zwei fünfzig). JETZT verstehe ich sie auch!

...An dem Gespräch merkt man, wie touristisch geprägt die Stadt ist.

 

08.02.14, ReisTERRASSEN

Als ich letzte Woche meine Wanderschuhe in ein Paket gen Jiuquan tat, war mir irgendwie nicht klar, dass folgende Rechnung kaum aufgehen kann:

Bergiges Geländer + Regen + wahlweise glatte Steinstufen oder Matsch + Chucks (löchrige Leinenschuhe ohne Profil)

Fügt man dann noch Kälte und Nebel hinzu - soll heißen, man friert, rutscht aus, saut sich ein und sieht die Reisterrassen von denen man angeblich umgeben ist eh nicht - stellt sich dem pragmatisch denkenden Teil der Menschheit unter Umständen durchaus die Frage, wieso wir überhaupt da waren. Trotz (oder vielleicht gerade wegen) aller widrigen Umstände fand ich es sehr spaßig :)

 

Infos am Rande:

 

Elektroroller werden in China nicht registriert und haben dementsprechend auch keine Nummernschilder. Konsequenterweise muss man mit ihnen offiziell auf dem Bürgersteig fahren. Einen Führerschein benötigt man auch nicht.

 

Gebäude ab 8 Stockwerken müssen in China offiziell einen Fahrstuhl besitzen. Deswegen sind die meisten Gebäude auch nur siebenstöckig...

 

11.02.14, Zugfahrt

Es ist 23:30, ich liege gemütlich in der untersten Pritsche eines Schlafzuges. Die Zähne sind geputzt, das Schlaf-Shirt ist angezogen, meine Augen fallen zu.

Kaum bin ich eingeschlafen, wache ich wieder auf, weil eine Frau mittleren Alters mir mit ihrem Handy ins Gesicht scheint und einen Wortschwall auf mich niederlässt. Energisch ist sie, und wütend. Ihren zwei Kindern befiehlt sie im Gang zu warten während sie mir klar macht, dass sie Bett Nr. 16 gebucht habe, ich also augenscheinlich in ihrem Bett liegen würde und bitteschön mein (*hust*, ihr) Schlafgemach so schnell wie möglich zu räumen habe.

Den Schock erst 'mal verdaut fällt mir halb verschlafen zum Glück ein, dass ich in Bett Nr. 15 liege, und mache ihr das auch klar. Ohne ein Wort der Entschuldigung dreht sie sich um und rütteln meine Nachbarin - die tatsächlich in Bett Nr. 16 liegt - wach. Diese wird erst einmal tüchtig ausgeschimpft. Die soeben geweckte Dame ist aber verständlicherweise auch nicht gerade glücklich, mitten in der Nacht geweckt zu werden, und reagiert ziemlich bissig. Es entfacht ein regelrechter Wortkampf.

 

"Das ist mein Bett!" - "Nein, ist es nicht. Das ist mein Bett." - "Ach ja, wo ist denn deine Fahrkarte?" - "Die hat der Schaffner!" - "Wieso hat der Schaffner die?" - "Ja weil der Schaffner immer alle Fahrkarten einsammelt.* Sag mal, bist du noch nie Zug gefahren?" - "Räumst du jetzt bitte das Bett?" - "NEIN!"

"Kinder, bleibt da bitte sitzen. Wir verstauen jetzt erst 'mal unser Gepäck, die Dame wird schon noch Platz machen. Ich hol' gleich den Schaffner."

 

Kaum hat die Frau ihr Gepäck überall verteilt - Koffer unter'm Bett, Essen auf dem Tisch, ... - kommt ein Mann und sie darf ihr Gepäck und ihre Kinder wieder einsammeln, um ohne ein Wort abzuzischen. Am nächsten Morgen sehe ich sie in Bett Nr. 17.

Wahrscheinlich hatte sie wirklich noch nicht viel Erfahrung mit Zug fahren und Wagen- mit Bettnummer verwechselt:

Wir waren in Wagen Nr. 16. Ich lag in Wagen Nr. 16, Bett Nr. 15 und die mir gegenüber, die angegriffen wurde, eben in Wagen Nr. 16 Bett Nr. 16. Die Dame, die nachts mit Gepäck und Kindern kam, hatte wohl Wagen Nr. 16, aber Bett Nr. 17.

 

*Ja, der Schaffner sammelt tatsächlich die Fahrkarten ein. Im Gegenzug erhält man eine Plastikkarte. Dadurch behält er immer den Überblick darüber, welche Betten belegt sind. Außerdem steht auf den Fahrkarten drauf, an welchem Ort man aussteigt, sodass der Schaffner vor jeder Haltestelle rumläuft, die entsprechenden Fahrkarten wieder aushändigt und den Leuten eben mitteilt, dass sie demnächst aussteigen müssen. Fährt man also über Nacht, wird man sogar vom Schaffner geweckt :)

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Fr

07

Feb

2014

ReiseGedanken 2

03.02.14

In der Tigersprungschlucht bringt mir eine deutsche Studentin, die in Deutschland nicht einmal in Hessen wohnt, den hessischen Begriff fuer Wolldecke bei: Kolter.

 

Der Sonnenbrand im Nacken findet leider keinen Gefallen am Trageriemen meines Wanderrucksackes. Aua.

 

Im Zug gibt es SITZklos. Hier sind eigentlich Hockklos die Regel.

 

04.02.14

"Nein, du darfst das Waschmittel nicht bei mir im kleinen Laden am Strassenrand kaufen! Geh zu Walmart, dort ist es billiger!"

Aber der ist doch weit weg und ich moechte jetzt Waesche waschen.

 

Walmart-Besuch: Kinder bueno laesst mein Herz schneller schlagen.

 

05.02.14

Eine Zugangestellte steckt in Begleitung eines Polizisten ihren Kopf in unsere Kabine: "Excuse me, take care of your cabbage." (Gemeint ist natuerlich baggage). Wir erwidern "Yes, thank you", sie dreht sich zum Polizisten und sagt "他们知道" (Sie wissen Bescheid).

Als wuerde der Polizist nicht schon seit Stunden staendig vorbeilaufen, als haette er nicht schon meinen Mittagsschlaf gestoert um mir das Handy einer Mitreisenden in die Hand zu druecken, das oeffentlich auf dem Tisch gelegen hatte.

Wir sind vorsichtig.

 

Die Zugtoilette ist besetzt, ich stehe vor ihr an. Ein Mann, der sein Kleinkind vor sich traegt, kommt an. Sieht, dass die Toilette nicht frei ist, kehrt um, laeuft zur Zugtuer. Das Kind pinkelt vor der Tuer auf den Boden und der Mann laeuft seelenruhig zu seinem Platz zurueck. Mission accomplished, und ich stehe immer noch an.

 

Liebe Leute, koenntet ihr vielleicht nicht auf den Zugtoiletten rauchen? Der Raum ist klein, der Geruch so schon streng genug, und da heute die Spuelung mehr schlecht als recht funktioniert ... Dankeschoen!

 

07.02.14

Not all those who wander are lost.

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Fr

31

Jan

2014

ReiseGedanken

Nein, wirklich bloggen tu ich auf meiner Reise nicht. Ich notiere mir allerdings von Zeit zu Zeit einzelne Begebenheiten oder manchmal auch einfach nur Gedanken, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Hier sind sie:

 

12.01.14

Ich liege mit Taizé-Kette (Frankreich), Abi-Pulli (Deutschland) und chinesischer Jogginghose sowie etwas Afrika-Kind-Feeling in einem chinesischen Zug und staune darüber, wie unendlich weit Gottes Welt ist und an wie viel davon er mich schon teilhaben lassen hat. Mit im Gepäck sie Badelatschen aus Brasilien.

 

13.01.14

Wie viel Prozent der Menschheit schnarcht? Nicht viel? Vielleicht änderst Du Deine Meinung, wenn Du einmal eine Nacht im Zug verbracht hast. Bei 66 Betten pro Wagen schnarcht garantiert immer irgendeine/r...

 

15.01.14

Heute stand wandern auf dem Programm. Die Hinweisschilder bieten nicht nur englische, sondern auch deutsche Übersetzungen an. Ein amüsantes Beispiel: "protect the environment" = "Schaffen Sie eine grüne Kultur, um die natürliche Wärme zu genießen".

 

17.01.14

Nach zweiundzwang sitzend im Zug verbrachten Stunden erreichen wir erschöpft das Hotel, in dem unser weltwärts-Zwischenseminar stattfindet. Wir warten, während die Rezeptionsdame unsere Zimmerkarten sucht.

- "Hallo!"

Häh?! Verwirrt gucke ich hoch. War das Deutsch? Wer war das? Höre ich schon Stimmen?

- "Guten Tag!"

Oh! Es ist die Chinesin, die vor mir steht. Sie entpuppt sich als kompetente Reiseführerin, die Deutsch studiert hat. Schade nur, dass wir Freiwilligen nun keine Geheimsprache haben.

 

21.01.14

Welt-Kind liebt es, zu fliegen. Für Welt-Kind ist es ungewohnt, in den Urlaub zu fliegen und nicht nach Hause bzw. zu den Großeltern.

 

22.01.14

Wieso sprechen die Chinesen mich plötzlich auf ENGLISCH an?

Wieso können die überhaupt Englisch?

Wieso laufen andere Ausländer durch die Jugendherberge?

Wieso tragen sie Kleidung wie ich, wieso haben sie helle Haare, wieso reden sie wie ich?

Wieso bietet die Jugendherberge westliches Essen an?

Der Kulturschock hat mich eingeholt!

 

Kommentar eines Bekanntes in der Herberge: "I had German at school. German is a useless language to learn! All Germans I have met while travelling speak English."

 

24.01.14

Bier aus einem Strohhalm zu trinken, verstößt das gegen meine Prinzipien?

Was soll ich denn machen, wenn die Bedienung mir trotzdem einen andreht?

 

25.01.14

Toilette am Busbahnhof: Da ihr die Warteschlange zu lang ist, hält eine Frau ihr Kind kurzerhand über den Mülleiner um sein Geschäft zu erledigen. Der Besen, mit dem die Reinigungskraft immer kehrt, wird dabei auch nass.

 

26.01.14

Wir sitzen am Straßenrand. Eine vorbeilaufende Dame spricht uns an:

- "Hello!"

Wir erwidern den Gruß, sagen auch "hello".

- "Nice to meet you!"

"Nice to meet you, too."

Und schon ist sie weg. Na wenn das 'mal kein schnelles Kennenlernen war :P

 

28.01.14

Zu dritt mit allem Gepäck für 6-7 Wochen in einer Ricksha, fast herausfallend, fast den Bus verpassend.

 

Wer hat chin. Neujahr erfunden? Wer kam auf die Idee, ein Land dieser Größe komplett in Aufruhr zu bringen? X Millionen Chinesen im Auto, aber vor allem auch im Bus oder Zug auf dem Weg zu Verwandten. Kombiniert mit dem hiesigen Fahrkartenerwerbsystem ist es kein Wunder, dass  wir unsere Reisepläne schon mehrmals umschmeißen mussten. Gehört wohl einfach dazu.

 

Ich sitze in einem Reisebus. Der Fahrer brettert muter die Straße entlang, die durch die Berge führt und denkt sich augenscheinlich: Nicht in der Kurve überholen, bei Schlaglöchern langsamer werden - Diese Regeln gelten bei mir nicht! Haltet die Kotztüten bereit, schließlich wollen wir heute irgendwann noch ankommen!

Die meisten Insassen schlafen. Wie sie das schaffen, ist mir ein Rätsel.

Ich habe mich zum ersten Mal in diesem Land tatsächlich angeschnallt. Normalerweise gilt dies als Zeichen des Misstrauens dem Fahrer gegenüber, aber in diesem Fall ist mir das herzlich egal.

 

29.01.14

Ein Zugangestellter preist seine Ware an: "Guckt 'mal, guckt 'mal! Socken! Beste Qualitat, gucken Sie doch 'mal liebe Fahrgäste. Beste Preise, beste Qualität, und so elastisch.

Kurz darauf beginnt er, Tauziehen gegen die Fahrgäste zu veranstalten. Mit einem Socken als Tau.

 

Wir laufen durch die engen Gassen Lijiangs und plötzlich steht vor uns eine Deutsche, dir wir am vorletzten Aufenthaltsort 18 Busstunden weiter südlich kennengelernt hatten. "Hi, Du auch hier?"

Kombiniert mit den zwei Chinesen, die uns auch shcon von Jinghong kennen, gibt es eigentlich nur zwei Erklärungsansätze: Entweder die Welt ist klein oder es reisen alle mit dem lonely planet ;)

 

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Do

09

Jan

2014

Perspektivwechsel

- 6 Wochen

- ein Wanderrucksack

- viele, viele Zug- & Busfahrten

- tausende Kilometer

- Rei in der Tube, aber keinen PC

 

Ende Februar holt mich der Alltag dann wieder ein und frühestens dann werde ich auch wieder bloggen können. Bis dahin: Bleibt Gott befohlen!

 

Reiseroute

Jiuquan -> Chengdu (u.a. Pandas) -> Lanzhou (weltwärts-Zwischenseminar) -> Kunming -> Yuanyang (Reisterrassen) -> Jinghong (Xishuangbanna: Nationalpark) -> Lijiang (Tigersprungschlucht: wandern) -> Guilin -> Hongkong -> Chengdu (u.a. Kloster) -> Jiuquan

(google maps geht momentan nicht, sonst hätte ich eine China-Karte hier eingefügt)

 

Nachtrag: Hier nun die Karte mit der Reiseroute:

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Di

07

Jan

2014

Bevölkerungsverteilung

Quelle: http://www.reddit.com/r/MapPorn
Quelle: http://www.reddit.com/r/MapPorn
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Do

26

Dez

2013

Da war 'was

Datum: 26. Dezember.

Ort: Lehrerzimmer.

Entrüstete Frage eines Kollegen: "Where were you yesterday?"

 

Ääähhh... Lass 'mal überlegen. Was war denn da?

Stimmt! Da war ja Weihnachten! Das hätte ich fast schon wieder vergessen!

 

Da der Schulbetrieb am 25. normal weiterlief, ist die Frage aus chinesischer Sicht mehr als verständlich. Woher soll der liebe Kollege schließlich wissen, dass wir Freiwilligen den Tag frei bekamen, um zu feiern? Nur wir, während alle andere arbeiteten?

 

Fotos vom Fest gibt es hier.

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Mo

23

Dez

2013

Weihnachtskarten(massen)produktion

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Mo

16

Dez

2013

Kälte,

Die flag raising ceremony, die jeden Montagmorgen stattfindet, wird seit heute in abgeänderter Form zelebriert:

 

Die Schüler und Lehrer versammeln sich nicht mehr draußen vor dem Fahnenpfal. Stattdessen sitzen sie drinnen. Ein paar arme, frierende Tröpfe hissen die Fahne draußen alleine, das Ganze wird über Lautsprecher in jedes Klassenzimmer übertragen.

 

Eine live Video-Übertragung habe ich nicht gesehen. Wundern würde es mich jedoch nicht, durften die Schüler doch in der Vergangenheit schon die Reden ihrer vier SchuldirektorInnen bzw. der Polizei im "Fernsehen" verfolgen. Auch hier saßen sie im Klassenzimmer und hatten gebannt auf das Smartboard zu starren... Die Schule hat eben keinen Raum, in den 1500 Schüler passen. Und lange draußen zu sitzen oder zu stehen, ist auch nicht so das Wahre.

 

Klassenzimmeraustattung

Im neuen Gebäude hat jedes Klassenzimmer eine normale Tafel. Schiebt man die zwei inneren Tafelteile zur Seite, offenbart sich ein Smartboard mit USB-Anschluss. Dieses arbeitet mit Windows 7 und soliden Smartboard-Programmen – die Englisch-Funktion beinhaltet beispielsweise auch ein Wörterbuch. Sehr praktisch! Ich nutze das Smartboard vor allem für meine Powerpoint-Präsentationen. Es ist praktisch, einen Satz nicht bei jeder Klasse erneut anschreiben zu müssen, sondern lediglich einmal auf eine Folie klatschen zu können. Vereinzelt füge ich auch Schriftzeichen zum besseren Verständnis ein.

 

Was ich nicht mache, ist meine Schüler mit den Präsentation bespaßen. Sie kriegen keine glitzernde Leuchtschrift oder herumspringende Textteile, geschweige denn überladene Hintergründe oder kitschige Musik. Alles schon gesehen oder gehört!

 

Wenn ich ausversehen einen falschen Knopf drücke, jubeln die Schüler hin und wieder, weil ich dann im Fernseh-Kanal lande ;)

 

Außerdem hat jedes Lehrerpult einen Glaskasten. Legt man ein Blatt Papier auf den Kasten und bestrahlt ihn mit einer speziellen Lampe, wird das Papier auf dem Smartboard angezeigt. Vorausgesetzt, man drückt den richtigen Knopf... Man kann sich das als modernen Overhead-Projektor vorstellen, der nicht mit Folien sondern mit herkömmlichem Papier arbeitet.

 

Jede Klasse hat einen Medienbeauftragten, der für die ganze Technik zuständig ist. Wenn ich mich also vorne hinstelle und mit einem fragendem Blick auf die Tafel zeige, brüllt die Klasse also lautstark irgendeinen Namen, bis diese Person nach vorne kommt und mir die Tafel aufschließt, den Strom anstellt usw.

& Kein Unterrichten

Nach mehrmaligem Hin-und-Her steht jetzt fest, dass ich bis Ende Februar nicht mehr unterrichte. Ab dem 1. Januar habe ich Ferien, bis dahin jedoch die Anweisung, immer pünktlich!! (Bin ich das nicht sowieso meistens? Oops...) im Lehrerzimmer zu erscheinen, fleißig Chinesisch zu pauken und den anderen Lehrern beim Korrigieren zu helfen.

 

Schade nur, dass ich bin Freitag felsenfest davon überzeugt war bis zum 31. zu unterrichten, und jeder einzelnen Klasse diese Woche eine Bastelstunde versprach: "Next week, we will make Christmas cards. Bring paper! Write that down!"

 

Erstens kommt es immer anders und zweitens als man denkt.

 

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Mi

11

Dez

2013

Wetter

Seit gestern trage ich meine Winterjacke.

Dabei wollte ich doch bis Mitte des Monats ohne durchhalten... Mist!

 

Hoffentlich leistet das gute Stück auch noch bei weiteren 10 bis 20 Grad weniger gute Dienste. Noch mehr hoffe ich allerdins, dass diese Temperaturen gar nicht erst eintreten. Bisher war der Winter angeblich sehr mild, dann kann er es m.E. auch bleiben!

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Fr

06

Dez

2013

Auftritt

Vorhin sang ich zusammen mit zwei anderen Freiwilligen "Oh du fröhliche" vor einer Schulklasse. Jaja, Adventsstimmung muss man selber kreieren, wenn man sich welche wünscht.

 

Reich beschenkt

... wurde ich heute von meiner Vormittagsklasse:

Schwäne und Herzen sowie kleine Sterne und Schleifen
Schwäne und Herzen sowie kleine Sterne und Schleifen
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Mi

04

Dez

2013

Anekdoten aus dem Unterricht

Diese Woche bekommen meine Schüler die Aufgabe, eine Speisekarte sowie einen kurzen Dialog zu schreiben, in dem sie Essen und Trinken bestellen. Anschließend stelle ich vorne mit ein paar Requisiten ein Restaurant dar, in dem sie ihre Dialoge vorführen können. Das klappt manchmal ganz gut, manchmal eher weniger. Viele halten sich fast ausschließlich an einen Text aus ihrem Lehrbuch. Manche sind jedoch kreativer:

 

Situation 1:

Der Kunde hat aufgegessen und der Kellner steht bereit, um das Geld zu kassieren.

"I don't have money! I lost my handbag!"

 

Situation 2:

Kunde: "Hello! What is your menu?"

Inhaber 1: "Welcome! We have beef noodles, chicken noodles, fried rice, rice with fish, dumplings, apple juice, orange juice, coke, apples, bananas..."

Kunde: "I would like some beef noodles."

Inhaber 1: "Our menu doesn't have that."

Inhaber 2: "The beef is bad."

Kunder: "Okay, then I would like some rice."

Inhaber 2: "Our rice cooker is broken."

So geht das eine ganze Weile weiter, bis der Kunde rausstürmt und dabei brüllt: "Goodbye! I won't come back again!"

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Di

03

Dez

2013

I'm super duper

"What do you want to be when you are big?"

"Superman!"

 

Eine kurze Umfrage ergibt, dass nicht nur eine/r, sondern gleich 18 Schüler/innen superman sein wollen, wenn sie erwachsen sind. Euch, meinen (meist) lieben Siebtklässlern, wünsche ich, dass ihr das Träumen nicht verlernt.

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So

01

Dez

2013

Not macht erfinderisch

 

Aus vier solchen Metallrohren

 

ensteht ein rundes Gebilde.

 

Fügt man dann noch tinsel foil

 

und Kerzen hinzu, hat man einen

 

 

Adventskranz :-)

 

 

Ich wünsche allen Lesern einen gesegneten ersten Advent!

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Do

28

Nov

2013

Alltag als 外教

Scherpen über Scherpen

 

Ich trete durch das Schultor. Links zwei Schüler, rechts zwei Schüler. Alle tragen sie rote Scherpen mit goldener Verzierung. Verbeugen sich, als ich zwischen ihnen durchgehe. Sie sind das sogenannte Willkommenkomitee deren Aufgabe es ist, die Lehrer angemessen und würdevoll zu begrüßen, wenn sie das  Schulgelände betreten.

 

Ich betrete das Schulgebäude. Wieder zwei sich verbeugende Scherpenträger.

 

Laufe durch den Gang. Rechts verbeugen sich Schüler, links verbeugen sich Schüler. Immer mit dem obligatorischen Gruß "老师好!" (lǎoshī hǎo; sinngemäß "Guten Tag, Lehrer"). Wenn ich nur nicht immer geneigt wäre, mich auch zu verbeugen!

..oder zu winken. Letzteres ist auf Dauer nämlich ganz schön anstrengend.

 

Privacy? What is this alien term you speak of?

 

(Wenn eine Lehrerin, die ich nicht kenne, Schülern, die ich nicht kenne, im Unterricht Sachen von mir erzählt; dann würde ich das nicht unbedingt als Privatsphäre wahrend bezeichnen. Nunja, die Erlebnisse der Ausländerin sind bestimmt spannend. Und meine Tollpatschigkeit sowieso.)

 

没有电

 

Mitten im Unterricht möchte ich die Powerpoint-Präsentation anschmeißen. Es geht nicht. Die Schüler gucken gebannt zu, aber keiner springt auf, um mir zu helfen. Stattdessen sagt einer: "没有电". Während die Übersetzung in meinem Kopf langsam Gestalt annimmt, zuckt der Junge am ganzen Körper: Von oben bis unten schüttelt er sich quasi einmal selber durch. Dann verstehe ich: Es gibt keinen Strom! (Er hat natürlich einen Stromschlag imitiert.)

 

"Teacher!"

 

"Teacher!"

"Yes?"

"Teacher! We want your hair!"

(BITTE WAS?)

Ja, ich habe ihnen dann eine Haarsträhne gegeben (und auch eine bekommen).

Nachher fragte ich dann eine Lehrerin, ob das ein Brauch sei, von dem ich nichts wüsste. Leider war ihr das auch neu.

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Fr

15

Nov

2013

Böse, böse

Ich begrüße die Klasse und frage: "Are you sleeping?". Im Chor ertönt die Antwort: "Yes!"

Nochmal. "Are you sleeping?" - "YES!"

"Are you really sleeping?" - "YES!"

 

Ich schreibe sleep an, stelle mich kurz schlafend (!) und frage erneut: "Are you sleeping?" Wieder höre ich ein lautes "YES!", dieses Mal jedoch mit ein paar spärlich Gesäten no's.

 

Dann beschließe ich, eine Umfrage zu starten:

"Put up your hand if you are sleeping." Ca. 20 Hände gehen hoch.

"Put up your hand if you are NOT sleeping." Ca. 15 Hände gehen hoch.

 

Herrlich!

 

Tut mir Leid, liebe Schülerlein! Ich möchte nur, dass ihr lernt, nicht "Yes" zu sagen, wenn ihr mich nicht versteht.

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So

27

Okt

2013

142 Stufen

Alle ehemaligen SAS'ler, die sich über Physik im 3. Stock (wohlgemerkt 66 Stufen!) beklagten, sollten weiterlesen und ruhig ein schlechtes Gewissen bekommen ;)

 

142 Stufen darf ich nun tagtäglich mehrmals erklimmen, um in mein Lehrerzimmer zu gelangen: Letzte Woche haben nämlich Schüler und Lehrer der 二中 ("er zhong" = "zwei[te] Mittel[schule]") den Neubau, das Westgebäude, bezogen!

 

Als ich mich bei einer Schülerin über die (Höhen-)Lage meines Zimmers beklagte – ihr Klassenzimmer ist drei Stockwerke unter meinem – schrieb sie zurück: "I think the stairs is also a kind of exercise :D" (exercise = Sport). Ganz schön schlagfertig, die Kleine.

 

Ironisch sind auch die Toiletten die, weil sie relativ groß sind und Sitzklos haben, wahrscheinlich Behinderten-WCs sein sollen. Es gibt sie in jedem Stockwerk. Einen Aufzug habe ich in dem Gebäude nämlich bisher nicht entdecken können...

 

Mein neues Lehrerzimmer ist wesentlich kleiner als das alte, in ihm finden statt 28 nur noch 7 Lehrer Platz. Ich hoffe, dass es dadurch auch wärmer wird, vor allem, wenn am 1. November jemand in Peking den Schalter betätigt, der die Heizungen hier in Jiuquan anspringen lässt.

 

Ja, richtig gelesen! Die Heizungen in ganz Nordchina werden von Peking aus zentral gesteuert. Laut benefind.de ("Ich googele nicht, ich benefinde") haben Häuser in Südchina keine Zentralheizung, da die Außentemperaturen dort deutlich höher sind. Dennoch unterscheiden sich die Temperaturen knapp nördlich bzw. südlich der "Zentralheizungstrennlinie" kaum; die Einen haben's kuschelig warm, 50km weiter frieren die Anderen erbärmlich.

 

Das Wort Zentralheizung darf man sehr wörtlich nehmen. Soweit ich weiß, können Privatpersonen sie nämlich weder an- noch ausschalten, geschweige denn hoch- oder runterdrehen. Während die Einen also zusätzlich elektrische Heizlüfter anschmeißen, reißen die Anderen ihre Fenster weit auf.

 

Wer sich jetzt fragt, wie kalt es bei mir tatsächlich ist: Morgens und abends sind es draußen knapp über 0°C, mittags dann ca. 10 – 15°C. Die Innentemperatur unseres Wohnzimmers bewegt sich irgendwo zwischen 13 und 15°C, mit elektrischem Heizlüfter eher bei 15°C. Freuen tun wir uns immer dann, wenn wir den boiler anschmeißen und dieser beschließt, heute spendabel zu sein und uns tatsächlich mit heißem Wasser zu versorgen. Andernfalls werden die Haare notgedrungen mit kaltem Wasser gewaschen.

 

Jetzt weiß ich, wieso in diesem Land so viel Tee getrunken und Sport getrieben wird:

Beides hält warm!

 

Nachtrag vom 1.1.13: Die Heizung ist an!

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So

13

Okt

2013

Echt jetzt?

Nach der Stunde. Wie so oft umringen etliche Schüler das Lehrerpult. Heute kriege ich jedoch nicht die typischen Fragen zu hören, sondern Folgendes:

 

Sie: “Teacher! Homework?”

Ich: “No, no homework.

Sie: “Teacher, please give us homework.”

Ich: “Okay, then ... Learn the new words.”

Sie: “Write them two times?”

Ich: “No, just .. learn them.”

Sie gucken verständnislos.

Ich: “Okay, I will give you homework next week.”

Sie gucken weiterhin so als würden sie mich nicht verstehen.

Ich: “Next week. Homework. Okay?”

Sie strahlen über das ganze Gesicht und sagen: “Okay! Thank you, teacher!”

 

Um Eines klarzustellen: Dies ist sicherlich eine Ausnahmeklasse. Ich habe motivierte und weniger motivierte Klassen; laute, weniger laute und ganz leise; welche, die viel verstehen, und welche, die fast gar nichts verstehen (wollen).

Aber es war toll, in ihre motivierten Gesichte zu blicken und tatsächlich zu merken: Ja, sie würden sich tatsächlich über Hausaufgaben freuen. Tatsache.

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Mi

09

Okt

2013

Auch die Fliege machen?

Findest Du meine Berichte spannend und hast Lust, auch ein Jahr im Ausland zu verbringen?

 

Meine Entsendeorganisation, Mission EineWelt, beginnt in diesem Wochen mit dem Auswahlverfahren für 2014/15. Neben China sind dieses Jahr auch Freiwillige in Thailand, Malaysia, Fidschi, PNG, Australien sowie Tansania, Kenia und etliche Länder Lateinamerikas. Die meisten Stellen sind von weltwärts oder im IJFD anerkannt.

 

Um sich bewerben zu können, muss man vorher an einer Informationsveranstaltung teilgenommen haben. Diese finden am 19.10. in Nürnberg und am 02.11. in München statt.

 

Es ist auch möglich, ein FSJ in Deutschland (Neuendettelsau / Nürnberg) zu absolvieren.

 

HIER gibt’s mehr Infos.

 

Wer weitere Fragen hat darf sich gerne bei mir melden!

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Mo

23

Sep

2013

Topfschlagen

oder: Kalt, wärmer, noch wärmer...

 

Sonntagmorgen, Franzi wird gefragt, ob ihr in der Wohnung kühl wäre. Ehrlich erwidert sie, dass ihr an diesem Morgen etwas kalt gewesen wäre. Es heißt, die Schule würde wärmere Bettdecken für uns kaufen.

 

Montagmorgen, flag raising ceremony. Wir stecken gerade mittendrin, als ich aus meinem Tagträumen gerissen werde: Die Mentorin höchstpersönlich steht vor uns. "Follow me!"

Gemeinsam mit zwei anderen Lehrern folgen wir ihr also "to [our] home."

Nadya denkt: Okay, keine Ahnung wieso, aber warum nicht?

Nadya wagt es zu fragen: "What are we doing?" - Die Antwort: "Look at your blankets."

Nadya denkt: Mist. Mein Schlafzimmerfenster war ausversehen über Nacht offen. Wenn sie das bemerken und denken, wir würden deswegen frieren, gibt es eine gehörige Portion des Ausländerauslachens.

 

Wir lassen die Lehrer rein. Eine reißt meinen Schrank auf, nimmt eine Decke heraus. Entfernt den Überzug von meiner Decke und zu zweit beginnen sie, Decke Nr. 2 an Decke Nr. 1 zu knöpfen. Der dritte im Bunde beobachtet das Ganze. Der Mann also Aufseher, war ja klar.

 

Nachdem meine Hilf-/Mitmach-Versuche abgewiesen werden, gehe ich zu Franzi und zu zweit machen wir uns an ihre Decke. Die beiden Decken kriegen wir aneinander, welch' ein Kinderspiel! Doch unsere Freude hält nicht lange an... Die Bettwäsche (die ich zwischenzeitlich auch noch kaputt mache) kriegen wir nun nicht mehr drüber.

 

 

Zehn Minuten und zwei helfende Hände später – dieses Mal packt auch der Herr mit an, da eine Dame schon verschwunden ist – ist die Mission für uns peinlicherweise und für die Anderen glücklicherweise beendet. Die flag raising ceremony auch.

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Mi

11

Sep

2013

Gesucht!

Vorhanden: 2 Mädels.

Außerdem: 2 Schreibtische; 2 PCs; sporadisch Internet.

Und: Langeweile.

 

Gesucht: Beschäftigungsmöglichkeiten

 

Um die Zeit im Lehrerzimmer angenehmer zu gestalten und vielleicht sogar produktiv zu nutzen, posten wir heute diesen Blogeintrag. Wer hat Ideen, was man so ein Jahr lang machen könnte?

Ein Muss sind lediglich die Unterrichtsvorbereitung (eine Stunde pro Woche) und das Chinesisch lernen. Wir haben also wirklich viel Leerlauf.

 

Unser eigenes brainstorming ergab bisher:

– lesen (Belletristik, Klassiker, was man online so findet)

– schreiben (Blogeinträge, Rundbriefe, Zwischenberichte; einfach so)

– online Fernkurse absolvieren

– Gebärdensprache, Spanisch, pidgin lernen

– malen, basteln → zur Wohnungsverschönerung

– schnitzen

– häkeln, stricken

 

Wer also Ideen hat, bitte einfach kommentieren!

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Fr

06

Sep

2013

An(ge)kommen

...an unseren Schulen. Ja, das sind wir. Physisch, aber langsam auch psychisch. Letzten Mittwoch flogen wir zu zwölft nach Gansu. Mittlerweile wissen Franzi, meine Mitbewohnerin, und ich den Weg zum nächsten Supermarkt, zu anderen volunteers und zu leckeren Restaurants. Und eine Woche Unterricht durften wir auch schon hinter uns bringen.

 

Wie es denn so ist, werde ich gefragt. Wie soll es schon sein? Wo fange ich an, wo höre ich auf? Ich weiß es wirklich nicht. Tagsüber hüte ich morgens vier Stunden und nachmittags drei Stunden lang das teachers' office. Außer ich unterrichte, dann stehe ich natürlich vor ca. 50 chinesischen  Schülern und versuche, ihnen 英语 (Yingyu = Englisch) näherzubringen. Jede der 12 Klassen der 7. Jahrgangsstufe (Junior 1) kommt einmal wöchentlich in den Genuss meines Unterrichts.

 

Nach nur einer Woche Lehrerfahrung kann ich nicht wirklich sagen, "wie das Unterrichten so ist". Es ist nicht, dass ich nicht darüber reden will, weil es fürchterlich schlimm ist – Nein, im Gegenteil! Es macht auch Spaß! Ich kann nach nur einer Woche das Ganze einfach noch nicht wirklich beurteilen.

 

Zwei Anekdoten möchte ich heute mit euch teilen:

 

We all have a lesson to learn

 

1. September 2013, 22 Uhr. Laut Stundenplan halte ich morgen früh meine erste Unterrichtsstunde. Geplant habe ich noch nichts. Vor ein paar Stunden habe ich zufällig herausgefunden, dass ich diese Woche perhaps nicht unterrichte, da der Jahrgang military training hat, und sollte ich unterrichten, weiß ich nicht wo. Was ich weiß ist, dass ich vor 7:50 zur flag-raising ceremony an der Schule sein muss, auch wenn ich frühestens um 11:10 (wenn überhaupt, maybe) unterrichte.

 

Nächster Tag. 8:10. Nachdem um 7:50 keiner da war, um uns zur flag-raising ceremony zu bringen, beschlossen wir, eigenständig dahinzugehen. Kaum hatten wir einen Fuß aus dem Lehrerzimmer gesetzt, kam unsere Mentorin um die Ecke gehuscht und bat uns mit einer Handbewegung, wieder einzutreten: "When the students have lessons, you sit in the office". Okay, dann also keine Zeremonie. Wieder hingesetzt. Schöner Schreibtisch. Lieber Schreibtisch. Ich werde dich noch zu schätzen wissen, auch wenn ich momentan noch nicht so die Lust empfinde, täglich 7 Stunden an deiner Seite zu verbringen.

 

Zehn Minuten später die Nachricht: "Military training has been put off, so you will have lessons today." Okay, dann also doch.

 

8:30. Eine Lehrerin stellt mir eine andere Lehrerin vor, die uns heute Nachmittag die Stadt zeigen und mit uns Gemüse kaufen will. Wie man das so macht, sage ich zu. Von ihr vorgeschlagene Uhrzeit: 17 Uhr. Okay. Ich dachte, wir müssen solange die Schüler Unterricht haben im Lehrerzimmer verweilen? Das wäre bis 17:50. Egal. Wenn sie das vorschlägt, wird es schon okay sein.

 

Um 9:40 werde ich gefragt: "Have you already prepared your lesson?". Die lesson, die ich in anderthalb Stunden halten soll...

 

Später halte ich also tatsächlich meine allererste Unterrichtsstunde wie es in meinem Stundenplan steht.

 

Nachmittags bin ich schon fünf Minuten vor Unterrichtsbeginn bei dem Klassenzimmer, in dem ich gedenke, meine zweite Stunde des Tages zu halten. Tja, gedacht! Aber erstens kommt alles anders, und zweitens als man denkt. Aus dem Zimmer ertönt nämlich schon Unterricht! Die eigentliche Englischlehrerin ist dort zugange und erklärt, ihr sei die Stunde zugeteilt worden. Naja, dann sieht mich die Klasse eben erst nächste Woche...

 

Ende der Geschicht: Vertrau den Stundenplänen nicht.

 

Willkommen im Reich der Mitte. Und wie einer unserer Vorgänger schrieb: "Wenn du dachtest, du seist spontan, dann warst du noch nie in China" (siehe http://leongoeschina.blogspot.de/).

 

#daran freuen #nicht hinterfragen #auch Spontan sein

 

Kulturerbe

 

Ich halte einen Zeigefinger vor meinen Mund und sage "shhhhh...".

Was würde ein deutscher Schüler machen? Mir eventuell zuhören.

Was macht eine Klasse chinesischer Schüler? Hält ebenfalls ihren Zeigefinger auf ihren Mund und imitiert mein "shhhhh...".

 

Okay, diese Methode kennen sie wohl nicht.

 

Dann bis zum nächsten Mal. 再见! - Zài jiàn! - Tschüss!

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Mo

26

Aug

2013

NigelNagelNeuer eiNtrag aus NaNjiNg

O weh, o wei,

ein guter Einstieg muss herbei

doch find' ich ihn nicht

ob er sich mit den Kakerlaken unter'm Bett verkriecht?

 

Egal, es geht auch ohne. Da wir am Mittwoch nach Gansu fliegen, möchte ich noch ein paar Eindrücke aus meiner Zeit in Nanjing mit euch teilen. Im Großen und Ganzen fühle ich mich hier wirklich wohl und finde es ehrlich gesagt schade, dass die gemeinsame Zeit als Gruppe nun erst einmal vorbei ist. Dennoch ist natürlich spannend, jetzt bald endlich Jiuquan, die Schule und mein neues semi-permanentes Lebensumfeld kennenzulernen.

 

(Mis)communication

 

Man stelle sich vier Mädels vor, die auf eigene Faust shoppen. Oder es zumindest versuchen. Und da dies natürlich mehr als anstrengend ist – vor allem, wenn man nichts findet ;) – holt auch sie der Hunger irgendwann ein. Erst stehen sie vor einer Menü-Tafel, über und über mit Schriftzeichen übersäht. Zu müde, um diese einzeln zu übersetzen, gehen sie doch zur Menü-Tafel drei Meter weiter, die zusätzlich englische Übersetzungen anbietet. Ratlos schauen sie drauf und beschließen, auf gut Glück irgendwelche Nudeln zu bestellen. Also schnell irgendwelche Zeichen, unter denen noodles steht, ins Handy gemalt und mit dem Satz "Wo yiao mai liang ge" (Ich würde gerne zwei mal kaufen) der Frau hinter der Theke in's Gesicht gehalten. Stolz.

 

Ein paar Minuten später beschließt eine von uns vieren, das gleiche Gericht nachzubestellen. Nach dem Versuch, es auf Chinesisch zu sagen, erwidert die nette Verkäuferin: "Oh, you want dan dan noodles!"

 

...Immerhin wussten alle Asiaten im Umfeld von 15m, dass wir uns die Mühe gemacht hatten, ihre Sprache zu sprechen. Auch wenn es nicht nötig gewesen wäre :D

 

Mit einer Frau am Nebentisch kamen wir dann beim Essen ins Gespräch. Als wir über das Wetter hier sprachen, kommentierte ich "It is hot and humid". Da sie humid nicht verstand, nahm sie wohl an, ich hätte humans gesagt, und fing an von humans zu schwärmen... Sie fragte uns, was wir von Japanern hielten. Auch weil wir gerade im Massaker-Museum gewesen waren, wussten wir nicht so Recht, was wir auf die Frage antworten sollten. Glücklicherweise lenkte sie schnell ein mit "I think Japanese are beautiful. Chinese are beautiful. Germans are beautiful. All humans are beautiful. Yes, we are all humans. Beautiful humans."

 

Geheime Zutat: Geduld

 

Chinesische "Mode" (falls man sie als solche bezeichnen kann): noch lauter, noch bunter, noch schriller als die in Deutschland. Streifen, Punkte, Herzchen, Häkelspitzenkram, keinen Sinn ergebende englische Sprüche, Ärmel, die an den Schultern ausgeschnitten sind, Schleifen, Glitzer, keine Größen, geschweige denn Preise.

 

Mit einer sowohl kompetenten, als auch netten, als auch shop-freudigen Chinesin an unserer Seite fanden Miriam und ich am Ende jedoch trotzdem jeweils zwei Oberteile, mit denen wir gut leben können.

 

Full Circle

 

Gottesdienst in China

Oh prima!

Bänke wie in Deutschland

Leute aus Neuseeland

Lieder aus dem Ami-Land

Und 1000 Anderes, das ich toll fand :)

 

Es waren soweit ich weiß nicht wirklich Leute aus Neuseeland dort (das reimt sich nur so schön), jedoch welche aus allen anderen Ecken dieser kugelförmigen Erde. Letzten Sonntag musste Olen (ein Mitfreiwilliger) früher zur Kirche, da er am Klavier begleiten und demzufolge vorher mit dem Chor proben sollte. Jenny (eine Chinesin) und ich sind spaßeshalber mitgekommen und irgendwie genauso spontan in den Chor eingestiegen. Eine Stunde später waren die anderen Freiwilligen sehr überascht, mich plötzlich vorne in der Kirche stehen zu sehen. Diesen Sonntag sang ich ebenfalls mit, diesmal in Begleitung von Miriam.

 

Gut tat es, zu singen. Sich von der Musik tragen zu lassen. Insbesondere, weil ich einige Lieder aus Botswana kannte: Da kamen wundertollige Erinnerungen auf. Und heute sangen wir "This is the Day", DAS Lied schlechthin! DAS Lied das meine Gruppe der Mission EineWelt-Freiwilligen bei unserer Aussendung sechssprachig zum Besten gaben und wir vier auch hier öfters anstimmen! Gott ist derselbe, ob ich nun in Botswana, Deutschland oder China bin.

 

 

So, das war's erst einmal von mir. Kommentiert doch 'mal, damit ich weiß, ob überhaupt irgendjemand mitliest :)

 

Grüßle,

Nadya

 
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Mo

19

Aug

2013

Kunterbuntes aus Kina

Dui bu qi, pero mein Blog ist in China gesperrt. Da ich keine Möglichkeit fand, trotzdem zuverlässig auf ihn zuzugreifen, musste ich mir erst einmal einen neuen einrichten. Wenn man nun bedenkt, dass wir sowohl ganztags unterwegs sind als auch, dass mein Laptop sich mit dem LAN-Kabel des Hotels nicht so recht anfreunden möchte, ist es verständlich, dass dies eine Weile dauerte. Tut mir Leid.

 

Also ich bin (wenn auch mit insgesamt 11 Stunden Verspätung) wohlbehütet in Nanjing angekommen.

 

Der erste Eindruck: Schwimmbad

 

Schließ die Augen und stell Dir vor, Du stehst in einem Hallenbad. Es ist laut, warm und stickig. Leider trägst Du normale Kleidung. Unter deinen Füßen spürst Du keine kühlen Fliesen, sondern heißen Asphalt. An Dir sausen nicht nur kleine Kinder vorbei, sondern auch gefühlte tausend Fahrräder, Mofas sowie Roller, die unentwegt hupen, um auf sich aufmerksam zu machen. Das ist zwar sinnvoll, da man dadurch wenigstens den Eindruck gewinnt, die Chance zu haben, rechtzeitig aus dem Weg zu springen; es ist leider auch laut.

 

Hast Du alle Eindrücke aufgesaugt? Gut! Welcome in Nanjing, China!

 

Denk daran, dass Du Dich bei diesem Wetter auch noch in einer größeren Gruppe fortbewegen musst, die Du ja nicht aus dem Auge verlieren willst! Oder weißt Du, wie Du einem Taxifahrer – solltest Du denn einen finden – auf Chinesisch die chinesische Adresse deiner Unterkunft sagst oder aufschreibst? (Ich habe übrigens für alle Fälle eine Visitenkarte mit der Adresse in meinem Portmonee und nach einer Woche hier stellt sich auch langsam ein Orientierungssinn ein...)

 

Mitten in der Nacht erreichten Amelie, Jakob und ich das Hotel, das auf einem Uni-Campus liegt. Unsere Mitfreiwilligen waren aufgeblieben und servierten uns armen, ausgehungerten, müden Menschen erst einmal Instant-Nudeln, wofür wir ihnen sehr dankbar waren :)

 

Weitere Eindrücke habe ich nun nach Überschriften geordnet, damit jeder das lesen kann, was ihn interessiert, da es doch einige geworden sind.

 

Hitze und dennoch Erkältung? Land voller Widersprüche

 

Bei der schwülen Hitze ist es natürlich eine Wohltat, Zeit in klimatisierten Innenräumen zu verbringen. Dies war uns so wichtig, dass wir in der Nacht unserer Ankunft – nach der Feststellung, dass wir unser eigenes Wohlfühltemperaturmachteil nicht ankriegen – sofort wieder runterliefen und dem armen Sicherheitstypen des Hotels unsere chinesische Fernbedienung unter die Nase hielten und (da wir ja kein Chinesisch können) einfach erwarteten, dass er uns versteht und auch noch hilft.

 

Da wir jedoch nichts erreichten, holten wir Olen zuhilfe, einen Freiwilligen, der Chinesisch spricht. Einige Wortschwälle und ein Telefonat später fuhren wir mit dem Aufzug wieder hoch und warteten gespannt. Nach einer Zeit kam ein schlaftrunkener Angestellter, starrte unsere Fernbedienung geschlagene 5 Minuten an, drückte ein paar Knöpfe, die Anlage ging natürlich auf Anhieb an, und verschwand auf ominöse Art wieder.

 

Seitdem ist das Wunderteil pausenlos in Gang, und selbst bei eingestellten 28°C schlafen wir mit Schal (wegen der Kälte) und Ohropax (wegen der Lautstärke). Dennoch haben sich schon einige Erkältungen eingefangen. Bisher blieb ich glücklicherweise davor verschont.

 

Peace, dude!

 

Als wir am nächsten Morgen unten in der Lobby auf alle warteten, kam eine Chinesin auf uns zu und fragte zaghaft: "Sorry, do you think I could take a picture with you?". Kaum hatte sie sich hingesetzt, neigte sie auch schon ihren Kopf leicht zur Seite und formte mit ihren Zeige- und Mittelfinger zwei Peace-Zeichen! Kaum waren einige Fotos von ihr mit uns geschossen, kam auch schon die nächste Person und setzte sich in unsere Mitte. Insgesamt wurde dieses Spektakel noch weitere sechs Mal wiederholt.

Ich fand es lustig, gleich am ersten Morgen in eine Situation zu kommen, auf die die Ehemaligen uns schon vorbereitet hatten. Ja, man wird tatsächlich gerne fotografiert. Und nein, es wird nicht immer vorher gefragt.

 

Nachmacher?

 

Am selben Tag kauften drei von uns sich neue Handys. Das Mobiltelefon, das ich besitze, erhandelten sie sich für einen Drittel des Preises, den ich ein paar Monate zuvor in Deutschland ausgab! Erst am zweiten Tag kamen wir darauf, dass sie wahrscheinlich doch nicht echt sind. Sollten es Fakes sein, sind es sehr, sehr gute. Optisch erkennt man winzige Unterschiede. Das Betriebssystem ist ebenfalls etwas anders, jedoch täuschend ähnlich. Selbst die mitgelieferte Verpackung könnte ich nicht von der meinigen unterscheiden.

 

Während die drei zugange waren, lief ich etwas in dem Laden rum. Dort passierte es mir, dass ich ungewollt handelte – der Verkäufer reduzierte den Preis schlagartig um ein Drittel, als wir sagten, wir würden uns den Kauf noch überlegen und dann in ein paar Tagen wiederkommen ("Special price! But only if you buy it today."). Dabei wollte wir nur höflich sein und nicht geradeaus "Nein" sagen.

 

Ausweis, bitte!

 

Der Reisepass ist uns ein steter Begleiter. Ob beim Geld tauschen in der Bank oder beim Kaufen einer Simkarte, irgendwie muss man ihn andauernd vorzeigen und kopieren lassen. Selbst für den Museums-Besuch sollten wir ihn "für alle Fälle" einstecken.

 

Was fordern Touristen?

 

Heute stand dann der "Confucian Temple" (also ein Konfuzianischer Tempel) auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin erfuhren wir nebenbei, dass dort heute gar kein Tempel mehr steht. Hmm, okay. Ich persönlich erwartete also wenigstens eine Tempel-Anlage oder ein paar Ruinen. Tja, nix da, Pustekuchen! Man lief durch ein riesiges Tor, wohinter sich ein Einkaufszentrum verbarg! Wir schauten also etwas ungläubig auf Häagen Dazs, KFC und unzählige Geschäfte.

 

Karten-Kaos?

 

Ja, ich weiß, Neologismus. Nur falls jemand mich auf Rechtschreibfehler hinweisen will ;)

 

Zu acht in der Lobby, dank Zusatzregeln wild mit UNO-Karten um uns schmeißend beziehungsweise weitergebend, dazwischenwerfend, draufhauend, Farben auf Chinesisch sagend, Strafkarten ziehen müssend wenn man Deutsch spricht und noch vieles mehr, dauerte es nicht lange, bis einige Chinesen sich näher trauten um dieses Spektakel zu begutachten.

Es ist wohl ungewöhnlich, mit so vielen Leuten gleichzeitig zu spielen, und unsere Zusatzregeln machten es nicht gerade einfacher, dieses eigentlich wirklich nicht komplexe Spiel zu durchblicken. Auf jeden Fall hatte jeder seinen Spaß: Wir beim Spielen, sie beim Zugucken.

 

Austausch? Austausch!

 

Hier gibt es eine chinesische Studentin, die viel mit uns unternimmt. Einmal brachte sie auch eine Freundin mit. Es ist interessant, sich gegenseitig über verschiedene Themen auszutauschen, also beispielsweise über die Bedeutung von Familie in Deutschland und China oder über die Frage, ob die Deutschen immer so schnell laufen (das war ein für uns normales Lauftempo!).

 

Modernes Bahnfahren

 

Das U-Bahnsystem hier ist moderner als im Rhein-Main-Gebiet. Mithilfe von Tokens wird sichergestellt, dass keiner schwarz fährt oder zu wenig zahlt; security checks wie am Flughafen gibt es auch sowie Absperrungen vor den Gleisen mit Glastüren, die nur aufgehen, wenn eine Bahn kommt.

 

Was ich jetzt mache

 

Insgesamt bin ich also fast drei Wochen in Nanjing. Von zwei Wochen "Summer Training Programm" ist jetzt schon eine rum. Morgens besuchen wir einen Sprachkurs, nachmittags hören wir verschiedene Vorträge beziehungsweise probieren unsere Unterrichtskünste an Schülern aus. Wenn man bedenkt, dass wir uns auch komplett selbst verpflegen müssen, wird klar, dass nicht viel Zeit zum Chinesisch lernen, Unterricht vorbereiten oder einfach 'mal entspannen übrig bleibt. Dennoch haben wir unseren Spaß :-)

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Do

08

Aug

2013

Pilot gesucht

So, vor drei Stunden landeten wir sicher in Hong Kong. Nicht verwunderlich, eigentlich. Oder? Doch, irgendwie schon. Gestern früh um 4 Uhr morgens raus, auf dem Weg zum Flughafen die sms, die einiges verändern sollte: Flug ist verspätet. Nicht um eine Stunde, oder zwei; nein: gleich um satte siebeneinhalb! Wieso? Pilot krank. Während also ein neuer Pilot eingeflogen wurde, hieß es: Zeit toschlagen.

 

Wir drei – ich bin mit zwei Mitfreiwilligen, Amelie und Jakob, unterwegs – machten uns also einen schönen Tag. Ligretto spielen, durch den Regen laufen, mit Kindersekt anstoßen, Magnetschwebebahn fahren und 150€ an Essensgutscheinen verprasseln inklusive ;) Nach einem schnellen Abstecher bei Burger King boardeten wir den Flieger mit einer vollen Burger-und-Pommes-Tüte. Erstens wäre es schade um den nicht verbrauchten Gutschein gewesen, zweitens weiß man nie, woher die nächste Mahlzeit kommt und inweifern sie einem mundet. Schlimm fanden wie es also überhaupt nicht, dass der arme Pilot krank wurde.

 

Der Flug verlief reibungslos. Hong Kong bzw. deren Umgebung von oben zu sehen, war sehr beeindruckend. Aneinander gereihte Hochhäuser, unzählige Miniatur-Inseln, das Straßennetz mit teilweise drei Fahrbahnen übereinander, dadrüber Wolken wie Zuckerwatte...

 

In anderthalb Stunden geht es dann mit dem nächsten Flieger weiter nach Nanjing, wo unser Vorbereitungsseminar stattfindet und wir zudem auf die anderen Freiwilligen treffen. Es bleibt spannend!

 

Übrigens "Danke" an alle, die sich gestern bei mir meldeten, um mir alles Gute zum Geburtstag oder für das kommende Jahr zu wünschen. Es tut gut zu wissen, dass Leute an mich denken :)

 

Nachtrag: Gerade die Nachricht bekommen, dass sich unser Flug um eine Stunde nach hinten verschiebt. Es bleibt also noch spannender als ohnehin schon!

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Fr

12

Jul

2013

欢迎 - Willkommen!

Ich freue mich, dass Du den Weg hierher gefunden hast :)

 

Ein Blog. Wozu? Wenn man doch schon Rundbriefe und Zwischenberichte anfertigt und eigentlich sowieso voneinander hört? Tja. Weil ich vermute, dass man eher 'mal schnell auf einen Blog geht, als im ständigen E-Mail-Kontakt mit mir zu bleiben. Außerdem kann ich hier zwischendurch immer 'mal wieder ein paar Anekdoten mit Euch teilen. Dann muss ich diese nicht für jeden wieder neu aufschreiben... Mir ist jedoch sehr wichtig, dass ich nicht nur in die große Leere des Internets hineinposte. Auf Dauer macht es einfach keinen Spaß, vor sich hin zu schreiben, ohne Rückmeldungen zu bekommen. Deswegen folgende Bitte(n):

 

Kommentiert meine Einträge! Dies geht ganz einfach unter dem jeweiligen Post. Worüber würdet ihr gerne mehr erfahren? Was fandet ihr lustig, was scheußlich? Womit könnt ihr etwas anfangen, was erscheint euch fremd? Was habe ich eures Erachtens nicht genug reflektiert? Eure Kommentare kann übrigens jeder lesen.

 

Und:

 

Wenn ihr nur mir etwas mitteilen wollt, dürft ihr mich auch gerne eine private Nachricht schreiben. Das geht ganz einfach: Nutzt einfach das Kontaktformular unten in der rechten Seitenleiste. Eure E-Mail-Adresse müsst ihr eingeben, damit ich Euch auch antworten kann. Ich erwidere jede Ernst gemeinte Nachricht, sofern die Zeit es zulässt - versprochen.

 

Bitte tut dies ganz zwanglos. Wenn ihr auch gerne einfach still mitliest, ist das ebenfalls vollkommen in Ordnung.

 

Verweisen tu ich des Weiteren auf die Tabs oben, also auf den Prolog und das Impressum.

 

So, das war's dann erst 'mal von mir. Der nächste Eintrag folgt wahrscheinlich erst, wenn ich tatsächlich in China bin - also irgendwann im August.

 

Macht's gut,

Nadya

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Fr

09

Jan

2015

Nur weg von hier!?

Hast Du Lust "akademisches Lernen" kurzfristig über Bord zu schmeißen, Dich auf unbekannte Sprachen und Verhaltensweisen einzulassen und von Anderen zu lernen?


Hast Du Lust, Deine Grenzen zu erweitern?


Hast Du Lust ein Lerndienst im Ausland zu absolvieren?


Meine Entsendeorganisation, Mission EineWelt, hat im IEF-Programm von 2015/16 noch freie Stellen in China (!), Papua-Neuguinea, Tansania, Fidschi, Argentinien sowie Costa Rica!


Detaillierte Informationen gibt es hier: Freiwilligenstellen in Übersee.

 

Ich beantworte selbstverständlich gerne auftretende Fragen :-)


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Di

16

Sep

2014

"Wie war's?"

Liebes Deutschland,


ich habe dich gern. Ich habe dich vermisst, als ich so weit weg war. Ich liebe deine Sauberkeit, deine Pünktlichkeit, dass du meine Muttersprache sprichst, dass nicht immer um den heißen Brei herumgeredet wird. Ich liebe es, eine von Vielen sein zu können, wenn ich es will. Ich liebe deine Ruhe. Ich liebe es, Vieles selber tun zu können und nicht immer Hilfe zu benötigen.


Aber manchmal bist du mir einfach ein Bisschen zu sauber, zu pünktlich und zu transparent. Ich vermisse es, eine Straße entlang zu laufen und Ausschau zu halten nach Zeichen, die ich schon lesen kann. Hier verstehe ich alle Schilder, alle Gespräche, alles. Das ist langweilig, aber auch anstrengend. Plötzlich muss ich lernen, fremde Gespräche auszufiltern. Plötzlich bin ich nur einer von Vielen, ich bin angreifbar. Bin nicht mehr geschützt, kann Unwissenheit und Fettnäpfchen getrete nicht auf ein Ausländerdasein zurückführen. Muss plötzlich alles selber tun, kriege keine Hilfestellung.


Du bist mir zu ruhig, liebes Deutschland. Wieso tanzt keiner auf der Straße, wieso spielt keiner auf dem Bürgersteig Federball? Wieso stehen vor meiner Haustür keine zehn Elektroroller, deren Alarmanlagen ständig losgehen? Du bist mir zu perfekt. Jede Hecke perfekt geschnitten. Kleinbürgerlich. Es funktioniert alles, keine Frage. Aber wo bleibt die Improvisation, das Spontane, das Zusammengeflickte, das Fremde, das Nudel-Geschlürfe, die Handy-Gespräche über Lautsprecher?


Vielleicht ist aber auch das Fremde in der Ferne mir so selbstverständlich geworden, dass mir das Bekannte in Deutschland fremd vorkommt?


Liebes Deutschland, bitte frag mich nicht: "Wie war's?" Ernsthaft, was erwartest Du für eine Antwort? Wie viel Zeit hast Du, wie viel Interesse bringst Du mit? Meine Antwort auf so eine Frage lässt sich nicht auf zwei Sätze reduzieren, geschweige denn ein Wort. Ob ich nun "super!", "unglaublich!", "ganz anders" oder "Schwierig, aber trotzdem eine wahnsinnige Erfahrung, ich bin froh, es getan zu haben" von mir gebe – ich werde dem Gefühl in mir nicht gerecht.


Dem Gefühl, das mir sagt: So spontan und unbeholfen wie mein Gegenüber mich anschaut, so schwammig wie die Frage gestellt wurde, genauso unbeholfen und schwammig ist meine Antwort.

Erfahrungen lassen sich nicht in Worte fassen. Nicht so, auf dem Sprung. Bringt nichts. Vertreibt nur kurzfristig das Gefühl, etwas small talk betrieben zu haben und höflich gewesen zu sein.


Liebes Deutschland, wenn Du wirklich wirklich für mich interessierst, dann stell mir bitte konkrete Fragen. Was schwierig war, was toll war, was ich für Kollegen oder Schüler hatte, was ich aß, was ich in meiner Freizeit tat, wo ich hingereist bin, ob ich krank war. Welche Sprache ich versuchte, zu lernen (übrigens: Mandarin). Bitte versuch nicht, Chinesisch zu sprechen. Nein, ich kann Dir nicht sagen, was "shing shang shong" heißt.


Ich erwarte nicht, dass Du viel über mein Jahr weißt. Aber ich erwarte, dass Du offen fragst, statt einfach anzunehmen. Ich erwarte, dass Du ehrlich zu mir bist, so wie ich auch zu Dir ehrlich sein möchte. Vorausgesetzt, du möchtest mit mir über mein Jahr reden. Wenn nicht, ist das auch okay. Ich mache nur ungern halbe Sachen, also entweder Du interessierst Dich wirklich oder Du lässt die Fragen ganz bleiben. Von mir aus muss ich nicht über China reden. Dankeschön!


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Mo

01

Sep

2014

Der Blick nach vorn

Im August war ich dreimal mit drei verschiedenen Personenkonstellationen "weg". Da ich schon im Juli ausnahmslos unterwegs war, kann ich ziemlich sicher sagen: Ich bin ausgeurlaubt!


Nun bin ich in Gr-- Oe------, versinke im Verwaltungschaos (Danke, Deutschland!), schreibe hoffentlich irgendwann noch meinen Abschlussbericht, und freue mich auch auf das Rückkehrerseminar meiner Organisation nächste Woche. Dort werde ich Freunde treffen, mit denen ich in China war, aber auch andere Freiwillige, die an anderen Ecken der Welt verstreut waren. Hoffentlich wird es ein runder Abschluss meines Auslandsjahres!


Im Oktober werde ich dann mein Pharmazie-Studium in Marburg aufnehmen.


Dankeschön, liebe Leser. Für's Lesen, für's Kommentieren, für Euer/Ihr Interesse, für's Gebet.


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Di

29

Jul

2014

Alles hat ein Ende

Gereist sind wir. Von Jiayuguan nach Xi'An, von Xi'An nach Nanjing und von dort weiter nach Qingdao, Beijing, Xiamen, Suzhou und Shanghai, bevor es endgültig zurück nach Nanjing ging. Wir haben uns Städte angeschaut, Bekanntschaften geknüpft, Souvenirs erhandelt, "echten" Kaffee getrunken und und und. Ich habe indigniert versucht, Leuten klarzumachen, dass ich etwas Chinesisch spreche – hat wohl keiner erwartet. Ich habe frustriert feststellen müssen, dass Mandarin eben nicht gleich Mandarin ist und ich u.U. Leute in einer anderen Region gar nicht verstehe.

 

Zurück in Nanjing laufen wir durch die Gassen in der Nähe des Büros unserer Organisation, wo wir vor einem Jahr unser Vorbereitungsseminar hatten. Wir essen beim Koreaner, kaufen Reis-Baozi, gehen in den Supermarkt, bestaunen die Technik-Halle. Zur Kirche schaffen wir es nicht, es regnet und ich bin erkältet. "Weißt Du noch, …?" - "Ja." Ein merkwürdiges Gefühl beschleicht mich, das Gefühl des Zuhause seins – zumindest ein Stück weit.

 

Ich denke darüber nach, was mich vor einem Jahr beschäftigte. In Nanjing ging es damals los und in Nanjing geht auch mein Jahr nun zuende. Ich bin nicht die, die ich damals war. Natürlich nicht. Ich habe mich weiterentwickelt. Aber natürlich bin ich ich geblieben. In meinem Motivationsschreiben für meine Entsendeorganisation bat ich im April 2013 um die Chance, einen Teil meines Herzens an China und Chinas Leute zu verschenken. Ich habe diese Chance genutzt.

 

Das Jahr war gewiss nicht einfach und ich freue mich auch auf Deutschland. Aber ich habe viel erlebt, was ich vermissen werde: Gewisse Denkmuster, Handlungsweisen, berührende Momente mit einzelnen Personen, eine fremde Sprache, und das Gefühl doch ein ganz klein Bisschen erreicht zu haben. Und wenn die Schüler nicht viel Englisch lernten, dann habe ich doch den einen oder anderen im Herzen berühren und anstupsen dürfen. Mich hat in dem Jahr jedenfalls Vieles angestupst, manches sogar durchgerüttelt.

 

Nun sitze ich am Flughafen. In Deutschland wartet viel Bekanntes auf mich, aber auch mindestens so viel Unbekanntes. Meine Flügel sind gespreizt!

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Mo

30

Jun

2014

Kollegen, Freunde, Geschwister

Amity-Freiwilligenjahrgang 2013/14: Gansu
Amity-Freiwilligenjahrgang 2013/14: Gansu

 

Marked

 

Sometimes it was funny,

Sometimes it was tough.

Sometimes it was very, very rough.

Sometimes we laughed,

Sometimes we cried.

Boring was it (n)ever.

We made it through,

Made it to the end.

Together:

Sometimes more,

Sometimes less.

Together,

We look at the past.

One by one,

We face the future.

 

- NDS

 

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Sa

28

Jun

2014

Und weiter geht's

Fotos machen und hochladen (-> oben "照片" anklicken). Briefe verteilen. Schüler drücken. Briefe empfangen. Sagen: "Don't look sad!" Endlich zur Mauer gehen, bevor es zu spät ist. Kino. Essen. Schlafen. Aufwachen und nicht wissen, in welchem Land, in welcher Wohnung ich bin. Vergessen. Flüge (um)buchen. Jugendherbergen ausfindig machen. Eh nicht wissen, wo mir der Kopf steht. Tschüss sagen. Mich Mitte nächster Woche wieder auf die Reise begeben. (Un)metaphorisch. Computer-los. Die Chance ergreifen und vorwärts gehen. Am 30.7 heißt es vorerst endgültig "Hallo Deutschland". Gespannt sein, auf das was kommt: in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten.

 

Reiseroute
Reiseroute
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Mo

23

Jun

2014

...und die letzte Unterrichtswoche bricht an

Montagmorgen, 1. Stunde. Lehrerzimmer. Ich, eine weitere Lehrerin, ein Schüler und seine Mutter sind anwesend, außerdem eine zweite Schülerin, die am PC sitzt und die Vokabeln für ihren Kurs abtippt.

 

Die Lehrerin sitzt an ihrem Schreibtisch. Vor ihr der Schüler. Sie redet eindringlich auf ihn ein. Sein Kopf ist gesenkt, er schweigt – auch wenn ihm rhetorische Fragen gestellt werden. Seine Mutter steht dahinter, mit dem Rücken zu ihm. Ich höre ein Schniefen und vernehme, dass sie weint.

 

Die Lehrerin steht auf. Ich höre einen dumpfen Schlag. Dann eine Ohrfeige. Sie redet weiter. Ich starre weiter auf meinen PC, gucke mich nicht um, erspare dem Schüler und seine Mutter diese Pein. Die Vokabeln abtippende Schülerin rührt sich ebenfalls nicht. Irgendwann ist es dann auch vorbei.

 

Ich weiß nicht, was vorgefallen ist. Ob der Schüler in irgendwelchen Klausuren schlecht abschnitt, ob er seine Hausaufgaben nicht machte, mit seinem Handy im Unterricht erwischt wurde, den Unterricht störte, zu spät kam, und/oder ...

 

Dieser Vorfall ist kein Einzelfall. Wenn so die neue Woche beginnt, … es tut mir weh. Es ist meine letzte Woche, für mich ist es bald vorbei. Allerdings betrifft mich das Ganze eh nur peripher: Es sind meine Schüler, die so diszipliniert werden und es sind meine Kollegen, die so disziplinieren. Ich werde und wurde nicht so diszipliniert und es wird auch nicht erwartet, dass ich mich auf die Art und Weise bemühe, durchzugreifen.

 

Ich bin bald weg, aber meine Schüler bleiben und meine Kollegen bleiben. Was soll sich denn schon ändern? Schlagen ist verboten, sagt Peking.

 

Peking hat mir in der Vergangenheit schon befohlen, wieder bis 17:50 im Lehrerzimmer zu verweilen statt früher gehen zu dürfen. Peking hat mir auch schon verboten, BesucherInnen bei mir übernachten zu lassen.

 

Wieso kriegt Peking es dann nicht hin, etwas m.E. viel Wichtigeres durchzusetzen? Weil Peking 1600km weit weg ist und weil es (wider erwarten!) nicht von heute auf morgen ein Umdenken erwirken kann. Sonst traue ich Peking ja so einiges zu...

 

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Mi

18

Jun

2014

Kurzurlaub: 夏河

Alle im nachfolgenden Text abgekürzte Wörter beziehen sich auf das Dach der Welt und auf den Ort, für den Ausländer eine besondere Einreisegenehmigung neben dem chinesischen Visum benötigen; auf den (Nicht-)Teil Chinas, in dem man die einheimische Bevölkerung besser nicht als Chinesisch bezeichnet und auf die T-Shirts mit dem Aufdruck "Free T---t", die man besser nicht dort trägt, wo ich gerade wohne.

 

Während an meiner Schule die Neuntklässler ihre Abschlussklausuren (中考 = zhōngkăo) schrieben, die Achtklässler zuhause saßen und büffelten, weil sie heute Biologie und Erdkunde schreiben und die Siebtklässler … nunja, frei hatten … fuhr ich mit zwei anderen Freiwilligen, Olen und Caspar, weg. Wir waren in 夏河 (Xiahe).

 

Xiahe ist eine Klosterstadt und bedeutender Pilgerort für t--------e Buddhisten. Sie gehörte früher zur t---------n Provinz Amado, ist jedoch heute Teil der chinesischen Provinz, in der ich lebe (Gansu). In Xiahe wohnen also viele T-----r (die Anhänger des t---------n Buddhismus sind), aber auch Han-Chinesen und Hui-Chinesen (letztere sind meist Muslime). Die Straßenschilder waren zwei- bis dreisprachig: oben T-----sch, in der Mitte Mandarin, manchmal unten noch pinyin (lateinische Buchstaben, deren Aussprache dem T-----sch entsprach und nicht dem Mandarin).

 

Das Straßenbild wurde dominiert von Taxis, Mönchen an ihren Handys (meist iPhones, kurioserweise) sowie Pilgern, aber auch t---------n Familien mit Frauen und Kindern, die um das Kloster herum leben. Im Kloster selber kommen nur Mönche unter. Auf einer Strecke von ca. 3km reiht sich eine hölzerne, bunt lackierte Gebetsmühle an die nächste. Am ersten Tag standen wir früh auf in der Hoffnung mitzuerleben, wie die Mönche die Mühlen drehen. Viele von ihnen waren nicht mehr unterwegs, dafür jedoch andere Teile der Dorfbevölkerung. Ansonsten haben wir uns von einem Mönchen einmal um die Anlage herumführen lassen, waren wandern und Fahrrad fahren, stellten fest, dass viele Leute kein Chinesisch konnten (sondern nur T-------sch), kauften Souvenirs und bestaunten Yaks, schlugen uns die Bäuche mit t---------n Essen voll und ließen (auch beim Fußballspiel Deutschlands gegen Portugal) einfach 'mal die Seele baumeln.

 

Da die beiden Jungs fleißig fotografierten, könnt ihr euch auf Olens Blog Bilder anschauen:

 

Mir bleiben nun noch knappe zwei Wochen in Jiuquan, bevor ich mich mit einer Mitfreiwilligen erneut auf die Reise begebe.

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Di

17

Jun

2014

加油

Vor ungefähr einer Woche fanden die Abschlussprüfungen der Zwölftklässler statt

(高考 = gaokao). Ein paar Tage später entdeckte ich folgendes Schild in der Einfahrt

einer senior middle school:

 

 

距 2015 年

高考还有

362 天

 

"362 verbleibende Tage

zu den Prüfungen 2015"

 

 

Schon jetzt beginnt der Countdown. Schon viel früher begann die Lernerei, immer gefolgt von dem Spruch "加油" - wörtlich "Öl hinzufügen", im übertragenen Sinne "Weitermachen!".

 

Wenn ich dieses Schild sehe, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Es verdeutlicht mir, wie viel Druck auf chinesischen Schülern lastet und erinnert mich daran, wie wenig ich im Endeffekt für meine Abiturklausuren lernte und dennoch gut weg kam.

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Fr

13

Jun

2014

Vorwärts

Ich freue mich, bald weg zu sein und dennoch zerreisst mich der Gedanke, dass ich nicht zurückkehre.

 

Strample vorwärts

  • in ein Land, das ich kenne, mir aber doch fremd ist.
  • in ein Land, das meins, aber nicht mein einziges ist.
  • in Gleichheit unter Vielfalt; die Vielfalt unter Gleichen seiend dem Rücken zukehrend

und weiß: Es ist keine endliche Entscheidung.

 

Erfahrungen mitnehmend sage ich: Welt, ich komme wieder.

 

 

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3. Dezember 2013

Not macht erfinderisch

Kommentare: 3
  • #3

    chinadya (Mittwoch, 11 Dezember 2013 14:06)

    @ Christina: Danke! :)

    @ Barbara Müller: Dankeschön! Ich freue mich besonders, quasi anonym gelobt zu werden ;) Ich freue mich auch auf ein Kennenlernen. Heute ist mir aufgefallen, dass wir in zwei Wochen schon Weihnachten haben.

  • #2

    Barbara Müller (Montag, 09 Dezember 2013 22:41)

    Nadya, die Blogeinträge sind super witzig . Lese immer gerne darin. Und der Adventskranz ist wirklich kreativ!! Freue mich auf ein Kennenlernen bei Amelie, wenn wir sie besuchen.
    Barbara Müller ( Mama von Amelie)

  • #1

    Christina (Dienstag, 03 Dezember 2013 17:40)

    Gute Idee und auf jeden Fall etwas Besonderes :-)

    Dir wünsche ich ebenfalls eine gesegnete Adventszeit!

13. Oktober 2013

142 Stufen

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Kommentare: 2
  • #1

    Christina (Sonntag, 27 Oktober 2013 18:58)

    Hallo Nadya,
    Da hast du ja einiges zu leisten mit den Treppenstufen - wie viele Stockwerke sind das denn dann?
    Besonders warm habt ihr es ja nicht gerade in der Wohnung - ich hoffe, ihr friert nicht zu sehr. Zum Glück ist das Wetter noch nicht winterlich kalt, auch wenn die Temperaturen bei euch niedriger sind als bei uns in Deutschland (die letzten Tage lagen die Höchsttemperaturen hier um die 20°C).
    Wer mag, kann auf dieser Wetterkarte das Wetter vergleichen zwischen Deutschland und China:
    http://haeremai.de/wetter/
    Oder hier der Kartenausschnitt für Jiuquan:
    http://haeremai.de/wetter/?zoom=9&lat=39.724&lon=98.543
    ("Richtige" Links gehen wohl nicht im Kommentarfeld?)

  • #2

    chinadya (Donnerstag, 31 Oktober 2013 15:16)

    Das Lehrerzimmer ist im obersten Stockwerk, laut chinesischer Rechnung dem 6. Stock, in Deutschland würde man es das 5. Obergeschoss nennen. Da allerdings schon 12 Stufen zum "ersten Stock" (=Erdgeschoss in Dt.) führen, kann es m.E. durchaus als 6. Stock bezeichnen :)
    Nein, richtige Links funktionieren anscheinend nicht. Wenn ich Zeit habe, schau ich mal, ob man das irgendwie möglich machen kann... Ansonsten ist es auch nicht mühsam, den Link eben zu kopieren.

Echt jetzt?

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Kommentare: 2
  • #1

    KathaP (Mittwoch, 16 Oktober 2013 10:19)

    Hört sich auf jeden fall gut an ;) und es macht dir bestimmt auch mehr spass, wenn du weisst, dass sie auch mit begeisterung dabei sind :)

  • #2

    chinadya (Donnerstag, 31 Oktober 2013 15:17)

    Jap, das stimmt. Bei Klassen, die von sich aus motiviert sind, bin ich definitiv auch motivierter.

Gesucht!

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Kommentare: 5
  • #1

    Caro (Dienstag, 17 September 2013 10:30)

    Nadya :)
    was hältst du von Sudoku, Mandalas oder Käsekästchen? Das hat mich in den langweiligen Biostunden von Herr Caspari vorm Einschlafen bewahrt... oder du ließt dich einfach durch die ganzen Blogs von unserer Stufe (Hannah & meinen, Claudis etc.). Dann bist du auch erst mal beschäftigt.
    Ich hoffe dir geht's soweit gut? Bin gespannt auf deine nächsten Berichte!

    Liebe Grüße aus Indien,
    Caro :)

  • #2

    Annette Schulz (Sonntag, 29 September 2013 19:49)

    Liebe Nadya,

    dieses Mal schreibe ich Dir unter meinem vollständigen Namen, um Verwirrungen auszuschliessen.

    Nach der "lustigen" Episode, die Du mit Deinen Schülern erlebt hast, ist mein Vorschlag der, sich in mit der chinesischen Kultur und Mentalität vertraut zu machen, um die Menschen besser verstehen und Missverständnisse vermeiden zu können. Ich habe irgendwann einmal eine Liste mit Fehlern ausländischer Unternehmen durchgelesen. In Erinnerung ist mir geblieben, dass McDonald in China (oder Japan (?)) seinen Clown nicht anbringen konnte, weil weiß die Farbe für den Tod ist.

    Ansonsten freue ich mich, dass es Dir gut geht und Du Fortschritte bei der sicherlich nicht immer leichten Eingewöhnung machst. Wenn Du wieder in Deutschland bist kannst Du Deinen Reisebericht sicherlich in pidgin halten.

    Liebe Grüße aus dem herbstlichen Kelkheim

    Annette Schulz

  • #3

    Heiko Metzner (Dienstag, 08 Oktober 2013 23:31)

    Hallo Nadya,
    hier ist ein Link von Radio China International,http://german.cri.cn/, dort wird man über vieles aus China informiert. Aus Zeitungen erfährt man dies nicht.
    Diese Seite ist eine Weiterentwicklung von RCI, früher konnte man ihn nur über Kurz- bzw. Mittelwelle hören.

    Liebe Grüße

    Heiko

  • #4

    chinadya (Donnerstag, 31 Oktober 2013 15:23)

    Caro, Caro. Franzi und ich haben schon bei Skype Spiele gegeneinander gespielt.. Irgendwie schaffe ich es in letzter Zeit, mich occupied zu halten. Badminton kann man schließlich immer spielen und Hefte korrigieren auch.. Wenn ich auch nur bei 2 Klassen die Hefte einsammele, sind das 100 - 120. Da sitz' ich dann auch 'ne Weile dran...

    Annette: Ja, ich gebe mein Bestes. Vor der Abreise habe ich z.B. etliche Bücher gelesen und auch hier tauschen wir Freiwilligen uns viel aus. Lustigerweise erleben wir wirklich Ähnliches! Der Leitspruch einer lautet "It's a cultural experience... Whatever happens, it's a cultural experience." Außerdem haben wir im Lehrerzimmer immer die Chance, Chinesen nach ihrer Meinung zu fragen.

    Hallo Heiko. Schön, dass du meinen Blog gefunden hast! Die Radio-Sache klingt auch interessant, wie du das wohl gefunden hast?

  • #5

    Lea K. M. (Freitag, 18 April 2014 11:39)

    Heiko intressiert sich sehr für Radios hört gerne auch Radio Sender aus China und Korea . Er hat auch schon bei einem Radiowettbewerb mitgemacht . Ich auch und ich habe was gewonnen siehht total schick aus zeige ich dir nächstes Mal wenn du bei uns bist ich freue mich schon . Es gibt Seiten im Internet wie : jetztspielen oder spieleaffe oder girlsgogames auf Spieleaffe spiele ich gerne mal Ameisenabwehr :D
    Liebe Grüsse
    Deine Lea

 6. September 2013

An(ge)kommen

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Kommentare: 1
  • #1

    Christina (Sonntag, 08 September 2013 17:36)

    Gerade hab ich deinen neuen Eintrag entdeckt. Freut mich zu lesen, dass dir der Unterricht auch Spaß macht. Auch wenn nicht immer alles so kommt wie geplant...

26. August 2013

NigelNagelNeuer eiNtrag aus NaNjiNg

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Kommentare: 12
  • #1

    Doro (Montag, 26 August 2013 12:47)

    Wow, es gibt doch einen Gottesdienst, das ist ja cool :)

  • #2

    Sebastian W. (Montag, 26 August 2013 14:35)

    Na, das klingt doch alles sehr interessant und aufregend :D
    Bist du in Gansu dann alleine?

  • #3

    chinadya (Montag, 26 August 2013 15:58)

    @ Doro: Ja klar gibt es einen Gottesdienst :) In Jiuquan auch, aber dort eben nur auf Chinesisch...
    @ Sebastian W.: Ja, ist es auch :) Nope, ich komme mit einer anderen Freiwilligen an eine Schule. Wir teilen uns eine Wohnung, unterrichten tut jedoch jeder für sich.

  • #4

    艾丽 Ai li (Montag, 26 August 2013 17:06)

    Also ich hab unsere Kakerlaken echt lieb gewonnen <3

  • #5

    Annette (Montag, 26 August 2013 20:54)

    Hallo Nadya,

    eine interessante Erfahrung ist auch, dass Du "in die Zukunft" geflogen bist. Du hast Deine neuesten Erlebnisse am 26.08. aufgeschrieben. Ich habe sie bereits am 25.08. abends um 20:00 h gelesen. Ich wünsche Dir weiterhin viele Überraschungen. Liebe Grüße auch von Miriam.

  • #6

    Christina (Dienstag, 27 August 2013 18:40)

    Bei euch ist ja nun schon der Mittwoch angebrochen - es geht also "heute" nach Jiuquan. Ich wünsche dir eine gute Reise dorthin und weiterhin viele spannende und schöne Erlebnisse.
    Über deine Berichte freue ich mich immer sehr :-)

  • #7

    Nadya (娜 迪) (Mittwoch, 28 August 2013 04:04)

    @ 艾丽 Ai li: Oh ja, ich auch <3 Einsam waren wir jedenfalls nie ;)
    @ Annette: Ja, das stimmt! Es ist teilweise echt verwirrend... Waren die Grüße auch von Muri oder tatsächlich von Miri?
    @ Christina: Danke!

  • #8

    Annette (Mittwoch, 28 August 2013 14:24)

    Liebe Nadya,

    ich hoffe, Du bist inzwischen gut in Jiuquan gelandet. Ob das dieses Mal wohl ohne Verspätung geklappt hat? Ich wünsche es Dir und bin jetzt schon gespannt auf den nächsten Bericht.
    Um Verwechselungen vorzubeugen: Annette steht für Fam. Schulz aus Oberursel. Miriam heißt tatsächlich so. Miri oder Muri sind leider keine Geschwister.

    Liebe Grüße

  • #9

    Jaira (Mittwoch, 28 August 2013 20:47)

    Hey Nadya! :)

    Das klingt ja schon mal ziemlich lustig! :) Aber ich glaube, ich wäre zu unfähig diese Sprache zu übersetzten. Ein Glück bist du technikbewandter als ich. :D
    Und es freut mich riesig für dich, dass es tatsächlich einen Gottesdienst gibt. Und das der so tolle Erinnerungen weckt!

    Gaaanz liebe Grüße! :*

  • #10

    Nadya (娜迪) (Donnerstag, 29 August 2013 17:00)

    @Annette: Ich kenne zwei Annettes und habe die wohl verwechselt. Tut mir Leid! Die andere hat nämlich eine Tochter namens Muri (Muriel), die gut mit meiner Schwester Miri (Miriam) befreundet ist. Daher das Chaos...
    Liebe Grüße zurück an Miriam :) Hoffentlich geht es ihr gut.
    Ja, ich bin sicher, wohlbehalten und halbwegs pünktlich in Jiuquan gelandet. Jetzt sind meine Mitfreiwillige und ich dabei, uns mit der Stadt und unserer Wohnung vertraut zu machen, bevor wir ab Montag unterrichten.
    Viele Grüße!

    @Jaira: Tschaira! Ja, die Sprache werde ich wirklich lernen müssen. Ohne geht einfach nichts. In einem Buch heißt es "Der Durchschnittschinese kann ungefähr so viel Englisch wie der Durchschnittsdeutsche Mandarin" und ungefähr so ist es auch...
    In Nanjing waren wir mehrmals in der englischen Gemeinde. Hier in Jiuquan gibt es leider nur eine chinesische. Ich will da unbedingt einmal hin, obwohl es sich momentan als eher schwierig entpuppt, da ich einfach noch zu wenig Chinesisch kann.
    Allerliebste Grüßle :*

  • #11

    Matschi und Hans (Mittwoch, 04 September 2013 21:11)

    Naddi, du schreibst schön. Es macht spaß deine Eindrücke zu lesen.

  • #12

    chinadya (Freitag, 06 September 2013 17:24)

    @Matschi & Hans: Ich musste wirklich lange überlegen bis ich darauf kam, wer ihr seid ;) Danke danke!

19. August 2013

Kunterbuntes aus Kina

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Kommentare: 4
  • #1

    Sulamith (Dienstag, 20 August 2013 12:40)

    Ich bin froh, dass du wieder einen funktionierenden Blog hast!
    Was du schreibst, klingt echt schön. So als würdet ihr Freiwilligen euch in das Land einfügen, was ja bestimmt auch der Fall ist.

  • #2

    chinadya (Freitag, 23 August 2013 15:20)

    Wo ye hen gaoxing ;)
    Zum Einfügen: Naja, wie man es eben sieht. Ich glaube, wir brechen unbewusst alle möglichen Verhaltensregeln, wider besseren Wissens. Das kommt aber alles nach und nach und wird sicherlich auch noch mal anders, wenn unsere Sprachkenntnisse zunehmen und wir besser in Kontakt mit Anderen treten können.

  • #3

    Doro (Montag, 26 August 2013 12:47)

    Wow, das hört sich echt alles extrem spannend an! Lustig, dass das mit den fotografierenden Peace zeigenden Chinesen nicht nur ein deutsches Klischee ist :)
    Frage: Wenn der Kurs dann rum ist kommst du dann an den Ort, wo du den Rest des Jahres bleibst oder, wie läuft das?

  • #4

    chinadya (Montag, 26 August 2013 16:02)

    Doro: Hahahaha ;) Es trifft natürlich nicht auf alle Chinesen zu, aber schon auf einen Großteil derer, die ich bis jetzt kennenlernen durfte. Genau, der Vorbereitungskurs ist zuende und am Mittwoch fliegen wir weiter nach Genau. Und dort, also in Jiuquan, bleibe ich bis Ende Juni 2014.

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